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Ungefährliches Virus als Träger Impfstoff aus China zeigt Immunreaktionen

Impfung

Forscher testen derzeit acht verschiedene Impfstoffkandidaten an Menschen.

(Foto: Martin Schutt/zb/dpa/Archivbild)

Auch wenn die Ansteckungszahlen mit Sars-CoV-2 in Teilen der Welt nicht mehr sprunghaft ansteigen, arbeiten Forscher weltweit daran, wirksame Mittel gegen das Virus zu finden. Nachdem in den USA von ersten Tests mit Impfstoffen an Menschen berichtet wird, meldet auch China erste Erfolge.

Vor einigen Tagen stellte die US-amerikanische Firma Moderna einen Impfstoffkandidaten vor. Nun ziehen Forscher aus China nach, allerdings mit einem anderen Ansatz. Hat man in den Vereinigten Staaten auf eine neue Technologie mit sogenannten mRNA-Vakzinen gesetzt, fokussieren sich die Wissenschaftler von CanSino Biologics in Tianjin auf ein genetisch modifiziertes Virus. Sie orientierten sich dabei an einem Ebola-Impfstoff, den sie vor fünf Jahren entwickelt hatten.

Bei dem sogenannten rekombinanten Impfstoff kombinieren die Forscher in der Hafenstadt im Norden Chinas ein harmloses Adenovirus mit dem Gen des Spike-Proteins von Sars-CoV-2. So wird das Spike-Protein, das als Schlüsselstelle bei der Infektion gilt, vom Immunsystem als fremd erkannt und bekämpft. Diese Immunreaktion soll geimpfte Menschen vor einer späteren Infektion mit Sars-CoV-2 schützen. Der Impfstoff wird in Muskeln injiziert.

In China wurde Mitte März begonnen, insgesamt 108 gesunde Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren in Wuhan, dem Ursprungsort der Pandemie, mit dem Vakzin zu behandeln, schreiben die Forscher in ihrer Mitteilung, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde. Die Freiwilligen wurden in drei Gruppen eingeteilt, die den Impfstoff einmalig, aber in drei verschiedenen Dosen bekamen. Zuvor wurden alle Probanden auf Sars-CoV-2-Antikörper getestet, um auszuschließen, dass sie bereits Antikörper gebildet hatten. Nach der Impfung waren alle Studienteilnehmer in Quarantäne in einem Hotel untergebracht.

Nebenwirkungen vor allem bei höherer Dosis

Insgesamt wurden die Studienteilnehmer bis 28 Tage nach der Impfung kontrolliert. Dabei wurden mehrmals Blutproben genommen und nach Nebenwirkungen gefragt. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Probanden die Impfung gut vertrugen. Bei mehr als der Hälfte aller Geimpften zeigten sich leichte Schmerzen an der Injektionsstelle. Etwas weniger als die Hälfte der Probanden berichtete von Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen, 17 Prozent gaben Muskelschmerzen an. Ein Teilnehmer, der eine höhere Dosis bekommen hatte, war sogar von hohem Fieber und schweren Symptomen wie Müdigkeit, Atemnot und Muskelschmerzen betroffen. Allerdings verschwanden diese unerwünschten Nebenwirkungen innerhalb von 48 Stunden wieder.

Im Blut der Probanden sahen die Forscher verschiedene Reaktionen des Immunsystems: Es gab sowohl T-Zell-Antworten als auch die Bildung von Antikörpern. Die Blutwerte, die in Bezug auf diese Immunreaktionen gemessen wurden, waren 14 Tage nach der Gabe des Impfstoffes am höchsten. Und 28 Tage nach der Impfung bei der Mehrheit der Probanden noch nachweisbar. Allerdings, so die Forscher, gebe es auch Hinweise darauf, dass bei Personen, die vorher eine Immunität gegen das spezielle Adenovirus hatten, die Bildung der Immunität sowohl bei der Bildung von Antikörpern, als auch von T-Zellen verringert sein könnte.

Um offene Fragen zu klären, ist bereits eine zweite Studie in China in Arbeit. Bei dieser werden insgesamt 500 gesunde Personen in Gruppen geteilt, um mit dem Impfstoff in verschiedenen Dosen und einem Placebo getestet zu werden. Obwohl weltweit derzeit acht Impfstoffkandidaten in klinischen Studien geprüft werden, wird es noch mehrere Monate dauern, bis ein sicherer Impfstoff für den Markt zugelassen wird und massenhaft produziert werden kann. Ist der Impfstoff aber erst einmal da, könnte die deutsche Bevölkerung relativ schnell flächendeckend geimpft werden. "Mit der notwendigen großen Anzahl von Impfärzten ist das eine Sache von Monaten", sagt Professor Klaus Chichutek vom Paul-Ehrlich-Institut im "ntv Frühstart" dazu.

Quelle: ntv.de