Erreger auf dem VormarschNeben der Grippe rollt bereits die nächste Infektionswelle

Die Zahl der Atemwegserkrankungen in Deutschland ist hoch. Neben der Influenza ist dafür zunehmend das Respiratorische-Synzytial-Virus verantwortlich. Die RSV-Welle trifft besonders Kleinkinder und hat ihren Höhepunkt noch nicht überschritten.
Ob in der Bahn, im Büro oder im Wartezimmer - überall wird geschnieft und gehustet, was das Zeug hält: Deutschland steckt mitten in der alljährlichen saisonalen Erkältungswelle. Der aktuelle Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu den Atemwegserkrankungen (ARE) zeigt ein weiterhin hohes Infektionsgeschehen, das vor allem von der Grippe (Influenza) bestimmt wird - aber zunehmend auch von einem anderen Erreger: dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).
In der Bevölkerung blieb die Rate neuer ARE-Fälle im Vergleich zur Vorwoche stabil und lag auf dem für diese Jahreszeit üblichen hohen Niveau, berichtet das RKI. Die Zahl der Arztbesuche aufgrund von Atemwegssymptomen sei ebenfalls unverändert hoch geblieben. In den eingesandten Proben machen demnach Influenza-A-Viren mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Erkrankungen aus. SARS-CoV-2 spielt mit einem Anteil von nur rund einem Prozent kaum eine Rolle bei den nachgewiesenen Erregern - ein anderes Virus dafür umso mehr.
So hat die RSV-Aktivität laut Bericht weiter zugenommen: Die Positivenrate von RSV-Nachweisen steigt auf etwa 13 Prozent, wobei Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren besonders betroffen sind - ein typisches Muster für diese Viruserkrankung. Die RSV-Welle startete dem RKI zufolge bereits Mitte Januar und hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.
Auch im Krankenhausbereich zeigen die Daten eine anhaltend hohe Belastung durch Atemwegsinfekte. Demnach liegt die Inzidenz weiterhin hoch, auch wenn die Zahl schwerer Fälle zuletzt leicht gesunken ist. Mit etwa 40 Prozent ist Influenza in den Kliniken die am häufigsten gestellte Diagnose. RSV macht im stationären Bereich bislang knapp 9 Prozent der Fälle aus. Die Entwicklung der Viruslast im Abwasser zeichnet ein ähnliches Bild: Die Influenza- und RSV-Last steigt weiter an.
Experten raten zu Impfungen
Angesichts der anhaltenden Grippewelle und der zunehmenden RSV-Aktivität erinnert das RKI an bestehende Impfempfehlungen. Die Influenza-Impfung wird insbesondere Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren sowie medizinischem Personal empfohlen. Auch wenn die Saison bereits fortgeschritten ist, eine Impfung kann laut Fachleuten solange sinnvoll sein, wie die Influenzaviren zirkulieren.
Für RSV stehen seit Kurzem ebenfalls präventive Optionen zur Verfügung: Für ältere Menschen ab 60 Jahren sind RSV-Impfstoffe zugelassen, zudem können Säuglinge durch eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern geschützt werden. Diese Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte zu verhindern - denn gerade bei Kleinkindern und Senioren kann RSV zu schweren Atemwegs- und Folgeerkrankungen führen.
Unabhängig vom Erreger empfehlen Fachleute bewährte Schutzmaßnahmen: Wer Symptome hat, sollte Kontakte reduzieren, insbesondere zu vulnerablen Personen. Regelmäßiges Händewaschen, ausreichendes Lüften geschlossener Räume und das freiwillige Tragen einer Maske bei engem Kontakt können die Übertragung von Atemwegsviren zusätzlich verringern.