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Spektakulärer Fund in Mainz Forscher öffnen tausendjährigen Sarkophag

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Liegt unter dem 700 Kilo schweren Deckel der Erzbischof Erkanbald?

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei Sanierungsarbeiten in der Mainzer Johanniskirche stoßen Forscher unerwartet auf Relikte aus der Stadtgeschichte: Zwischen mehr als 400.000 Objekten graben sie einen 1000 Jahre alten Sarkophag aus. Unter Zeitdruck machen sich Experten an die Identifizierung der Leiche.

In der Mainzer Johanniskirche haben Wissenschaftler einen etwa 1000 Jahre alter Sarkophag geöffnet. Darin befinde sich "ein bestatteter Mensch", wie der Schweizer Archäologe Guido Faccani erklärte. Es sei wahrscheinlich, dass es sich dabei um einen Priester handle. Wer genau dort im Boden unter der Kirche begraben wurde, ist noch unklar. Unter großem Zeitdruck wollen die Forscher die Identität des Leichnams klären. Durch die Öffnung der Grabstätte dringt Sauerstoff ein, der die Zersetzung organischen Materials beschleunigen könnte. Auf eine Datierung wollte sich Faccani zunächst nicht festlegen lassen.

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Denn hier berühren die Archäologen einen heiklen Punkt: Wenn sich die ersten Verdachtsmomente bestätigen, muss möglicherweise die Stadtgeschichte der alten Dom-Metropole am Rhein umgeschrieben werden. Das Bistum Mainz und das Evangelische Dekanat Rheinhessen, zu dem die Johanniskirche gehört, hatten sich im Vorfeld Erkenntnisse zur Funktion der Kirche im ersten Jahrtausend erhofft. Sie vermuteten, dass sich im Sarkophag die Leiche des Bischofs Erkanbald befindet. Erkanbald war von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Mainzer Erzbischof.

Das wäre der "definitive Beweis" dafür, dass es in Mainz zwei Dome gebe, sagte der St. Johannis-Dekan Andreas Klodt der "Allgemeinen Zeitung" vor der Öffnung. Die Johanniskirche, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mainzer Dom liegt, sei damit womöglich der erste entstandene Dom in der Rheinstadt, lange bevor der Mainzer Dom eingeweiht wurde.

400.000 Fundstücke ausgegraben

Auf Livebildern der Öffnung waren im Sarkophag Reste von Textilien und die Goldbordüre einer Mitra, des traditionellen Bischofhuts, zu sehen. Goldstreifen befanden sich auch an den Armen. Helle Flecken deuteten auf Knochen von Beinen und den Überresten eines Beckens hin.

Der Sarkophag wurde bei Sanierungsarbeiten im Mittelschiff der Kirche entdeckt. Ursprünglich war der Boden für eine Fußbodenheizung aufgegraben worden. Insgesamt wurden bei der Sanierung mehr als 400.000 archäologische Fundstücke ausgegraben.

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Der Sarkophag soll während der Erforschung in der Kirche bleiben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Öffnung sei reibungslos verlaufen, sagte Faccani. Er und sein Team aus internationalen Archäologen hatten am Morgen den etwa 700 Kilogramm schweren Deckel des Sarkophags mit einem Flaschenzug geöffnet. Das Team rund um Faccani kann den Inhalt nun untersuchen, bevor der Sarkophag, bei dem es sich schließlich um eine Grabstätte handelt, wieder verschlossen wird.

Nach Plänen des Kirchenpräsidenten der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, soll der Sarkophag in der Kirche bleiben. Ob er dazu wieder vergraben oder sichtbar ausgestellt wird, sei noch unklar, sagte Jung. Am Samstag können Besucher den Sarkophag besichtigen - der zum ersten Mal seit 1000 Jahren offen im Licht des uralten Kirchengebäudes liegt.

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Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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