Wissen

Wetter hat weniger Einfluss Grippe dauert in großen Städten länger

imago83950148h.jpg

Die Größe und Struktur von Städten kann Einfluss darauf haben, wie Influenza-Übertragungsraten auf klimatische Bedingungen reagieren.

(Foto: imago/imagebroker)

Auch wenn der Herbst uns mit viel Sonne verwöhnt - es wird merklich kühler und die nächste Grippewelle rollt auf uns zu. Wie sich die Epidemie auf die Bevölkerung auswirkt, hängt auch vom Wohnort ab, findet eine Untersuchung in mehr als 600 Städten heraus.

Grippewellen verlaufen in kleineren Städten anders als in Metropolen. Während in kleineren Städten sehr viele Menschen in einem kurzen Zeitraum erkranken, sind die Infektionen in Metropolen eher über die kalte Jahreszeit verteilt. Zu diesem Ergebnis kommen US-amerikanische Forscher, die die Arztbesuche wegen grippeähnlicher Erkrankungen von 2002 von 2008 in 603 Städten der USA untersuchten. Das Team um Benjamin Dalziel von der Oregon State University in Corvallis (Oregon) veröffentlichte seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Science".

ACHTUNG_Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

Großstädte sind gut mit anderen Regionen vernetzt, so dass es auch einen Austausch von Grippeviren gibt.

(Foto: Oregon State University/Jordan Masse on Unsplashed/dpa)

"Die Verbreitung und Veränderung der Grippe wird durch miteinander wechselwirkende ökologische und evolutionäre Prozesse beeinflusst", schreiben die Wissenschaftler. Dazu gehörten die Entwicklung der Viren und Antigene sowie die klimatischen Bedingungen, die das Übertragungspotenzial beeinflussen. Weitere Faktoren sind früheren Untersuchungen zufolge auch die räumlichen Strukturen, von lokalen über regionale bis zu globalen Größenordnungen. Dalziel und Kollegen suchten nach einer Möglichkeit, anhand möglichst weniger Faktoren den Verlauf einer Grippewelle vorherzusagen.

Räumliche Enge in Städten

Mithilfe der wöchentlichen Daten zu den Arztbesuchen erstellten die Forscher ein Simulationsmodell. Sie gelangten zu guten Simulationsergebnissen, indem sie nur zwei Kriterien sehr genau modellierten: das Basisübertragungspotenzial und die spezifische Feuchtigkeit der Luft. Das Basisübertragungspotenzial wird vor allem dadurch beeinflusst, wie eng die Menschen zusammenleben und wie nah sie sich im öffentlichen Nahverkehr oder in anderen Alltagssituationen kommen. Denn je räumlich näher sich die Menschen kommen, desto eher kann die Übertragung durch Tröpfcheninfektion erfolgen, erklären die Forscher.

In Metropolen gibt es eher Situationen mit Gedränge, in denen durch Husten oder Sprechen die Viren weitergegeben werden können. Außerdem sind die Riesenstädte gut mit anderen Regionen vernetzt, so dass es einen Austausch auch der Grippeviren gibt. All dies sorgt dafür, dass die Grippewellen in Metropolen weniger durch das Wetter beeinflusst werden und sich zeitlich stärker verteilen als in kleineren Städten. Kleinere Städte, die sehr dicht besiedelt sind, zeigen allerdings ähnliche Erkrankungsmuster wie Metropolen.

In Kleinstädten ist Wetter entscheidender

In kleineren Städten besteht wiederum ein starker Zusammenhang mit der spezifischen Feuchtigkeit der Luft: der Masse des Wassers in einem Luftvolumen im Verhältnis zur Masse der trockenen Luft desselben Volumens. Sinkt die spezifische Feuchtigkeit, können sich die virenbeladenen Tröpfchen länger in der Luft halten und das Infektionsrisiko steigt. Auch trockene Heizungsluft lässt dieses Risiko größer werden. In kleineren Städten, in denen das Basisübertragungspotenzial geringer ist, weil es weniger Gedränge gibt, ist also das Wetter entscheidender: Bei einer für die Virusübertragung günstigen Witterung steigt die Zahl der Erkrankungen sehr schnell an.

In einem "Science"-Kommentar schreibt Jacco Wallinga vom National Institute for Public Health and the Environment in Bilthoven (Niederlande): "Die Studie legt nahe, dass man über die Infektionskontrolle neu nachdenken sollte." So sollten öffentliche Gesundheitskampagnen die Bevölkerung in kleineren und großen Städten womöglich unterschiedlich ansprechen. "Metropolregionen sollten sich darauf konzentrieren, die Ausbreitung der Grippe zu stoppen, während Kleinstädte sich auf die Verringerung der gesundheitlichen Folgen fokussieren sollten."

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

Mehr zum Thema