Wissen

Flossen zum FesthaltenKuriose Fische klettern 15-Meter-Wasserfall hoch

07.04.2026, 10:19 Uhr
00:00 / 04:24
HANDOUT-Specimens-of-Parakneria-crossing-the-second-level-of-the-Luvilombo-Falls-Credit-Pacifique-Kiwele-ACHTUNG-Frei-nur-zur-redaktionellen-Verwendung-im-Zusammenhang-mit-der-Berichterstattung-ueber-die-Studie-bei-Nennung-des-Credits
Die Schlankfische der Art Parakneria thysi sind mit durchschnittlich vier Zentimetern Körperlänge eher klein. (Foto: Pacifique Kiwele)

Von fliegenden Fischen haben bestimmt schon viele gehört. Doch jetzt entdeckt ein Forschungsteam kleine Fische, die einen Wasserfall hochklettern können. Sie setzen dabei auf spezielle Flossen an Brust und Bauch.

Tausende kleiner Fische klettern die senkrechten Felsstufen im Bereich der Luvilombo-Wasserfälle hoch. Die zumeist unter fünf Zentimeter langen Tiere können die Höhe von insgesamt 15 Metern in knapp zehn Stunden erklimmen, wie ein Forschungsteam im Fachjournal "Scientific Reports" berichtet. Es weist zugleich auf die Bedrohung der Fische in dieser Region der Demokratischen Republik Kongo hin.

Das Team beobachtet die Fische am Rand der Wasserfälle in der Spritzwasserzone, also der Region, die nur gering von Wasser durchströmt, aber regelmäßig befeuchtet wird.

Das geht nur mit vielen Pausen

Die untersuchten Tiere erreichten laut Studie beim Klettern eine Geschwindigkeit von 1,5 bis 3 Zentimetern pro Sekunde, ruhen aber oft aus. So legten sie regelmäßig kurze Pausen von etwa 15 bis 60 Sekunden ein, um sich an der vertikalen Wand festzuhalten. Zudem haben sie lange Ruhephasen auf den Felsstufen des Wasserfalls.

Aus Erzählungen war die Fähigkeit dieser Schlankfische, die Wasserfälle in der Demokratischen Republik Kongo zu erklimmen, bereits seit über 50 Jahren bekannt. Doch das Team um Erstautor Pacifique Kiwele Mutambala von der Université de Lubumbashi hat diese nach eigenen Angaben nun erstmals wissenschaftlich dokumentiert, auch mit Fotos und Filmen. Vertikales Klettern sei bei mehreren Fischarten in vielen Ländern beobachtet worden, allerdings erreichten einige Arten nicht diese Höhe und oft seien die Hinweise schlecht dokumentiert.

Die beobachteten Schlankfische der Art Parakneria thysi seien in der Regel 3,7 bis 4,8 Zentimeter lang, die größten in der Studie erreichten sogar knapp 10 Zentimeter. Beim Klettern nutzen sie demnach Brust- und Bauchflossen, die auf der Unterseite Polster mit winzigen, hakenartigen Fortsätzen besitzen. Die Fische bewegen sich nach oben, indem sie den hinteren Teil ihres Körpers wellenförmig bewegen und ihre weit abgespreizten paarigen Flossen - insbesondere die Brustflossen - zugleich gezielt einsetzen.

Hohe Absturzgefahr

Das sei nicht einfach, schreibt das Team. "Tatsächlich stürzen einige Exemplare plötzlich ab, etwa wenn sie von einem Wasserstrahl getroffen werden." Besonders wahrscheinlich sei ein Absturz, "wenn sich die Fische kopfüber bewegen, etwa beim Umgehen überhängender Felsvorsprünge".

Die Fische klettern während großer Hochwasserereignisse in die Höhe, die gewöhnlich am Ende der Regenzeit im April bis Mai auftreten. Warum sie das tun, ist unklar. Ein möglicher Grund könnte der Schutz vor Fressfeinden sein, die diese Höhe nicht überwinden könnten, spekulieren die Forscher. Denkbar sei auch die Vermeidung von Nahrungskonkurrenz, wenn es zu viele Individuen gebe. Möglicherweise wanderten die Fische nach oben, weil sie zuvor flussabwärts verdriftet worden seien.

Fest stehe, so das Team, dass nur relativ kleine Individuen der Art Parakneria thysi am Fels hochwandern. Das habe einen rein mechanischen Grund: "Größere Fische können aufgrund ihres höheren Gewichts die notwendige Haftkraft ihrer Flossen nicht mehr aufbringen."

Hoffnung auf Tourismus

Diese und viele andere Fischarten im Luvilombo-Fluss seien durch den Menschen gleich mehrfach gefährdet. Während der Hochwasserperiode im April bis Mai nehme die Fischerei unterhalb der Wasserfälle stark zu. Die sich dort sammelnden Fische werden laut Studie mit Schleppnetzen aus Moskitonetzen gefangen - eine Methode, die gesetzlich verboten sei. Zu Beginn der Trockenzeit werde der Fluss oberhalb der Wasserfälle umgeleitet, um Felder zu bewässern, auf denen etwa Bohnen oder Erdnüsse wachsen. Dadurch trockne der Unterlauf des Flusses teilweise vollständig aus.

Dies mache deutlich, dass die landwirtschaftliche Nutzung eine der größten Bedrohungen für aquatische Ökosysteme darstelle, kritisieren die Forschenden. Ihre Studie unterstreiche die Notwendigkeit eines verstärkten Schutzes des Luvilombo-Flusses und seiner Wasserfälle. Gleichzeitig seien die Luvilombo-Fälle aufgrund des außergewöhnlichen und gut beobachtbaren Wanderverhaltens der Fische ein potenziell attraktiver Ort für nachhaltigen (Öko-)Tourismus.

Quelle: ntv.de, Simone Humml, dpa

VerhaltensforschungFische