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Jungfernflug in USA Größtes elektrisches Verkehrsflugzeug fliegt

Elektroautos finden langsam mehr Freunde, und irgendwann sollen auch Flugzeuge elektrisch fliegen. Dabei erreichen zwei US-Unternehmen einen Meilenstein. Das größte elektrisch angetriebene Passagierflugzeug der Welt startet zum Jungfernflug.

In den USA ist das bislang weltweit größte elektrisch betriebene Passagierflugzeug zu seinem Jungfernflug gestartet. Eine auf E-Antrieb umgerüstete Cessna Grand Caravan 208 hob am Donnerstag von einem Flugplatz im Bundesstaat Washington ab und blieb 30 Minuten lang in der Luft. "Es ist ein Nischenmarkt. Aber wir können jetzt anfangen, daran zu arbeiten und alles tun, um die gesamte Industrie voranzubringen", sagte Roei Ganzarski, Chef des Unternehmens Magnix, das den Antrieb beigesteuert hatte, laut einer Mitteilung. "Lasst uns schnell auf den Markt gehen, um diese Revolution zu starten", so Ganzarski weiter.

Der 750 PS starke Elektromotor ziehe die Energie aus Lithium-Ionen-Batterien und ermögliche es dem Flugzeug 160 Kilometer zu überbrücken, was in etwa der Distanz zwischen Berlin und Leipzig oder Köln und Frankfurt entspräche. Die Cessna mit dem E-Antrieb habe Platz für vier bis fünf Passagiere, heißt es in einem Bericht des Fachportals "Flight Global". Das Modell Grand Caravan fliegt mit konventionellem Antrieb schon seit 1982 - ohne Ladung kommt es mit vollen Tanks fast 1800 Kilometer weit. Es ist ein beliebtes Kleinflugzeug für bis zu 14 Passagiere. Auf der Homepage von Magnix heißt es, man habe dieses von einem "Flugbenzin schluckenden, Abgase ausstoßenden in ein voll-elektrisches, günstig zu betreibendes, sauberes Flugzeug" umgewandelt.

Da bei der auf E-Antrieb umgerüsteten Cessna der Strom aus Akkus kommt, ist der Antrieb entsprechend schwer - er wiegt laut "Flight Global" eine Tonne. Das hohe Gewicht gilt in der Branche als großes Problem für rein batterie-elektrische Antriebe. Dennoch sei es möglich, mit dem neuen Flugzeug kürzere Strecken wirtschaftlich zu betreiben, heißt es vom Hersteller Magnix und dem Partnerunternehmen AeroTec, das die Cessna auf E-Antrieb umgerüstet hatte. Magnix-Chef Ganzarski setzt laut "Flight Global" auch darauf, dass die Batterien noch effizienter werden. So gehe er davon aus, dass bis Ende 2021 eine Cessna Grand Caravan neun Passagiere über eine Distanz von 160 Kilometern befördern könnte.

Eine Option für die Mittelstrecke?

Magnix und Aerotec sehen eine Marktlücke zumindest für die USA, wo Strecken, die kürzer als etwa 800 Kilometer seien, nicht von den großen Airlines bedient würden. Dies wiederum habe ökonomische Gründe, wie die aufwendige Wartung und die Treibstoffkosten. Elektromotoren sind jedoch wesentlich leichter instand zu halten, allein schon, weil sie aus deutlich weniger Teilen bestehen. Die Stromkosten sind viel geringer als die Kosten für Kerosin. Darin sehen die beiden Unternehmen eine Chance für einen wirtschaftlichen Betrieb. Was das umgerüstete Flugzeug kosten soll, wollten die Unternehmen aber noch nicht mitteilen, heißt es bei "Flight Global".

Mit dieser Begründung der besseren Wirtschaftlichkeit hat bereits die kanadische Wasserflug-Gesellschaft Harbour Air im vergangenen Dezember angekündigt, ihre Maschinen auf E-Antrieb von Magnix umzurüsten. Am 19. Dezember war ein Wasserflugzeug vom Typ DHC-2 de Havilland in Vancouver mit einem Elektromotor von Magnix gestartet und gilt seitdem als erstes Verkehrsflugzeug mit Stromkraft.

Für größere Verkehrsmaschinen wie jene von Boeing und Airbus ist ein elektrischer Betrieb noch Zukunftsmusik. Experten zufolge könnte der Betrieb mit einer Brennstoffzelle möglich sein. Dabei wird Wasserstoff getankt, der dann in der Brennstoffzelle zu Strom umgewandelt wird, der wiederum einen Elektromotor antreibt. Dieses System hätte den Vorteil, wesentlich leichter zu sein als batterie-elektrische Motoren. Airbus-Chef Guillaume Faury hat jedenfalls angekündigt, dass man CO2-freies Fliegen für die Zukunft anstrebe. Denn laut der EU-Umweltbehörde EEA sind Flugzeuge mit 285 Gramm CO2-Ausstoß pro Passagier und Kilometer das bei weitem klimaschädlichste Verkehrsmittel.

Quelle: ntv.de, vpe