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Wahl bei der Befruchtung Eizelle entscheidet wohl über Erfolg des Spermiums

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Die Eizelle ist wählerisch - das sagt zumindest eine Studie.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Das schnellste Spermium gewinnt nicht immer. Stattdessen bestimmt die Eizelle, wer überhaupt im Rennen ist, finden Forschende heraus. Denn die chemischen Lockstoffe des Eis wirken auf die Spermien bestimmter Partner offenbar anziehender.

Menschliche Eizellen sind anscheinend wählerisch bei Spermien - und manchmal entscheiden sie sich auch gegen die des Partners. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um John Fitzpatrick von der Universität Stockholm. Laut ihrer Studie, die im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" erschienen ist, suchen sich die Eizellen aus, welche Spermien sie anlocken wollen.

Mit dem Sex beginnt für die Spermien ein opferreicher Wettlauf. Denn von vielen Millionen männlicher Samenzellen erreichen nur wenige ihr Ziel - die Eizelle. Welches Spermium das Rennen macht, hängt unter anderem von ihrer Fitness, ihrem Timing und ihrer Schwimmstrategie ab, aber auch von subtilen Signalen der Eizelle. Denn sie setzt chemische Lockstoffe frei.

"Nach traditioneller Sicht dienen die chemischen Signale der Eizelle nur dazu, den Spermien den Weg zu zeigen", erklärt Studienerstautor Fitzpatrick. Ob nicht doch mehr dahintersteckt, haben er und sein Team nun im Experiment überprüft. Dafür beobachteten die Wissenschaftler die Reaktion der Spermien von gut 30 Männern auf die Lockstoff-haltige Follikelflüssigkeit verschiedener Frauen. So konnten die Spermien in einem Versuch zwischen den Eizell-Düften zweier Frauen wählen. In einem zweiten Versuch testete das Team die Attraktivität der Lockstoffe jeweils einzeln im Vergleich zu einer neutralen Kontrolle.

Das Ergebnis: Es ist offenbar keineswegs Zufall, wie stark ein Spermium auf den Lockstoff einer Eizelle reagiert. Stattdessen hängt dies stark davon ab, von welchem Mann und von welcher Frau die Keimzellen stammen. "Die Follikelflüssigkeit der einen Frau zog die Spermien des einen Mannes stärker an, während die Lockstoffe der anderen stärker auf die Spermien eines anderen Mannes wirkten", berichtet Fitzpatrick. "Das zeigt, dass die Interaktion von Spermium und Eizelle von der spezifischen Identität der beteiligten Männer und Frauen abhängt."

Frauen treffen "kryptische Wahl"

Dabei beobachteten die Forschenden auch, dass die von der Eizelle bevorzugten Spermien keineswegs immer die des von der Frau gewählten Partners sein musste. Nach Ansicht des Forschers zeigt sich hier eine aktive Auswahl durch die Eizelle. Die Spermien hätten nichts dabei zu gewinnen, bestimmte Eizellen zu bevorzugen, erklärt Fitzpatrick: Sie haben keine Wahl. Dagegen könne es sich für Eizellen lohnen, wählerisch zu sein und genetisch besonders kompatible Spermien anzulocken.

"Die chemische Kommunikation zwischen Eizellen und Spermien erlaubt es den Frauen, eine 'kryptische Wahl' darüber zu treffen, von welchem Mann sie sich befruchten lassen", so die Wissenschaftler. Allerdings: Diese Selektion ist unbewusst und von den Frauen nicht kontrollierbar - sie findet auf Zellebene statt.

Sollte sich die Existenz dieser kryptischen Selektion bestätigen, könnte dies vielleicht manche Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit erklären. "Die Tatsache, dass die chemischen Lockstoffe auf Spermien verschiedener Partner unterschiedlich wirken, könnte für den Befruchtungserfolg schon entscheidend sein", meinen Fitzpatrick und seine Kollegen. Allerdings wurde in den Experimenten nicht untersucht, ob es mit der anschließenden Befruchtung auch besser klappt. Dort wollen Fitzpatrick und sein Team in künftigen Untersuchungen ansetzen. Sie hoffen, mit weiteren Erkenntnissen über das chemische Zusammenspiel von Eizelle und Spermium die Kinderwunschbehandlung zu verbessern.

Quelle: ntv.de, hny

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