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Zu anfällig für Wetterextreme Deutscher Weizen nicht widerstandsfähig genug

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Trockenstress bei Winterweizen im Jahr 2018.

(Foto: Claas Nendel und Heike Schäfer (Leibniz Centre for Agricultural Landscape Research, Müncheberg/dpa)

Weizensorten sollen einen möglichst hohen Ertrag bringen, auch in Deutschland. Eine Studie zeigt nun: Die Züchtung vernachlässigt in ganz Europa Varianten, die Wetterextremen widerstehen können. Das könnte sich rächen.

Europäische Saatgutbetriebe vernachlässigen bei der Züchtung von Weizensorten die Widerstandskraft gegen Klimaveränderungen. Insbesondere in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, seien die angebauten Varianten anfällig für Wetterextreme wie etwa Hitze, Dürre oder Starkregen, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA ("PNAS"). Hintergrund ist demnach die einseitige Züchtung auf Eigenschaften wie hoher Ertrag, Halmstabilität und Krankheitsresistenz.

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Weizen litt nach dem nassen Winter 2017/2018 unter Hochwasser.

(Foto: Jørgen E. Olesen/dpa)

Die Sicherheit der Lebensmittelversorgung hänge auch davon ab, dass Feldfrüchte Wetterextremen standhalten könnten, schreibt das Team um Helena Kahiluoto von der Technischen Universität im südfinnischen Lappeenranta (LUT). Klimatische Faktoren können demnach in Westeuropa etwa ein Drittel bis die Hälfte der Ertragsschwankungen erklären. Das habe letztlich Einfluss auf die Preise und beeinflusse damit auch die Lebensmittelsicherheit der Bevölkerung.

Das Forscherteam, darunter Mitarbeiter des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin, wertete für neun Länder - darunter Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich und die Slowakei - systematische Feldversuche aus den Jahren 1991 bis 2014 mit Sorten von Weich- und Hartweizen auf deren Widerstandskraft gegen Wetterextreme aus. In die Auswertung flossen allein aus Deutschland Daten von 140 Feldern ein.

Sortenvielfalt wird vernachlässigt

Die wetterbezogene Toleranz ließ demnach ab Anfang des Jahrtausends in fast allen untersuchten Ländern nach. Die einzige Ausnahme war Finnland. Die Autoren bescheinigen insbesondere Tschechien, Deutschland, Spanien und Italien, einseitig vor allem auf Ertrag und Krankheitsresistenz ausgerichtete Sorten zu nutzen und die Sortenvielfalt zu vernachlässigen. Sie sprechen teilweise von einer "Diversitätswüste".

"Der beunruhigende Rückgang der Fähigkeit, die zunehmenden Wetterschwankungen mit dem derzeitigen Portfolio an Weizensorten in Europa abzupuffern und die Erträge auch unter extremen Wetterereignissen stabil zu halten, ist offensichtlich Ausdruck einer zu einseitigen Züchtung", schreiben die Autoren. Möglicherweise hätten die Saatgutbetriebe die zunehmende klimatische Unsicherheit unterschätzt.

Widerstandskraft gegen Wetterkapriolen kommt zu kurz

Die Widerstandskraft von Weizen gegen klimabedingte Wetterkapriolen sei schlicht zu kurz gekommen, betont auch Ko-Autor Claas Nendel vom ZALF. "Es ist sehr schwierig, eine Weizensorte zu züchten, die widerstandsfähig gegen alle Klimaeinflüsse ist und gleichzeitig hohe Erträge bietet. Dies kann nur über eine große genetische Vielfalt in den Sorten und eine hohe Bandbreite an Toleranzen erreicht werden." Das derzeitige Portfolio sei angesichts der prognostizierten klimatischen Veränderungen nicht ausreichend.

Das betreffe nicht nur die untersuchten Teile Europas. "Wir beobachten weltweit immer wieder großflächig wetterbedingte Ernteausfälle, die sich auf die Weltmarktpreise auswirken", sagt Nendel. Allerdings geht der Forscher davon aus, dass Saatgutbetriebe reagieren und ihre Sorten nach mehreren Jahren mit Extremwetter-Ereignissen stärker an Klimaschwankungen anpassen werden.

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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