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Europäer brauchen noch Zeit China testet Impfstoff final in Brasilien

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9000 Angestellte aus dem brasilianischen Gesundheitssektor sollen den Impfstoff aus China erhalten.

(Foto: dpa)

Weltweit forscht die Pharmaindustrie fieberhaft an einem Corona-Impfstoff. Ein vielversprechender chinesischer Kandidat soll nun brasilianischem Gesundheitspersonal verabreicht werden. Französische und deutsche Pharmaunternehmen sind noch nicht so weit.

Mit einem Flug aus Frankfurt ist ein wichtiger Corona-Testimpfstoff im brasilianischen Sao Paulo angekommen: Der chinesische Pharmakonzern Sinovac möchte in Brasilien damit die entscheidende dritte Testphase seines Impfstoffs starten. Die Ankunft bestätigte das brasilianische Fernsehen. Demnach sollte der Impfstoff weiter zum federführenden Forschungszentrum Instituto Butantan in der brasilianischen Metropole gebracht werden.

Fast 9000 Angestellte aus dem Gesundheitssektor sollen den Impfstoff erhalten. Nach einem Bericht der Zeitung "O Globo" hatten sich für den Test zuletzt in fünf Tagen eine Million Freiwillige gemeldet. In der dritten Testphase (Phase III) wird die Wirksamkeit eines Stoffes an einer größeren Gruppe von Menschen ermittelt.

Der Test von Sinovac ist bereits die zweite Phase III-Studie in Brasilien. Auch ein Corona-Impfstoff des britischen Pharmaunternehmens AstraZeneca, der von Forschern der Universität Oxford entwickelt wurde, wird in dem größten und bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas getestet. Das Land bietet sich an, weil sich das Virus in dem Staat mit 210 Millionen Einwohnern immer noch rasant ausbreitet. Brasilien durchbrach vergangene Woche die Marke von zwei Millionen bestätigten Infektionen. Täglich melden die Behörden rund 1000 Todesfälle. "Wenn alles gutgeht, werden wir die Impfung in Brasilien vielleicht im ersten Quartal 2021 haben", sagte Ricardo Palacios, Direktor für medizinische Studien des Instituto Butantan, kürzlich in einem Interview.

Briten stehen oben auf Warteliste

Etwaige Studien starten beim französischen Biotech-Unternehmen Valneva deutlich später. Das Unternehmen will im November oder Dezember mit den klinischen Studien seines potenziellen Impfstoffes starten. Der Zeitplan sei zwar langsamer als bei einigen anderen, aber der traditionelle Ansatz des Unternehmens könne sich als effektiver erweisen als neuere Strategien wie die von Biontech und Pfizer, sagte Valneva-Chef Thomas Lingelbach Reuters.

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Großbritannien stehe an der Spitze der Warteschlange für Dosen seines potenziellen Impfstoffs, so Lingelbach. Das britische Wirtschaftsministerium hatte zuvor mitgeteilt, sich bei Valneva sowie der Mainzer Firma Biontech und deren US-Partner Pfizer vertraglich insgesamt 90 Millionen Dosen von zwei potenziellen Covid-19-Impfstoffen gesichert zu haben. "Meine persönliche Arbeitshypothese ist, dass die ersten 60 Millionen Dosen nach Großbritannien gehen", sagte Lingelbach, obwohl Details noch verhandelt werden müssen. Er betonte zudem, auch mit der EU in Gesprächen über die Versorgung mit einem möglichen Corona-Impfstoff zu sein.

Biontech und der Tübinger Rivale Curevac, der diesen Monat seine klinische Studie startete, haben sich auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA) spezialisiert. Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln.

Valneva arbeitet dagegen mit inaktiven Coronaviren. Weltweit forscht die Pharmaindustrie fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus. Biontech hatte im April als erstes Unternehmen in Deutschland die Genehmigung für eine klinische Studie mit einem möglichen Covid-19-Impfstoff erhalten. Experten zufolge ist ein Impfstoff erforderlich, um die Pandemie zu bekämpfen, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt infiziert und bislang mehr als 600.000 Tote gefordert hat.

Quelle: ntv.de, mba/rts/dpa