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Biontech, Moderna, Astrazeneca Die drei Top-Corona-Impfstoffe im Vergleich

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Bereits im Dezember könnten die ersten Bundesbürger geimpft werden.

(Foto: imago images/AFLO)

Im Kampf mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 scheint sich das Blatt zugunsten der Menschheit zu wenden: Innerhalb von rund zwei Wochen geben die westlichen Entwickler Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca/Universität Oxford Erfolge mit ihren Impfstoffkandidaten bekannt. Das Positive: Alle drei Vakzine wirken gegen den Erreger. Dennoch gibt es markante Unterschiede zwischen den drei Impfstoffen.

Hier eine Übersicht, was die jeweiligen Kandidaten können:

Biontech/Pfizer

  • Name: BNT162b2

  • Art des Impfstoffs: mRNA-Impfstoff

  • Erste Information zur Wirksamkeit: 9. November 2020 (Pressemitteilung)

  • Wirksamkeit: 95 Prozent

  • Nebenwirkungen: Bisher keine schweren Nebenwirkungen festgestellt.

  • Kosten pro Dosis: Etwa 20 Dollar (zwei Dosen notwendig)

  • Kühlung: Muss bei minus 70 Grad versendet und gelagert werden. Ist bei normalen Kühlschranktemperaturen fünf Tage lang haltbar.

  • Wirkung bei Risikogruppen: Funktioniert über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut. Wirksamkeit bei Über-65-Jährigen bei 94 Prozent.

  • Ausmaß des Schutzes: Unklar, ob der Impfstoff vor schweren Verläufen schützt. Bei der Studie gab es zehn schwere Krankheitsverläufe, von denen neun in der Placebo-Gruppe auftraten. Aber auch ein Geimpfter erkrankte schwer an Covid-19.

  • Einfluss auf Pandemie: Unklar, ob Übertragung des Virus gestoppt wird.

  • Kapazität: Ein solcher Impfstoff soll schneller in großem Maßstab hergestellt werden können als herkömmliche. Biontech/Pfizer wollen in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitstellen, 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen.

  • Stand der Zulassung: Notfallzulassung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA ist beantragt. Unterlagen bei der Europäischen Zulassungsbehörde Ema sind eingereicht.

Fazit: Sehr hohe Wirksamkeit. Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Pfizer betonte jedoch, dass es große Erfahrungen darin habe, Impfstoffe gekühlt zu lagern und zu transportieren und bereits über eine entsprechende weltweite Infrastruktur verfüge. Offen bleiben Fragen zum Schutz vor schweren Verläufen und zur Fähigkeit, die Übertragung des Erregers zu stoppen.

Moderna

  • Name: mRNA-1273

  • Art des Impfstoffs: mRNA-Impfstoff

  • Erste Information zur Wirksamkeit: 16. November 2020 (Pressemitteilung)

  • Wirksamkeit: 94,5 Prozent

  • Nebenwirkungen: Mild. Bisher keine schweren Nebenwirkungen festgestellt.

  • Kosten pro Dosis: Etwa 25 Dollar (zwei Dosen notwendig)

  • Kühlung: Ist bei normalen Kühlschranktemperaturen 30 Tage lang stabil. Kann bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden kann.

  • Wirkung bei Risikogruppen: Hinweise auf Wirkung unabhängig vom Alter der Geimpften. Schutzwirkung womöglich auch bei Menschen mit chronischen Erkrankungen.

  • Ausmaß des Schutzes: Hinweise auf Schutz vor der Infektion selbst und auch vor schweren Verläufen von Covid-19.

  • Einfluss auf Pandemie: Unklar, ob Übertragung des Virus gestoppt wird.

  • Kapazität: Moderna geht davon aus, dieses Jahr 20 Millionen Dosen und im nächsten Jahr 500 Millionen bis eine Milliarde Dosen liefern zu können.

  • Stand der Zulassung: Moderna erwartet, in den kommenden Wochen in den USA eine Notfallgenehmigung beantragen zu können. Die Ema leitete einen beschleunigten Zulassungsprozess für den Impfstoff ein.

Fazit: Sehr hohe Wirksamkeit. Moderna kann zudem mit Logistikvorteilen bei seinem Impfstoff punkten, da dieser keine ultrakalte Lagerung wie das Biontech-Vakzin benötigt. Offen ist, ob der Impfstoff die Übertragung des Erregers stoppen kann.

Astrazeneca/Universität Oxford

  • Name: AZD1222

  • Art des Impfstoffs: Vektorimpfstoff

  • Erste Information zur Wirksamkeit: 23. November 2020 (Pressemitteilung)

  • Wirksamkeit: 62 bis 90 Prozent. Wirksamkeit hängt von der Dosierung ab.

  • Nebenwirkungen: Bisher keine schweren Nebenwirkungen festgestellt.

  • Kosten pro Dosis: Wenige Dollar pro Dosis. Im Juni erklärte das italienische Gesundheitsministerium, eine Dosis würde rund 2,50 Euro in Europa kosten.

  • Kühlung: Kann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und aufbewahrt werden.

  • Wirkung bei Risikogruppen: Soll auch bei den besonders gefährdeten älteren Probanden gut wirken - ältere Studienteilnehmer produzierten genau so viele Antikörper gegen Sars-CoV-2 wie jüngere.

  • Einfluss auf Pandemie: Könnte auch die Übertragung des Virus vermindern.

  • Kapazität: Weltweit sollen bis Ende März 2021 bereits mehr als 300 Millionen Impfdosen ausgeliefert sein. Insgesamt sollten 2021 drei Milliarden Dosen zur Verfügung stehen, wovon mehr als 50 Millionen für Deutschland vorgesehen sind.

  • Stand der Zulassung: Astrazeneca will noch in dieser Woche Gespräche mit der US-Gesundheitsbehörde FDA beginnen. Daten sollen weltweit bei Behörden eingereicht werden, bei denen Schnellverfahren möglich sind.

  • Besonderheiten: Anfang September wurde die klinische Studie weltweit vorübergehend gestoppt, nachdem es bei einem Teilnehmer einen neurologischen Zwischenfall gab - womöglich eine Entzündung des zentralen Nervensystems.

Fazit: Schutzwirkung insgesamt ein wenig geringer als bei den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. AZD1222 hat jedoch einen großen Vorteil: Er ist robust gegen Temperaturen und einfach in der Handhabung - so kann er auch in Ländern mit weniger Ressourcen für aufwendige Kühlketten eingesetzt werden. Zudem ist der Impfstoff deutlich günstiger als die mRNA-Impfstoffe.

Wie geht es nun weiter? Hier eine kurze Übersicht:

Wann könnten die Impfstoffe in der EU zugelassen werden?
Noch hat keiner der drei erwähnten Corona-Impfstoffe eine europäische Zulassung. Die ersten Lizenzen könnten nach Erwartung der Bundesregierung und der EU-Kommission im Dezember erteilt werden. Zuvor ist jedoch eine Prüfung durch die europäische Arzneimittel-Behörde Ema nötig.

Wann erhält Deutschland die erste Lieferung?
Nach Zulassung eines Mittels sollen alle 27 EU-Staaten gleichzeitig Zugriff darauf bekommen, anfangs allerdings - je nach Produktionskapazität - wohl nur auf kleine Mengen. Verteilt werden die Impfdosen in der EU nach Bevölkerungszahl. Deutschland hat einen Anteil von 18,6 Prozent.

Wer wird wann in Deutschland geimpft?
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass schon im Dezember die ersten Bundesbürger in Impfzentren geimpft werden können. In Deutschland dürften zunächst Risikogruppen und Gesundheitspersonal den Vorrang haben. Bis alle Menschen die Chance auf eine Impfung bekommen, werden noch Monate vergehen.

Wird es ausreichend Impfstoff-Dosen für alle EU-Länder geben?
Sollten sich die Hoffnungen in die aussichtsreichen Impfstoffe erfüllen, wird die EU letztlich mehr als genug Einheiten für alle rund 450 Millionen Einwohner haben, selbst wenn die Vakzine meist zweimal gegeben werden müssen. Mit Moderna hat die EU-Kommission einen Rahmenvertrag über bis zu 160 Millionen Dosen ausgehandelt, sich bis zu 300 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer und weitere 300 Millionen Dosen von Astrazeneca gesichert. Daneben gibt es weitere Verträge mit Herstellern, die noch nicht ganz so weit in der Entwicklung sind: bis zu 405 Millionen Dosen vom deutschen Hersteller Curevac, bis zu 300 Millionen Dosen von Sanofi-GSK und bis zu 200 Millionen Dosen von Johnson&Johnson.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa