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DNA-reparierendes Super-Protein Forscher finden Schutzengel der Zellen

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(Foto: imago/Photocase)

Mit großer Überzeugung präsentieren Forscher aus Australien ihre Ergebnisse: Sie beschreiben einen Stoff, der Einzeller in unwirtlichsten Gegenden überleben lässt. Zudem soll er menschliche Zellen verjüngen und so Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer verhindern.

Ein neu entdeckter Stoff könnte die Alterungsprozesse des Menschen spürbar aufhalten und schwere Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes hinauszögern oder sogar verhindern. Das, was sich wie ein wahres Wundermittel anhört, haben Wissenschaftler der Queensland University of Technology durch die Erforschung von Einzellern, in der Fachsprache als Archae bezeichnet, entdeckt. Die Archaeen waren in das Blickfeld der Forscher gelangt, weil sie unter härtesten Bedingungen in unwirtlichsten Regionen, wie beispielsweise in der Nähe von schwefelsäurehaltigen Unterwasservulkanen in siedend heißem Wasser überleben.

"Unsere Untersuchungen der Archaeen haben zur Entdeckung des Super-Proteins ssB1 geführt. Der wahre Heureka Moment kam jedoch, als wir herausfanden, dass wir Menschen genau dieses Protein (hSSB1) in jeder Zelle unseres Körpers besitzen", so Professor Derek Richard vom Institute of Health and Biomedical Innovation, der auch das Cancer and Ageing Research Program, kurz CARP  leitet. "In normalen Zellen ist ssB1 wie ein Schutzengel, der den genetischen Code beschützt und im Falle einer Beschädigung sofort repariert" so Richard.

Zellverjüngung durch DNA-Reparatur

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Die Darstellung zeigt, was in Zellen zu finden ist.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Wenn der Mensch altert, verliert er Teile des genetischen Codes. Das ist die Ursache, warum Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer entstehen. "Durch unsere Beobachtungen der ssB1-Funktion bei den Archaeen haben wir erkannt, dass wir möglicherweise auf die Grundlage neuer Zellbehandlungen gestoßen sind, den Alterungsprozess kontrollieren zu können und die Menschen länger gesund leben zu lassen. Das neue Medikament wirkt, indem die Funktion des DNA-reparierenden-Super-Proteins hSSB1 wiederhergestellt wird. Somit vermitteln wir unseren Zellen das Gefühl, dass sie viel jünger sind, als es tatsächlich der Fall ist", erklärt Richard weiter.

Die Vorstellung von einer erheblichen Lebensverlängerung durch ein Medikament wirft ethische Fragen auf. Aus diesem Grund fügt der klinische Leiter des CARP, Ken O'Byrne hinzu, dass das primäre Ziel der Forschungen zu dem neuen Wirkstoff die Verbesserung der Lebensqualität sei, auch wenn ssB1 durchaus das Potential hätte, schwere Krankheiten hinauszuzögern oder sogar zu verhindern. "Die große Verbindung zwischen Krebs und dem Alterungsprozess ist die DNA-Reparatur. Mit dem Alter beginnen unsere Zielproteine damit, ihre Funktionsweise zu ändern, so dass unser Genom beschädigt werden kann. Diese Schäden können zu Krebs führen. Dieses neue Medikament kann, sobald es vollständig entwickelt wurde, Risikopatienten vor Krebs und anderen Krankheiten schützen", sagte O'Byrne. 

Forschungsgeld mit Kaffeerösterei und Spenden

Für alle weiteren Entwicklungs- und Forschungsvorhaben benötigt das Team rund fünf Millionen Dollar. Als einer der nächsten Forschungsschritte kämen Testreihen an Menschen in Betracht. Eine Möglichkeit wäre, mit den bisherigen Ergebnissen Investoren in den USA zu suchen. Doch dann ginge eine weitere australische Erfindung verloren.

"Wir wollen dieses Medikament in Australien behalten, sodass die Australier davon medizinisch und wirtschaftlich profitieren können", so Richard. Aus diesem Grund haben sich die Wissenschaftler zusammengetan und eine Kaffeerösterei als Fundraising-Unternehmen ins Leben gerufen. Der durch Fair-Trade-Kaffee, - Tee und –Kakao erwirtschaftete Profit fließt vollständig in die Erforschung des aussichtsreichen Jungbrunnens. Zudem sammeln die Forscher Spenden dafür ein.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal "BMC Molecular Biology".

Quelle: n-tv.de, jaz

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