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Spar-Alternative zum Smartphone Corona-Warnarmband soll Leben retten

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Wird eine Risiko-Begegnung erkannt, informiert das Corona-Warnarmband über ein LED-Signal.

(Foto: Benjamin Walczak)

Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland nutzen die Corona-Warn-App. Doch nicht jeder besitzt das dafür notwendige Smartphone - darunter Ältere, die gleichzeitig zur Risikogruppe zählen. Um diese Lücke zu schließen, haben Kieler Forscher eine Alternative entwickelt: das Corona-Warnarmband.

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung wurde bis heute mehr als 24 Millionen Mal heruntergeladen. Experten schätzen, dass sie von rund 22 Millionen Menschen aktiv genutzt wird. Allerdings benötigt man für die App ein Smartphone. Was ist aber mit Menschen, die kein Smartphone nutzen können oder wollen - wie etwa ältere Menschen, die als Risikogruppe eigentlich besonders darauf angewiesen wären? Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben nun eine kostengünstige Alternative zur Corona-Warn-App entwickelt: das Corona-Warnarmband.

"Relativ früh war klar, dass viele ältere Menschen und viele Menschen mit geringem Einkommen nicht die Corona-Warn-App werden nutzen können", sagte Benjamin Walczak, Vorsitzender des Kieler Vereins Groschendreher - Kieler Bündnis gegen Altersarmut, laut Mitteilung der Universität. Gemeinsam mit dem Kieler Softwareunternehmen ADDIX hatte er im Frühjahr daher die Idee zu dem Armband entwickelt. Der Kieler Informatiker Professor Olaf Landsiedel übernahm schließlich die technische Entwicklung.

Seit Beginn der Woche läuft ein Pilotprojekt, bei dem das Armband aus Silikon mit 1000 Menschen aus Kieler Pflegeheimen getestet werden soll. Via Bluetooth-Chip korrespondiert es mit anderen Warnarmbändern - aber auch mit Smartphones, auf denen die Corona-Warn-App installiert ist. "Ziel der Studie ist es natürlich, herauszufinden, ob die Corona-Warnarmbänder funktionieren, aber auch, ob sie akzeptiert werden. Ob die Nutzerinnen und Nutzer damit zurechtkommen und bereit sind, es jeden Tag zu tragen", erklärt Landsiedel. Die Studie soll drei Monate dauern. Parallel laufen Befragungen der Teilnehmenden und die Auswertung der technischen Daten.

Warnung durch blinkendes LED-Licht

In den Kieler Pflegeheimen werden sogenannte Basisstationen aufgebaut, die über eine Internetverbindung verfügen und die Kontaktverfolgung gewährleisten. Kommt der Träger oder die Trägerin mit dem Armband in die Nähe der Station, werden automatisch Daten ausgetauscht. Ist es zu einer Risiko-Begegnung gekommen, blinkt ein LED-Licht am Armband auf. Die Akku-Laufzeit liegt zwischen drei Tagen und einer Woche. Aufgeladen wird das Gerät über einen USB-Anschluss. "Wir empfehlen unseren Probandinnen und Probanden jedoch das Armband jeden Abend aufzuladen", so Landsiedel.

Über die Bluetooth-Datenübertragung hinaus hat das Armband keinerlei Funktionen - weder GPS noch mobile Daten oder Wlan können damit genutzt werden. Dabei gehe es laut Landsiedel nicht nur um den Datenschutz, sondern auch darum, das Gerät so kostengünstig und energieeffizient wie möglich zu gestalten. Ein Armband könnte am Ende etwa 20 bis 22 Euro kosten. Initiator Walczak hofft, dass mit dem Armband gesundheitliche Chancengleichheit hergestellt werden kann. "Denn wenn man durch die App oder das Armband schnell über eine mögliche Infektion informiert wird, erhöht das die Chancen auf eine frühe Behandlung. Gerade für Personen aus der Risikogruppe kann das entscheidend sein."

Quelle: ntv.de, kst

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