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Therapieerfolg vorhersagbar Bluthochdruck durch Nieren-OP behandeln?

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Vorbereitungen vor einer Operation.

(Foto: picture alliance / Angelika Warm)

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Bluthochdruck. Nicht bei jedem Betroffenen helfen Medikamente. Ein neu entwickeltes Online-Tool soll Patienten und Ärzten helfen, beim Conn-Syndrom eine Operationsentscheidung zu treffen.

Die Gründe für zu hohen Blutdruck sind vielfältig. Bei rund zehn Prozent aller Betroffenen geht die auch als Hypertonie bekannte Erkrankung auf einen Kaliummangel zurück. Dieser wiederum entsteht durch eine vermehrte Ausschüttung von Aldosteron, einem körpereigenem Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Durch zu viel Aldosteron wird über den Urin einerseits zu viel Kalium ausgeschieden und andererseits Natrium im Körper zurückgehalten. Das führt zu einem Ungleichgewicht der Blutsalze, wobei schließlich zu viel Wasser im Blutkreislauf bleibt und der Blutdruck steigt.

Conn-Syndrom

Mit Conn-Syndrom wird eine vermehrte Ausschüttung des Hormons Aldosteron bezeichnet, die durch die Vergrößerung der Nebennieren oder eines hormonbildenden Knotens daran entsteht. Das führt zu einem Ungleichgewicht der Blutsalze Kalium und Natrium und schließlich zu Bluthochdruck. Betroffene leiden oftmals unter Müdigkeit, Muskelschwäche und lebensbedrohlichen Herzrhyhtmusstörungen.

Vor allem Menschen zwischen 30 und 50 Jahren erkranken daran, Frauen genauso häufig wie Männer. Das Conn-Syndrom bleibt häufig unentdeckt, obwohl es unbehandelt Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Diabetes nach sich ziehen kann.

Das Krankheitsbild, auch als Conn-Syndrom bezeichnet, wird häufig erst spät erkannt. Nach der Diagnose wird es häufig mit Medikamenten behandelt. Doch nicht immer kann auf diese Weise der zu hohe Blutdruck auch gesenkt werden. Wenn bei Patienten der Auslöser für Bluthochdruck eine einseitig vergrößerte Nebennierenrinde oder hormonbildende Geschwulste im gleichen Bereich sind, dann erwägen Ärzte auch einen minimalinvasiven operativen Eingriff, bei dem entweder die Geschwulst oder aber die Nebennierenrinde entfernt werden.

Online-Tool berechnet OP-Erfolg

Das Problem dabei: Nicht immer führt der Eingriff zu der gewünschten Normalisierung des Blutdrucks. Um besser abschätzen zu können, für welchen Patienten mit Conn-Syndrom die Operation sinnvoll ist, hat ein Forscherteam um Martin Reincke nun ein Online-Tool für Ärzte entwickelt. Zuvor hatten die Forscher ein Punktesystem für insgesamt 380 Patienten erstellt, die sich bereits einer Operation unterzogen hatten. Mithilfe der Ergebnisse konnten die Mediziner insgesamt sechs Faktoren identifizieren, die maßgeblich für einen Therapieerfolg nach einer Operation beim Conn-Syndrom sind. Es handelt sich dabei um die Dauer des Bluthochdrucks, das Geschlecht, die Dosis der blutdrucksenkenden Medikamente, der Body-Mass-Index, mögliche Schäden am Zielorgan sowie die mit bildgebenden Verfahren ermittelte Größe des größten Knotens. 

Ärzte haben nun die Möglichkeit, die Daten ihrer Patienten in ein Online-Tool einzugeben. Sie erhalten dann ein Ergebnis für die Erfolgsaussichten der Bluthochdruckbehandlung durch eine Operation. "Können wir unseren Patienten vorhersagen, wie gut ihre Chancen auf eine komplette Heilung ihres Bluthochdrucks sind, tun sie sich viel leichter mit der Entscheidung für eine Operation", sagt Martin Reincke, Endokrinologe und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Klinikums der LMU München, der an der Studie beteiligt war.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin "Annals of Surgery" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de, jaz

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