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Es ist wieder so weit, aber ... Warum der Supermond-Hype eigentlich Unsinn ist

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Mal groß, mal klein? Der Mond spielt dem Beobachter gerne mal einen optischen Streich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ist der Vollmond der Erde besonders nah, spricht man von einem Supermond. Was immer wieder für Schlagzeilen sorgt, ist in Wirklichkeit weniger spektakulär, als der Name vermuten lässt. Planetengeologe Ulrich Köhler erklärt ntv.de, warum.

Er ist mittlerweile ein echter Medienstar geworden, der Supermond. Was damit gemeint ist: Auf seiner Umlaufbahn kommt der Mond der Erde mal näher, mal ist er weiter entfernt. Schließlich ist die Umlaufbahn kein Kreis, sondern eine Ellipse, ähnelt also einem Ei. Den erdnächsten Punkt nennt man Perigäum, dann ist der Mond etwa 357.000 Kilometer entfernt. Fällt das zufällig in die Nähe eines Vollmonds, ist von einem Supermond die Rede. Scheint ja auch einleuchtend: Je näher der Mond, desto größer erscheint er. Das sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Aber: Kann man mit bloßem Auge wirklich einen Unterschied zu anderen Vollmonden erkennen? "Eigentlich nicht", sagt Ulrich Köhler, Planetengeologe am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof, zu ntv.de. Der sichtbare Größenunterschied des erdnächsten Mondes (Supermond) zum erdfernsten Mond im sogenannten Apogäum (auch Mikromond genannt) liege bei etwa 14 Prozent. "Das entspricht dem Unterschied von einer 2-Euro-Münze zu einer 1-Euro-Münze aus 2,70 Meter Entfernung betrachtet", so Köhler.

Klar, wenn diese beiden Münzen direkt nebeneinander an einer Wand hängen, ist der Größenunterschied gerade noch erkennbar. Aber am Himmel gibt es immer nur einen Mond, was den Vergleich schwierig macht. "Ohne eine direkte Referenz sieht man mit bloßem Auge keinen Unterschied", sagt Köhler. Immerhin: Die Helligkeit des Supermonds ist um etwa 30 Prozent größer als beim Mikromond. "So hat das Auge zumindest einen kräftigeren Helligkeitseindruck."

"In der Astronomie keinerlei Relevanz"

Der Begriff Supermond stammt allerdings gar nicht aus der Wissenschaft, sondern wurde vermutlich 1979 von einem Astrologen in den USA kreiert. Seit Jahren erfreut sich der Supermond dennoch einer großen Beliebtheit in den Medien. "In der Astronomie hat der Begriff Supermond keinerlei Relevanz", sagt Köhler. Er glaubt, dass bei dem Supermond-Hype auch die Erwartung der Beobachter eine Rolle spielt. "Man liest davon, dass es einen Supermond gibt, schaut in den Himmel, und der Mond kommt einem gefühlt größer vor."

Der Effekt könnte auch durch die sogenannte Mondtäuschung verstärkt werden: Wenn der Mond knapp über dem Horizont steht, erscheint er dem Beobachter größer. Im Unterschied zum Supermond gibt es bei der Mondtäuschung allerdings keinerlei messbaren Größenunterschied - es handelt sich um eine reine optische Täuschung. Lichtbrechung oder andere physikalische Ursachen gibt es nicht. Warum genau die Illusion entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt - eine Vermutung ist, dass der Bezug des Mondes zur Landschaft am Horizont eine Rolle spielt. Ähnlich wie bei der Ponzo-Täuschung.

Aber das alles soll den Genuss am Supermond nicht verderben: Schließlich ist der Vollmond an sich immer schon ein Hingucker - ob man nun einen Größenunterschied bemerkt oder nicht. Hier daher die wichtigsten Supermond-Fakten für Liebhaber:

  • Am 14. Juni um 13.52 Uhr MESZ erreicht der Mond seine Vollmondphase - allerdings nicht sichtbar, denn ...
  • ... erst ab kurz nach 22 Uhr MESZ wird der Mond über Deutschland aufgehen - um etwa 5 Uhr geht er dann wieder unter.
  • Am 15. Juni 2022 um 1.21 Uhr MESZ erreicht der Mond die geringste Entfernung zur Erde: 357.432 Kilometer.
  • Wer den Supermond verpasst: Am 13. Juli 2022 gibt es die nächste Gelegenheit - dann ist der Mond der Erde sogar noch ein bisschen näher.

Wetter scheint mitzuspielen

Doch wie gut wird der Supermond zu sehen sein? "Die Nacht zum Mittwoch ist deutschlandweit betrachtet auf jeden Fall die bessere Nacht für Sternengucker", sagt ntv-Wetterexperte Björn Alexander. Lediglich im Nordosten zögen schon mal "kompaktere Wolken" durch. "Wer länger draußen sitzen möchte, der sollte allerdings einen Pulli oder eine Jacke mitnehmen. Denn es wird erneut ziemlich frisch, mit Tiefstwerten zwischen 14 und 7 Grad."

So ganz spurlos wird der Supermond allerdings nicht an der Erde vorbeigehen. Je näher ein Himmelskörper ist, desto stärker wirkt auch seine Anziehungskraft, die Gravitation. Das macht sich auch beim Supermond bemerkbar: So hat der Supermond einen Einfluss auf den Tidenhub - also darauf, wie deutlich Ebbe und Flut ausfallen. Dieser Effekt ist zwar messbar, aber ebenfalls verschwindend gering.

Quelle: ntv.de

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