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Erhöhte Corona-Infektionsgefahr Gebrauchte Maske riskanter als gar keine?

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Die Maske sollte nicht stunden- oder gar tagelang getragen werden.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Es hat ein wenig gedauert, bis sich die Experten dazu durchringen konnten, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes als eine sinnvolle Maßnahme gegen das Coronavirus einzuordnen. Mittlerweile ist die Maske vielerorts Pflicht. Oft wird dabei tagelang ein und dieselbe verwendet. Was wohl keine gute Idee ist.

Gerade erst konnte man sich über das Ergebnis einer Studie freuen, wonach das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Corona-Infektionsrisiko um durchschnittlich rund 45 Prozent verringert. Womit sich der pflichtbewusste Bürger für seine Mühen und Kosten belohnt sah, den Vorgaben des Staates zum Schutz auch anderer Menschen nachzukommen.

Da der Mund-Nasen-Schutz zu Beginn der Pandemie gar nicht verfügbar war, wurde die Empfehlung/Pflicht zum Tragen desselben auch erst mit peinlicher Verspätung verordnet - nachdem diese dann in Geschäften auch tatsächlich zu haben war. Mittlerweile sind sich aber alle Verantwortlichen über den Nutzen einig. Immerhin. Dass die Maske von der breiten Masse immer noch selbst bezahlt werden muss, mag den einen oder anderen aber doch mit dem Kopf schütteln lassen.

Täglich wechseln?

Nicht zuletzt auch aus diesem Grund wird der Mund-Nasen-Schutz bei den meisten ressourcenschonend Tage- oder sogar wochenlang eingesetzt, ohne ihn zu wechseln oder zu waschen. Aus hygienischen Gründen wird ein täglicher Wechsel empfohlen. Dies wird aber von den allermeisten ignoriert. Was sich nun jedoch ändern könnte.

Denn laut einer Studie der University of Massachusetts Lowell und der California Baptist University ist das Tragen einer gebrauchten Maske in Hinblick auf das Corona-Infektionsrisiko sogar riskanter für den Träger, als gar keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Zumindest wenn es sich um die oft verwendeten chirurgischen Masken handelt.

Grund dafür ist zum einen der sich verändernde Luftstrom: "Ohne Maske atmen wir die Luft ein, die direkt vor unserer Nase und unserem Mund ist", erklärt der Medizinexperte Dr. Christoph Specht im RTL-Interview. Denn wird eine Maske getragen, verändert sich der Luftstrom beim Einatmen. Zwar atmet man insgesamt das gleiche Volumen ein wie ohne Maske, aber der Luftstrom wird langsamer. Um das gleiche Volumen aufzunehmen, dauert unsere Einatmung mit Maske also länger oder man nimmt Luft aus anderen Bereichen als beim normalen Einatmen ohne Maske auf, so Specht weiter.

Wie die Forscher der Studie anhand ihrer Computersimulation herausfanden, wird die Luft mit Maske von der gesamten Fläche des Mundschutzes aufgenommen statt wie sonst auf direktem Weg. Die Maske wirkt in diesem Fall wie ein Trichter, erklärt Specht. "Das wäre nicht weiter schlimm, solange die Maske die möglichen Viren, die sich dort befinden, gut filtern kann." Ist die Maske aber feucht und gebraucht, ist die Filterleistung kleiner. Das sei vor allem bei kleineren Partikeln wie Aerosolen problematisch. Die Folge: Die Luft wird zwar aus einem größeren Bereich aufgenommen, aber nicht gefiltert. Laut Studie liegt die Filterleistung bei einer neuen dreilagigen chirurgischen Maske bei 65 Prozent, bei einer gebrauchten nur noch bei 25 Prozent.

Verstärkung der Viruslast

Die Maske wirkt in dem Fall quasi wie eine "Verstärkung der Viruslast von draußen". Die Folge ist eine Konzentration der Viren in der Nase, die sonst nicht da wäre, so Specht. Für den Selbstschutz kann damit tatsächlich eine gebrauchte Maske schlechter sein als gar keine, weil sie an Filterwirkung verliert.

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Die Forscher haben ihre Untersuchungen allerdings bislang nur anhand eines Computermodells erstellt. Es wurden demnach weder echte Menschen noch echte Viren einbezogen. Zum anderen ist der Selbstschutz einer Maske nicht der primäre Grund, um eine solche zu tragen. Die Maskenpflicht hat den Sinn, andere Menschen zu schützen. Ob die Filterwirkung auch nach außen minimiert ist durch das Tragen gebrauchter Masken, ist laut Specht durchaus möglich, wurde im Rahmen der Studie aber nicht untersucht.

Laut Specht sollten die Masken nicht stunden- oder gar tagelang getragen werden. Besser sollte man seinen Mundschutz nach Möglichkeit zwischendrin mal absetzen, damit dieser trocknen kann. Und man sollte sich nicht darauf ausruhen, dass die Maske uns selbst in großen Maße schützt. Zwar ist es natürlich wichtig, sie zu tragen, vor allem zum Schutz des Umfelds. Zusätzlich muss aber darauf geachtet werden, Kontakte zu reduzieren und auch mit Maske Abstand zu halten. Eine wirklicher Selbstschutz startet laut Specht erst bei FFP2-Masken.

Quelle: ntv.de, awi

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