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Hitzige Kopfkrankheit der Pferde Bornavirus tötet auch Menschen

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Das Modell zeigt, wie ein Bornavirus aussieht.

(Foto: wikipedia / gemeinfrei)

Bisher gilt die Bornakrankheit als eine Pferde- und Schafkrankheit, die meistens tödlich endet. Doch nun weisen Mediziner den Erreger im Hirngewebe bei verstorbenen Männern nach, die an einer Gehirnentzündung starben.

Verhaltensänderungen, Bewegungsstörungen und Zähne knirschen sind nur einige der Symptome, die nach einer Infektion mit dem Bornavirus bei Pferden auftreten. Der klassische Erreger, der mit BoDV-1 bezeichnet wird, war bisher nur bei Pferden und Schafen nachgewiesen worden. Die Bornakrankheit gehört zu den Tierseuchen. Doch nun finden ihn Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg auch bei Menschen als Auslöser einer schweren Gehirnentzündung, an der zwei Männer schließlich auch verstarben.

Bornakrankheit

Die Bornakrankheit wurde erstmals 1813 als  "hitzige Kopfkrankheit der Pferde" beschrieben. Es handelt sich um eine Tierseuche. Nachdem 1894 ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde in Borna daran erkrankte, erhielt sie ihren Namen. Die Viren werden höchstwahrscheinlich von Spitzmäusen ausgeschieden und landen dann bei anderen Säugetieren, meistens bei Pferden und Schafen. Die Forscher bezeichnen diese als Fehlwirte. Die infizierten Nager selbst zeigen keine Symptome.

Der Bornavirus wurde 1970 identifiziert. Er ist mit Erregern von Staupe, Tollwut und Masern verwandt. In jüngster Zeit wurden Infektionen damit auch bei Rindern, Ziegen, Katzen und sogar Straußen entdeckt.

Den Fall eines 25-jährigen Studenten beschreibt das Team um Professor Armin Ensser vom Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen im New England Journal of Medicine ausführlich. Der junge Mann lebte mit seiner Familie, zwei Hunden und zwei Katzen in Bayern. Der Ingenieurstudent verbrachte viel Zeit draußen, war aber in den letzten Wochen nicht gereist. Er stellte sich mit Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Verwirrung in einem Krankenhaus vor und wurde noch am selben Tag ins Universitätskrankenhaus eingewiesen.

Dort verbesserte sich sein Zustand nicht. Desorientiertheit und psychomotorische Verlangsamung kamen hinzu. Nach nur wenigen Tagen konnte der Patient nicht mehr laufen und seine Muskeln begannen zu zucken. Er musste beatmet werden. Die Untersuchungen zeigten zunächst, dass er an einer Gehirnentzündung litt, die nach 23 Behandlungstagen schließlich zum Tod führte. Bei der Autopsie des Patienten entdeckten die Forscher im Gehirngewebe des Verstorbenen die Erbsubsstanz des klassischen Bornavirus BoVD-1.

Auf der Suche nach anderen Fällen

Mit diesem Befund machten sich die Forscher an die Untersuchung zweier weiterer Todesfälle am Universitätsklinikum. Auch diese beiden Männer waren trotz intensiver Behandlung nach einer schweren Gehirnentzündung gestorben. Die Forscher konnten in der Gewebeprobe eines verstorbenen Patienten ebenfalls das BoVD-1 nachweisen. "Die von uns untersuchten tödlichen Krankheitsfälle zeigten das Krankheitsbild einer schweren Gehirnentzündung, die eindeutig von Bornaviren ausgelöst wurde", fasst Ensser die Untersuchungsergebnisse zusammen. Damit wurde erstmals das BoVD-1 bei Menschen nachgewiesen. Wie sich die Männer infiziert haben, bleibt bisher unklar.

Bisher tritt das Bornavirus in Teilen Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins auf. Bei Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen solle deshalb das Bornavirus als Erreger berücksichtigt werden, schreiben die Forscher. "Die Dunkelziffer von Bornavirus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen ist unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde", erklärt Ensser das bisherige Verfahren.

In der Vergangenheit war zwar bereits von anderen Forschern über Todesfälle durch eine Infektion mit Bornaviren berichtet worden. Die Ansteckungen wurden allerdings durch exotische Bunthörnchen oder Spenderorgane ausgelöst. Zudem handelte es sich nicht um den klassischen BoVD-1-Erreger, sondern um artverwandte Ableger. Der 70-jährige infizierte Organspender zeigte übrigens keine Symptome.

Die Forscher kündigten weitere Forschungen an. Diese sollen unter anderem klären, wie häufig Bornavirus-Infektionen beim Menschen tatsächlich sind, wie das Virus rechtzeitig diagnostiziert und der tödliche Infektionsverlauf verhindert werden kann.

Quelle: n-tv.de, jaz

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