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In den Sand gesetzt Europas Mars-Landung gelingt nur halb

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(Foto: AP)

Das Testgerät der ExoMars-Mission setzt zum Landevorgang an, kommt auf dem Mars-Boden auf – und verstummt. Es ist keine Kommunikation mit der Sonde möglich. Gar nicht so schlimm, findet die Esa. Sie hält das Ziel für erreicht.

Noch immer ist unklar, was mit Landegerät Schiaparelli in den letzten Sekunden vor dem Aufprall auf den Mars passierte. Und dennoch sagt Esa-Chef Jan Wörner: "Ich freue mich. Wir haben die wesentlichen Ziele von ExoMars 2016 erreicht. Alles ist bereit für die wissenschaftliche Arbeit."

Wörner selbst und auch der Leiter des Esa-Missionsbetriebs, Paolo Ferri, hatten in den vergangenen Tagen bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Mars-Landung eine schwierige und komplexe Angelegenheit ist, bei der einiges schiefgehen kann. Im Gespräch mit n-tv.de betonte Wörner, dass Schiaparelli ein Test ist: "Und Tests macht man nicht, um einfach nur zu zeigen, wie es geht, sondern auch, um davon zu lernen." Das gelte auch im Falle des Scheiterns.

Folglich will der Esa-Generaldirektor nun auch nichts von einem Misserfolg hören. Die Daten, denen die Wissenschaftler entnehmen können, was mit Schiaparelli geschah, liegen vor. Es dauert bloß noch eine Weile, bis sie analysiert sind.

Fallschirm zu früh abgeworfen

Was man schon weiß: Der Hitzeschutz des Landers funktionierte, und auch der Fallschirm öffnete sich wie geplant. Dann jedoch geschah Unerwartetes: "Es ist der Endpunkt der Fallschirm-Phase, der anders lief als er sollte", sagt Andrea Accomazzo, Space Craft Operations Manager der Esa. "Die Fallschirm-Phase wurde zu früh beendet." Eher als vorgesehen, wurde der Fallschirm abgeworfen. Dann zündeten, wie Accomazzo ausführt, die Bremsraketen – allerdings offenbar weniger lang als sie sollten. In welcher Höhe über dem Marsboden all das geschah und bei welcher Geschwindigkeit, ist noch unklar.

Accomazzo ist überzeugt davon, dass die längerfristige Auswertung der Daten die wichtigsten Details zu Schiaparellis Landung ans Licht bringen wird. Dann könne man auch den Touchdown des Landers verifizieren und man werde sagen können, ob er beim Aufprall in tausend Stücke zerschellt oder aber ganz geblieben ist. Doch so oder so: "Es ist in jedem Fall ein Lernerfolg", wie Jan Wörner sagt.

"TGO ist sehr, sehr erfolgreich"

An dem Vorhaben, im Jahr 2020 einen Rover zum Mars zu schicken, ändert Schiaparellis nicht ganz planmäßig verlaufene Landung daher nichts. Allerdings ist die Finanzierung des Rovers noch nicht gesichert. Zentral für die Esa-Wissenschaftler ist jedoch: Der Orbiter TGO ist gestern erfolgreich in die Mars-Umlaufbahn eingeschwenkt – das war die alles entscheidende Voraussetzung für den Fortgang der ExoMars-Mission. Außerdem hat er Signale von Landegerät Schiaparelli eingefangen und gesendet. Accomazzo wertet das als beste Voraussetzung für die Kommunikation mit dem Rover in vier Jahren. "Es ist ein Meilenstein", sagt er. "TGO ist sehr, sehr erfolgreich." Nach Mars-Express ist der TGO nun die zweite europäische Sonde, die um den Mars kreist.

Bis der Orbiter seine wissenschaftliche Tätigkeit aufnehmen und in der Mars-Atmosphäre nach Methan forschen kann, vergeht allerdings noch ein Jahr. Zunächst muss er in eine nähere Umlaufbahn um den Roten Planeten gebracht werden. Ende 2017 beginnt er dann mit den Messungen.

Bis dahin werden wir wohl auch wissen, was denn nun genau mit Schiaparelli geschah. Könnte nicht der Mars-Rover der Nasa, Curiosity, einfach mal zu Schiaparellis Landeplatz fahren und ein Foto machen? "Nein, leider nicht", sagt Wörner schmunzelnd. "Der ist ein bisschen zu weit weg." Aber an der Auswertung der Daten führt ohnehin kein Weg vorbei. Schließlich geht es um den Lernerfolg.

Quelle: n-tv.de

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