Wissen

Die Macht der Körpersprache Diese Posen sollen die Attraktivität steigern

imago65215840h.jpg

(Foto: imago/Westend61)

Auf Dating-Apps wie Tinder zählt der erste Eindruck. Das Profilbild entscheidet über Erfolg oder Misserfolg bei der Partnersuche. Wer seine Chancen auf positive Bewertungen steigern möchte, kann jetzt auf die Wissenschaft zurückgreifen.

Ein fester Händedruck, ein strahlendes Lächeln, ein offener Blick - schon bevor die ersten Wörter gefallen sind, scheint das Wesentliche gesagt. Das menschliche Gehirn verarbeitet in Sekundenbruchteilen Gestik und Mimik des Gegenübers und entscheidet über Sympathie oder Antipathie. Die Macht der nonverbalen Kommunikation spielt besonders bei der Partnersuche eine entscheidende Rolle. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Berkeley haben gleich in zwei Studien die Bedeutung der Körpersprache für die Partnersuche erforscht. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht. Demnach lässt sich die Aussicht auf Erfolg bei der Partnersuche mit einem einfachen Trick steigern.

*Datenschutz

In zwei Studien gingen die Wissenschaftler der Frage nach, ob eine besonders offene Körpersprache, die Selbstbewusstsein und Dominanz ausstrahlen soll, auf mögliche Geschlechtspartner attraktiver wirkt. Zuerst analysierte das Forscherteam um Tanya Vacharkulksemsuk Videoaufnahmen von 144 Speed-Dates. Die Auswertung zeigte eine deutliche Korrelation zwischen "expansiver", raumfüllender Körpersprache der Teilnehmer - also ausgestreckte beziehungsweise gespreizte Arme und Beine und ein gerader Rücken - und deren Chance, auf ein Folgedate eingeladen zu werden.

Befunde gelten für Männer und Frauen

Nun ließe sich aus den Ergebnissen genauso gut ableiten, dass gegenseitige Attraktivität zu einer ausladenden Körpersprache führt. Um zu überprüfen, ob eine expansive Körpersprache tatsächlich Attraktivität bewirkt und nicht andersherum, führten die Wissenschaftler ein zweites Experiment durch: Sie erstellten zwölf Profile auf einer populären Dating-App, auf der User in wenigen Sekunden anhand des Bildes über ein mögliches Treffen entscheiden. Sechs der Profile zeigten Menschen in expansiven Posen, sechs weitere Profile dieselben Menschen in kontrahierter, eingefallener Körperhaltung.

Die Ergebnisse bestätigten die Vermutung aus der ersten Studie. User der App bevorzugten die expansiven Posen, die entsprechenden Profile bekamen 27 Prozent mehr sogenannte Matches - also Interessensbekundungen - als die Vergleichsprofile. Die Ergebnisse würden übrigens sowohl für die Männer als auch für die Frauen gelten, betonen die Wissenschaftler.

Besonders in Zeiten von Dating-Apps wie Tinder können kleine Veränderungen der Körpersprache über Erfolg oder Misserfolg bei der Partnersuche entscheiden. Selbstbewusste Körpersprache signalisiere einen hohen sozialen Status, begründen die Wissenschaftler um Vacharkulksemsuk ihre Ergebnisse.

Bevor sich einsame Herzen jetzt in unnatürlichen Posen verrenken, sollte bedacht werden, dass die Ergebnisse derartiger Studien stets mit Vorsicht zu genießen sind. Im Rahmen des Reproducibility Project haben Wissenschaftler 100 sozialpsychologische Forschungsarbeiten überprüft, 61 bestanden die Feuerprobe nicht. Auch im Fall der vorliegenden Studie haben bereits einige Wissenschaftler öffentlich Zweifel an der Validität der Studie geäußert. Agustin Fuentes, Professor für Anthropologie an der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana hält die gezogenen Schlussfolgerungen für oberflächlich, wie er der Onlineausgabe von "The Atlantic" verrät. Irving Biederman, Professor für Neurobiologie an der University of Southern California bemängelt die teils schwache Aussagekraft der verwendeten Bilder.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema