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Forscher enträtseln Virus Corona wohl über den Rachen übertragbar

An der Berliner Charité wird mit Hochdruck an der Erforschung des Covid-19-Erregers gearbeitet. Und es gibt neue Erkenntnisse: Das Coronavirus übeträgt sich wohl, anders als der verwandte Sars-Erreger, nicht von Lunge zu Lunge - sondern über den Rachen.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat sich zuversichtlich hinsichtlich der Eindämmbarkeit des Covid-19-Erregers in Europa gezeigt. In allen bisher betroffenen neun Staaten in Europa sei derzeit die Phase, in der die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 eingedämmt werden solle, sagte Wieler. Dies gelinge bisher. Deshalb gebe es "genügend Optimismus", dass dies auch weiter gelinge - "aber natürlich können wir das nicht versprechen".

Laut Wieler liegt die Sterblichkeit bei den am Coronavirus erkrankten Menschen in China bei 2,2 Prozent und bei allen Erkrankten im Ausland bei 0,2 Prozent. Wie Christian Drosten, Direktor für Virologie an der Berliner Charité, sagte, liegt die Sterblichkeit von 0,2 Prozent damit im Bereich typischer Grippe-Pandemien, wie es sie etwa in den Jahren 1957 und 1968 gegeben habe.

Die deutlich höhere Sterblichkeit in China erklärte Drosten im Expertengespräch der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit der dortigen Überlastung der statistischen Erfassung. Es gebe dort eine "vollkommen falsche Einschätzung der Zahlen", diese würden vor allem die Kapazität des Meldesystems widerspiegeln. Die niedrigere Sterblichkeit sei die realistischere Zahl.

Neues Virus verhält sich anders als Sars-Erreger

Laut Drosten arbeiten die Forscher der Charité mit Hochdruck an einem besseren Verständnis des neuartigen Coronavirus. Aktuelle Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass sich das Coronavirus anders verhalte als die Sars-Infektion Anfang der 2000er-Jahre. Sars habe sich von Lunge zu Lunge übertragen. Das neue Virus Sars-CoV-2 scheine sich hingegen ähnlich zu einer herkömmlichen Influenza von Rachen zu Rachen zu verbreiten.

Drosten sagte, es müsse aber noch weiter intensiv geforscht werden. Von der Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten seien die Experten "noch ziemlich weit entfernt". Selbst die Einschätzung, dass in eineinhalb Jahren ein Impfstoff eingesetzt werden könne, sei optimistisch.

Falls es in Deutschland durch das Coronavirus eine Infektionswelle gebe, werde es schwierig sein, die Normalversorgung von Kranken aufrecht zu erhalten, sagte der Charité-Direktor. "Arztpraxen werden voll sein, andere Patienten müssen warten." Insofern sei es wichtig, dass sich jeder mit der Krankheit befasse und mit dem, was darüber bekannt sei. So sei etwa bekannt, dass Kinder fast nicht betroffen seien und Schwangere fast nicht, sondern ältere Menschen eine besondere Risikogruppe seien und hier Männer besonders häufig betroffen seien.

Quelle: ntv.de, kst/AFP