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Mal harmlos, mal tödlich Coronaviren sind weit verbreitet

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Die an eine Krone ("Corona") erinnernden typischen Zacken brachten den Coronaviren ihren Namen ein.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Mit dem Ausbruch der Virus-Epidemie in China rückt der Erreger in den Fokus, der zur Familie der Coronaviren zählt. Diese sind unter Menschen und Tieren weit verbreitet und meist harmlos. Überschreiten sie aber erstmals die Grenze zwischen Arten, kann es gefährlich werden.

Ein neuartiges Virus hat in China bereits mehr als 400 Menschen infiziert. Gesundheitsexperten haben es als Coronavirus mit dem vorläufigen Namen 2019-nCoV identifiziert. Doch was sind eigentlich Coronaviren? Hier die wichtigsten Fakten:

Was ist ein Coronavirus?
Coronaviren sind eine große Familie von Viren. Jeder, der mal eine leichte Erkältung oder Halsschmerzen hatte, war vermutlich bereits von einem Coronavirus befallen. In der Regel verlaufen solche Infekte glimpflich. Manche Arten von Coronaviren können jedoch gefährliche Erkrankungen wie Mers oder Sars auslösen, die oft tödlich enden.

Was sind Mers und Sars?

Mers steht für Middle East Respiratory Syndrome - eine schwere Infektion der Atemwege, die zuerst im Jahr 2012 auf der Arabischen Halbinsel auftrat und in einem Drittel der Fälle tödlich endete. Auslöser war das Coronavirus Mers-CoV. Die WHO registrierte 2494 Fälle und 858 Tote.

Die schwere Atemwegsinfektion Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) wurde durch das Coronavirus Sars-CoV ausgelöst. Die Erkrankung weitete sich zwischen 2002 und 2003 zur Pandemie aus. 8098 Menschen wurden infiziert, 774 starben.

Was bedeutet der Name?
Der Name Coronavirus stammt vom lateinischen Wort Corona (zu Deutsch: Krone). Grund ist die bei hoher Vergrößerung erkennbare, stachelige Erscheinung dieser Viren, die an eine Krone erinnert. Das derzeit vor allem in China auftretende Virus erhielt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den vorläufigen Namen 2019-nCoV. Dabei steht 2019 für das Jahr des Auftretens, n für novel (neuartig) und CoV für Coronavirus.

Woher kommen die Coronaviren?
Coronaviren, die den Menschen befallen und leichte Erkrankungen auslösen, sind weltweit verbreitet - wie etwa die Varianten 229E, NL63 und OC43. Für schwerere Erkrankungen sorgen meist jene Arten, die erstmals vom Tier auf den Menschen überspringen. Wie etwa die gefährlichen Sars- und Mers-CoV - bei beiden wurde eine tierische Quelle ausgemacht. Auch im Fall von 2019-nCoV scheint dies möglich - als Ausgangsort wurde ein Fisch- und Geflügelmarkt in der chinesischen Metropole Wuhan identifiziert.

Wie gelangt das Virus vom Tier in den Menschen?
Auf die Sars-Pandemie folgende Ermittlungen erhärteten den Verdacht, dass der Erreger im Jahr 2002 von Schleichkatzen auf Menschen übertragen worden war. Es gibt Hinweise, dass dies durch den Verzehr solcher Tiere geschah - Schleichkatzen gelten in Südchina als Delikatesse. In einem Restaurant der Provinz Guangdong, in dem Tiere dieser Familie in Käfigen gehalten wurden, wurde das Sars-Virus nachgewiesen.

Im Fall des Mers-Virus, das 2012 erstmals auf der Arabischen Halbinsel auftrat, erfolgte die Übertragung wahrscheinlich von Dromedar zum Menschen. Auch hier ist Verzehr die mögliche Ursache - Dromedare sind in der Region Milch- und Fleischlieferant. Auch eine Übertragung bei den dort beliebten Kamelrennen gilt als denkbar, da bei diesen ebenfalls enger Kontakt zwischen Mensch und Tier besteht.

Epidemie, Pandemie, Endemie

Die Ausbreitung von Krankheiten kann sehr unterschiedlich erfolgen - für die verschiedenen Varianten haben sich drei Begriffe etabliert:

Epidemie: Ein örtlich und zeitlich begrenztes Auftreten einer Krankheit (Beispiele: Cholera/Ebola)

Pandemie: Ein örtlich unbegrenztes, zeitlich begrenztes Auftreten einer Krankheit (Aids/Sars/"Spanische Grippe")

Endemie: Ein örtlich begrenztes, aber zeitlich unbegrenztes Auftreten einer Krankheit (Malaria/Masern/Scharlach)

Als ursprünglicher Wirt von Sars- und Mers-CoV werden jedoch Fledermäuse und Flughunde gesehen. So sollen ägyptische Höhlenfledermäuse das Mers-Virus auf Dromedare übertragen haben. Der Erreger von Sars wurde bei Hufeisennasen-Fledermäusen in einer Höhle in China nachgewiesen. Auch 2019-nCoV zeigt große genetische Ähnlichkeit mit in Fledermäusen gefundenen Coronavirus-Arten.

Werden Coronaviren auch von Mensch zu Mensch übertragen?
Menschliche Coronaviren wie 229E, NL63 und OC43 werden in der Regel von einem Menschen zum anderen übertragen. Je nachdem, wie ansteckend ein Virus ist, geschieht dies bereits durch Husten, Niesen oder Händeschütteln. Auch wenn ein gesunder Mensch Gegenstände anfasst, die zuvor ein Infizierter berührt hat, und danach seinen Mund, die Nase oder die Augen berührt, kann dies zu einer Infektion führen. Ob das "neue" menschliche Coronavirus 2019-nCoV ebenfalls leicht übertragbar ist, wird noch untersucht. Aber selbst wenn dies anfangs nicht der Fall sein sollte, könnte sich das Virus laut dem Berliner Virusforscher Christian Drosten mit der Zeit besser an den Menschen anpassen.

Welche Symptome treten nach einer Infektion auf?
Das ist je nach Art des Coronavirus unterschiedlich. In der Regel treten Probleme mit den Atemwegen auf, außerdem Fieber, Husten, Kurzatmigkeit oder sogar Atemnot. In schwereren Fällen wie bei den gefährlichen Erregern von Sars und Mers können Infektionen zu einer Lungenentzündung und Nierenversagen führen - und sogar den Tod zur Folge haben.

Gibt es einen Impfstoff oder ein Medikament gegen Coronaviren?
Bei neu auftretenden Viren, wie derzeit dem 2019-nCoV, existiert kein Impfstoff - dieser muss zunächst entwickelt werden. Es kann jedoch einige Jahre dauern, bis ein neuer Impfstoff einsatzbereit ist. Auch existiert kein spezielles Medikament, welches das Virus bekämpfen kann. Allerdings können viele der auftretenden Symptome behandelt werden. Die Art der Behandlung hängt dabei vom Zustand des Patienten ab.

Wie kann man sich vor Coronaviren schützen?
Der wichtigste Schutz vor einer Erkrankung durch Coronaviren ist laut WHO: Händewaschen. Die Hände sollten dabei mit Seife und Wasser oder einem Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis gereinigt werden. Zudem sollte der enge Kontakt zu Menschen vermieden werden, die Symptome einer Erkältung oder Grippe aufweisen. Speisen wie Fleisch und Eier sollten gründlich gekocht werden. Ungeschützter Kontakt mit wilden Tieren und Nutztieren sollte vermieden werden.

Quelle: ntv.de, kst