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Wo die nächste Pandemie entsteht Fledermaushöhlen - Ursprung tödlicher Viren

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Laut EcoHealth Alliance tragen Fledermäuse Tausende Typen des Coronavirus in sich, nur wenige sind dem Menschen bekannt.

(Foto: REUTERS)

Im Falle der aktuellen Pandemie wird immer wieder auf illegale Wildtiermärkte in China verwiesen. Seit Jahren beginnt die Suche nach tödlichen Erregern für Forscher jedoch in Fledermaushöhlen. Ein möglicher Vorgänger zum aktuellen Coronavirus wurde bereits vor einiger Zeit entdeckt.

Während die Welt darum bemüht ist, die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, suchen Forscher bereits seit Jahren in Fledermaushöhlen nach Erregern, die möglicherweise die nächste Pandemie auslösen können. Die nachtaktiven Säuger gelten als Ursprung folgenschwerer Viren wie Nipah, Sars oder Corona. Die Ergebnisse der Forscher sollen helfen, Impfstoffe für bekannte Viren zu entwickeln.

Bewaffnet mit Netzen und in voller Schutzmontur legen sich Wissenschaftler der Ecohealth Alliance vor chinesischen Höhlen auf die Lauer, um dann in der Dämmerung Fledermäuse zu fangen und Proben zu entnehmen. Nachdem die Tiere betäubt werden, entnehmen die Virusjäger Blut, Speichel oder auch Exkremente. "Wir haben mittlerweile über 15.000 Proben gesammelt, die zur Identifizierung von rund 500 Typen des Coronavirus geführt haben", beschreibt der Ecohealth-Vorsitzende Peter Daszak die Erfolge der letzten zehn Jahre dem Sender CNN.

Sars-Spurensuche führt zu Coronaviren

Seine Organisation war ursprünglich beauftragt worden, nach dem Ausbruch von Sars im Jahr 2003 Infektionskrankheiten zu untersuchen, die gleichermaßen bei Menschen und Tieren vorkommen. "Wir haben China zunächst ins Visier genommen, weil wir nach den Ursprüngen von Sars gesucht haben", sagte Daszak dem Sender. "Aber dann stellten wir fest, dass es dort Hunderte anderer gefährlicher Coronaviren gab, und beschlossen, unsere Aufmerksamkeit darauf zu richten und sie zu finden."

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Hufeisenfledermäuse sammeln sich wie ihre Artgenossen in großen Pulks auf engem Raum. Das fördert die Übertragung von Viren.

(Foto: imago images/Ardea)

Im Jahr 2013 entdeckte das Forscherteam bereits einen möglichen Vorgänger des Covid-19-Erregers in einer Fledermaushöhle in China. "Das neue Coronavirus passte zu einer Probe, die 2013 einer Hufeisenfledermaus in Yunnan entnommen wurde", sagte Daszak. "Es war zu 96,2 Prozent identisch."

Zu wissen, woher ein neues Virus stammt und wie es auf den Menschen übertragen wurde, ist eine wichtige Information. So können die Früherkennung einer Epidemie und die rechtzeitige Einführung von Maßnahmen zur Eindämmung ihrer Ausbreitung ermöglicht werden.

*Datenschutz

Im Falle der aktuellen Pandemie wird immer wieder auf illegale Wildtiermärkte in China verwiesen. In Fledermäusen gibt es besonders viele Corona-Erreger, gleichzeitig werden die Tiere in Asien gerne verspeist. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass bei Covid-19 ein weiteres Tier, möglicherweise ein Gürteltier oder der Marderhund, bei der Übertragung als Zwischenwirt eine Rolle gespielt hat.

Ein Zwischenwirt ist allerdings nicht zwingend für eine Übertragung notwendig. Ecohealth Alliance konnte in einer einzelnen Höhle alle notwendigen Bausteine für das Sars-Virus zusammentragen. So bleibt die Forschung an Fledermäusen künftig unabdingbar.

Fledermäuse im Dauerstress

Denn Fledermäuse sind regelrechte Virusschleudern. "Da Fledermäuse fliegende Säugetiere sind, ist ihr Körper viel Stress ausgesetzt, der normalerweise eine Reaktion des Immunsystems hervorrufen würde", erklärt Daszak. "Um damit fertig zu werden, müssen sie ihr Immunsystem abschwächen, was sie anfälliger für Viren macht und eine höhere Viruslast tolerieren kann."

Die Jagd nach Coronaviren pausiert allerdings zurzeit. Die Laborkapazitäten werden in vielen Ländern für Corona-Tests benötigt. Ecohealth Alliance wolle die Forschung laut Daszak so schnell wie möglich wieder fortsetzen und untersuchen, "wo genau Sars-CoV-2 herkam".

Quelle: ntv.de, mba