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Wann ist Jesus geboren? Den ersten Christen war Weihnachten egal

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(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist Weihnachten. Aber warum eigentlich ausgerechnet heute - ist Jesus tatsächlich am 25. Dezember geboren? Das Geburtsdatum Jesu kennen wir heute nicht mehr, weil es die ersten Christen nicht interessiert hat.

Es ist wieder so weit: Die Kerzlein brennen, der Tannenbaum duftet, die Geschenke wechseln ihre Besitzer. Weihnachten ist da, der Trubel der Vorweihnachtszeit - hoffentlich - vorbei. Der Blick fällt auf die Krippe unter dem Weihnachtsbaum: Maria und Josef mit dem Jesuskind. Eine Szene vor rund 2000 Jahren, die uns heute noch immer Grund dafür ist, Weihnachten zu feiern. Aber: Standen Maria und Josef wirklich im Dezember um ihr Kindlein im Stall? Warum feiern wir Weihnachten eigentlich ausgerechnet an diesem Datum?

Während Jesus nach heutigem Stand der Wissenschaft wohl irgendwann zwischen dem Jahr 7 und 4 v. Chr. geboren wurde, ist die Feier seiner Geburt deutlich jünger. Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass die ersten Christen Geburtstage im Allgemeinen überhaupt nicht feierten - und auch einer Geburtstagsfeier für Jesus deshalb keine besondere Bedeutung schenkten. Die Feier der Geburt war in der antiken Welt ein heidnischer Brauch. Ein Ritual, das mit der Anrufung von guten Geistern einherging, die die gefeierte Person schützen sollten. Das war im frühchristlichen Weltbild - ebenso wie heute - ein Problem.

Aber wie das mit Bräuchen und Traditionen so ist: Sie ändern sich. Langsam, aber stetig wuchs auch unter Christen das Interesse daran, den Geburtstag ihres Heilands zu feiern. Warum genau, weiß man heute nicht mehr. Vielleicht, weil es im römischen Reich üblich war, den Geburtstag des Kaisers zu feiern - schließlich war Jesus für seine Nachfolger ein Herrscher der geistlichen Welt. Auch die Frage nach dem Wann bleibt unbeantwortet. Das Interesse daran wird wohl irgendwann im zweiten oder dritten Jahrhundert aufgekommen sein. Doch zu dieser Zeit stand man bereits vor einem Problem: Wann sollte man diesen Tag feiern? Schließlich hat man sich zu der Zeit, als die Evangelien aufgeschrieben wurden, um ein genaues Datum nicht geschert - und es deshalb auch nicht überliefert.

Jesus, die Sonne

Dennoch gibt es heute ein Datum, an dem wir die Geburt Jesu feiern: den 25. Dezember. Fakt ist, dass wir für den 25. Dezember im Jahr 353 oder 354 die erste Überlieferung für eine Predigt des römischen Bischofs am "Tag der Geburt des Erlösers" haben - das älteste uns bekannte Weihnachtsfest. Wie kommt man da nur drauf? Auch hier gilt, wie so oft: So ganz genau weiß man es nicht. Es gibt im Wesentlichen zwei Theorien.

Die erste - und weitaus bekanntere - ist diejenige, dass sich das Datum aus dem Bezug zum Geburtsfest des römischen Gottes "Sol invictus" ("Unbesiegbarer Sonnengott") ergab. Dessen Geburtstag feierte man am kürzesten Tag des Jahres, der Wintersonnenwende: Die Winterdunkelheit konnte die Sonne nicht besiegen, die daraufhin wieder ihren Siegeszug begann und die Tage wieder länger werden ließ. Nach der Kalenderreform des Julius Caesar war dieser Tag der 25. Dezember. Da die Deutung von Jesus Christus als "Licht" oder "Sonne" für Christen schon in den Evangelien und aus alttestamentlichen Prophetien bekannt war, lag es auch nahe, dieses Fest im Zuge des aufstrebenden Christentums umzudeuten.

Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass das Datum für das Weihnachtsfest schlicht berechnet wurde. In hebräischen Schriften findet man die Vorstellung, dass bei großen Gottesmännern und Patriarchen Geburts- und Todestag auf das gleiche Datum fallen. Den Todestag Jesu kennt man aus der Überlieferung: das ist der 14. Nisan; nach unserem heutigen Kalender wäre das im Jahr 30 der 25. März gewesen. Nimmt man nun das selbe Datum für den Beginn des irdischen Lebens Jesu (= die Empfängnis) an, rechnet die Dauer von Marias Schwangerschaft von neun Monaten dazu, landet man beim 25. Dezember.

Moment - es ist doch erst der 24.!

Auch wenn bei Würstchen und Kartoffelsalat, vielen Geschenken und einem duftenden Baum eigentlich egal sein dürfte, welcher Tag heute ist, so fällt doch auf: Hoppla, wir haben ja erst den 24. Dezember! Die Erklärung, warum wir dennoch heute schon feiern, fällt wesentlich kürzer aus als die Suche nach dem 25. Dezember: Nach antiker Tradition endet der Tag mit dem Sonnenuntergang. Folgerichtig beginnt dann auch gleich der nächste.

Der Abend des 24. gehört nach diesem Verständnis also schon zum eigentlichen Weihnachtsfest - und darf getrost als "Heiliger Abend" gefeiert werden. Zumal das Datum des Weihnachtsfestes ja mit der tatsächlichen Geburt Jesu ohnehin nichts zu tun hat. Es ist ein symbolisches Fest.

Provokant könnte man sagen: Es ist eigentlich unwichtig und die ersten Christen wussten das. Für sie war der Geburtstag Jesu egal, entscheidend war ihnen seine Botschaft. Für uns ist das Fest aber vielleicht genau deswegen von Bedeutung: Weil wir uns einmal im Jahr die Zeit nehmen können, zu überlegen, was Weihnachten für uns bedeutet.

Quelle: n-tv.de

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