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Marderhunde als Zwischenwirt? Drosten bringt neue Virusquelle ins Spiel

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Der Marderhund wird oft mit dem Waschbären verwechselt.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Ein Wildtiermarkt in Wuhan? Oder doch ein Virus-Labor? Vielerorts wird spekuliert, wo das Coronavirus erstmals auf den Menschen übergesprungen ist. Virologe Christian Drosten hält eine andere Ursprung für plausibler: die Zucht von Marderhunden.

Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité glaubt nicht daran, dass das neue Coronavirus auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan auf den Menschen übergesprungen ist. Er gehe davon aus, dass das Virus aus China stamme, sagte er in einem Interview mit dem britischen "Guardian". Er halte es aber für wahrscheinlicher, dass der Ausbruch dort begonnen habe, wo das Tier - der sogenannte Zwischenwirt - gezüchtet worden sei.

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Christian Drosten leitet das Institut für Virologie an der Berliner Charité.

(Foto: picture alliance/dpa)

Demnach ist Drosten der Ansicht, dass bei der Berichterstattung über das Coronavirus ein wichtiger Aspekt übersehen worden ist: Vom Sars-Virus, das 2002 in Südchina ausgebrochen war, wisse man, dass es auch in Marderhunden gefunden worden sei, erklärt der Virologe. Die seien aufgrund ihres Fells ein riesiger Industriezweig in China. "Wenn mir jemand ein paar Tausend Dollar und freien Zugang zu China geben würde, um die Quelle des Virus zu finden, würde ich an Orten suchen, wo Marderhunde gezüchtet werden."

Das würde bedeuten, dass der Erreger nicht direkt von Fledermäusen, die als Ursprungsquelle des Coronavirus gelten, auf den Menschen übergesprungen ist. Stattdessen hätte das Virus zuerst einen anderen Wirt befallen. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang bereits, ob das Schuppentier ein solcher Zwischenwirt gewesen sein könnte: Schuppentiere gelten in China als Delikatesse und werden auch aufgrund ihrer angeblich heilenden Wirkung für viel Geld auf illegalen Wildtiermärkten verkauft. In ihrem Blut haben Forscher bereits ein Coronavirus nachgewiesen, das dem aktuellen zu mehr als 90 Prozent ähnelt.

"Verstehe nicht, warum es dazu keine Daten gibt"

Diesen Übertragungsweg hält Drosten nicht für wahrscheinlich, er tippt auf den Marderhund als Zwischenwirt. "Ich verstehe nicht, warum es dazu noch keine Daten gibt", sagte er auch der "Süddeutschen Zeitung". "Da würde ich einfach gern einmal eine Studie sehen."

Zuvor hatte der Virologe, der in der Corona-Krise zu den engsten Beratern von Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört, bereits erklärt, dass er auch die Labor-Theorie für unglaubwürdig hält. Die Fledermaus-Coronaviren, die dem neuen Erreger ähnlich seien, "existieren nur in Hufeisennasenfledermäusen - und die hält man nicht einfach mal so in einem Labor", sagte er. Auch infiziere man sich "nicht einfach mal aus Versehen mit so einem Virus". Schließlich gebe es so etwas wie eine Anpassungsbarriere, weswegen ein Virus nicht einfach auf den Menschen übergehe. In Summe klinge dies "äußerst unplausibel".

Über die Labor-Theorie hatte unter anderem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche spekuliert. Sie basiert auf der Tatsache, dass es in Wuhan zwei Forschungseinrichtungen gibt, in denen nachweislich Fledermäuse gehalten wurden und in denen mit Sars-ähnlichen Viren aus Fledermäusen gearbeitet wurde. Die Befürchtung ist, dass das Coronavirus versehentlich bei einem Unfall übertragen und freigesetzt wurde.

Quelle: ntv.de, chr