Fakten & Mythen

Nicht zu lange in der Zugluft Ventilatoren können der Gesundheit schaden

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Kurze Abkühlungen vor einem Ventilator sind sinnvoll.

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Ganz Deutschland ächzt unter den Rekord-Temperaturen der letzten Wochen. Ventilatoren sind in vielen Läden bereits ausverkauft. Dabei ist es gar nicht immer so eine gute Idee, sich direkter Zugluft auszusetzen. Was Ventilatoren und Zugluft bewirken können und was nicht, erklärt n-tv.de.

Ventilatoren kühlen die Luft.

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Ein Standventilator.

(Foto: imago/Westend61)

Falsch! Ventilatoren, ob Tisch-, Stand- oder Deckengerät, kühlen nicht die Luft, sondern den Körper. Ihr Einsatz kann nichts an der Temperatur in einem Raum verändern. Sie bewegen beziehungsweise beschleunigen lediglich die Luft darin. Der Luftstrom, den die Geräte erzeugen, kann jedoch helfen, dass sich Menschen abkühlen. Das passiert, weil der Ventilator die Luftschicht direkt über der Haut, die auch die Körpertemperatur bei ungefähr 37 Grad Celsius hält, einfach wegbläst. Befindet sich Schweiß auf der Haut, dann wird dessen kühlender Verdunstungseffekt durch den Luftstrom des Ventilators zusätzlich verstärkt, denn auch die feuchte Luft über der Haut wird durch das Gerät oder auch beim einfachen Zufächeln von Luft weggeweht.  

Manchmal bringen Ventilatoren gar nichts.

Stimmt! Wie gerade beschrieben, kann der Luftstrom eines Ventilators zwar zur Kühlung des menschlichen Körpers beitragen. Wenn allerdings die Luft sehr feucht ist und die Umgebungstemperaturen bei ungefähr 37 Grad Celsius oder darüber liegen, dann kann auch ein Ventilator nichts mehr ausrichten. Er pustet dann nämlich genau diese feuchte, sehr warme Luft auf die Haut. Der Reiz zur Abkühlung entfällt und im schlechtesten Fall wirkt der erzeugte Luftstrom dann eher wie der aus einem Föhn.

In heißen Nächten gehört der Ventilator ins Schlafzimmer.

Falsch! Hohe Temperaturen hindern in den Sommermonaten viele Menschen beim Ein- und Durchschlafen. Müdigkeit macht sich breit. Aus diesem Grund werden die Fenster aufgerissen oder Ventilatoren aufgestellt. Doch die Zugluft kann die Gesundheit ungünstig beeinflussen. Wenn Ventilatoren die ganze Nacht hindurch laufen und direkt auf den Körper gerichtet sind, dann trocknet die bewegte Luft nicht nur die Schleimhäute aus, sondern kann auch zu Verspannungen, einem steifen Nacken oder sogar einem übermäßigen Auskühlen des Körpers führen. Das schwächt das Immunsystem und trockene Schleimhäute bieten zusätzlich einen guten Nährboden für Krankheitserreger. Erkältungen können so hervorgerufen werden. Auch Allergiker sollten auf Ventilatoren verzichten, denn die Geräte, umgangssprachlich auch als Miefmixer bezeichnet, verwirbeln mit der Luft nicht nur Gerüche, sondern auch Staub und Pollen, die sich darin befinden.

Also macht Zugluft krank.

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine wichtige Frage ist, wie lange der Körper der Zugluft - egal ob sie durch Ventilatoren oder ein geöffnetes Autofenster entsteht - ausgesetzt ist, welche Körperstelle davon direkt getroffen wird, wie stark die Zugluft und wie feucht die Umgebungsluft ist. Prinzipiell gilt: Fühlt sich Zugluft unangenehm, störend oder zu kalt an, dann sollte man diese meiden. Die bewegte Luft sollte nicht direkt auf die Haut treffen. Vor allem Kopf, Nacken, Hals und Ohren sind bei vielen Menschen zugluftempfindliche Körperstellen. Und Zugluft, die direkt ins Gesicht bläst, kann auch die Augen austrocknen. Das führt zu müden, brennenden und juckenden Augen. Vor allem Kontaktlinsenträger sind davon betroffen. Kleine Kinder und ältere oder immobile Menschen sollten niemals länger Zugluft ausgesetzt werden, denn diese könnte zum Dehydrieren führen.  

Ein auf leichter Stufe eingestellter Ventilator macht nichts aus.

Falsch! Gerade leichte und kaum spürbare Luftzüge, die direkt auf den Körper treffen, sind tückisch und werden oftmals als Hauptgrund für Erkrankungen oder Verspannungen unterschätzt. Bei kaum spürbarer Zugluft werden nämlich die Thermorezeptoren in der Haut des Menschen nicht aktiviert. Das führt dazu, dass der Ventilator über längere Zeit läuft oder Fenster stundenlang geöffnet bleiben. Der Körper kann auf die Zugluft nicht adäquat reagieren. Man fängt weder an zu frieren noch gibt es eine Erhöhung der Durchblutung an der betroffenen Körperstelle, die der Körper normalerweise als Schutz vor einer Unterkühlung einleiten würde. Die verringerte Durchblutung wiederum erschwert die Thermoregulierung und schwächt gleichzeitig das Immunsystem.

Muss man den Ventilatortod fürchten?

Nein! Dennoch glauben viele Menschen in Südkorea an ihn. Bei dem verbreiteten Aberglauben in dem ostasiatischen Land geht man davon aus, dass man sterben kann, wenn man über Nacht im gleichen Raum mit einem laufenden Ventilator ist. Als Gründe werden Erstickung, Vergiftung oder Unterkühlung angegeben. Tatsächlich werden in dem Land im Sommer regelmäßig Tode durch Ventilatoren gemeldet. Obwohl es dafür keinerlei wissenschaftliche Beweise gibt, werden die Ursachen für den Ventilatortod auch von vielen südkoreanischen Medizinern akzeptiert. Der Handel hat auf diesen landesspezifischen Mythos reagiert und verkauft Ventilatoren nur mit einer Zeitschaltuhr.  

Ventilatoren sollte man lieber nicht nutzen.

Falsch! Wie so oft macht auch hier die Dosis das Gift. Zudem reagiert jeder Mensch individuell verschieden auf die durch Ventilatoren erzeugte Zugluft. Ähnlich wie beim Stoßlüften sollte man auch Ventilatoren mehrmals am Tag für eine eher kurze Zeitdauer auf hoher Stufe laufen lassen. Wenig empfindliche Menschen können sich direkt davon anpusten lassen, allerdings nur so lange, wie sie den kühlenden Luftstrom als angenehm empfinden. Empfindliche Menschen können sich auch mit Fächern weiterhelfen. Alternativ zu Ventilatoren oder Fächer helfen auch feuchte, kühle Lappen oder Fußbäder.

Quelle: n-tv.de

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