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Hormon senkt Gewicht Forscher finden Therapieansatz für Diabetes

Eine übergewichtige Frau geht über den Bürgersteig. Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv/Symbolbild

Übergewicht ist auch in Deutschland ein Problem geworden.

(Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv/Symbolbild)

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Typ-2-Diabetes, meist ausgelöst durch schlechte Ernährung und Übergewicht. Ein bestimmtes Hormon könnte ihnen nun helfen, finden Forscher heraus. Das dockt nicht im Magen, sondern im Gehirn an.

Ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung: In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) fast ein Viertel aller Erwachsenen stark übergewichtig - also adipös. Somit ist es wenig verwunderlich, dass Diabetes zu den häufigsten Volkskrankheiten hierzulande zählt. Etwa 9,5 Millionen Menschen leiden unter der Stoffwechselstörung - davon 90 Prozent unter Typ-2-Diabetes, der oft durch schlechte Ernährung und Übergewicht bedingt ist.

Eine aktuelle Studie gibt Betroffenen nun neue Hoffnung. Denn Forscher des Helmholtz Zentrums München, der ETH Zürich und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) liefern neue Ansatzpunkte für die Entwicklung einer medikamentösen Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie fanden heraus, dass der im zentralen Nervensystem sitzende Rezeptor für das Hormon GIP eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Körpergewichts und der Nahrungsaufnahme spielt.

Das Hormon GIP wird im Verdauungstrakt gebildet. Nach der Nahrungsaufnahme stimuliert es die Ausschüttung von Insulin und senkt so den Blutzuckerspiegel. Gleichzeitig hat es auch einen Effekt auf die Appetitregulation. Das haben die Forscher bei Experimenten mit unterschiedlichen Mäusearten beobachten können. Die Gabe von GIP bei Wildtyp-Mäusen senkte das Körpergewicht und die Nahrungsaufnahme, allerdings nicht bei anderen Nagern, welchen der GIP-Rezeptor im zentralen Nervensystem fehlt.

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Da das Hormon also auf bestimmte Bereiche im Gehirn wirkt, untersuchten die Forschenden die Hirnaktivität von den Wildtyp-Mäusen, bei denen durch Ernährung ein Diabetes ausgelöst wurde. "Dabei zeigte sich nach Gabe von GIP eine erhöhte neuronale Aktivität in Bereichen des Hypothalamus, die mit der Kontrolle des Appetits verbunden sind", berichtet Christian Wolfrum von der ETH Zürich. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die zentrale Regulierung der Nahrungsaufnahme durch GIP auch die Aktivierung wichtiger Neuronen im Hypothalamus einschließt.

Diese Erkenntnisse sind für die Entwicklung einer medikamentösen Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes von Bedeutung. "Ziel unserer Untersuchungen war es herauszufinden, ob dem GIP-Rezeptor im Gehirn eine besondere Bedeutung bei der Wirksamkeit von GIP zukommt", erläutert Erst-Autorin Qian Zhang vom Institut für Diabetes und Adipositas am Helmholtz Zentrum München. "Unsere Erkenntnisse könen dazu beitragen, neuartige Wirkstofftargets zu entwickeln, die die Signalgebung und -wirkung des GIP-Rezeptors verbessern", resümiert ihr Kollege Timo Müller. Sie arbeiten gemeinsam mit der Indiana University an einer Therapie mit GIP für Typ-2-Diabetiker.

Quelle: ntv.de, hny

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