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Entwicklungszyklus des Hantavirus.
Entwicklungszyklus des Hantavirus.(Foto: Goethe-Universität)
Mittwoch, 07. Februar 2018

Infektion beim Frühjahrsputz: Hantaviren lauern im Staub

Kaum gibt die Sonne erste wärmende Strahlen ab, schon denken einige an aufräumen und Frühjahrsputz. Doch die Putzaktion könnte vor allem in Kellern, Garagen und auf Dachböden ein gefährliches Virus aktivieren. Forscher analysieren Langzeitdaten.

Jedes Jahr erkranken Menschen an einer Infektion mit Hantaviren – auch in Deutschland. Das Virus, der von Nagern über Speichel, Kot und Urin ausgeschieden wird, wird oftmals beim Fegen von Laub, in Garagen oder Kellern von Menschen aufgewirbelt und schließlich eingeatmet. In Deutschland sind es vor allem Rötelmäuse, die die sogenannten Puumala-Viren absondern, die wie alle Hantaviren im schlimmsten Fall zu Nierenversagen und dem Tod führen können.

Ein Forscherteam hat nun untersucht, wie häufig und in welchen Regionen die Infektionen in Deutschland vorkommen. Dafür wurden die Daten genutzt, die seit 2001 mit der Einführung der Meldepflicht für Infektionen mit Hantaviren zur Verfügung stehen. Die Forscher konnten sehen, dass besonders in Baden-Württemberg und den angrenzenden Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen die meisten Infektionen auftreten. Zudem ist in großen Städten wie Stuttgart oder Bonn die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner höher als in ländlichen Gebieten. Wesentliche Unterschiede zeigten sich jedoch bei den Infektionszahlen in den letzten 15 Jahren. 2007, 2010 und 2012 gab es besonders viele Infektionen.

Mehr Nahrung, mehr Mäuse, mehr Infektionen

Die Forscher wollten nun die Hintergründe für diese starken Schwankungen klären. Als wichtige Faktoren nennen sie die Anzahl der Rötelmäuse als Überträger der Viren, klimatische Faktoren und das Nahrungsangebot. Jahre, in denen Buchen, Eichen und Kastanien besonders viele Früchte ausbilden, werden als Mastjahre bezeichnet. Diese stellen ein reiches Nahrungsangebot für die Nager dar. Das wiederum führt meistens zu einem starken Anstieg der Populationsdichte und zu mehr infizierten Rötelmäusen, was letztlich auch das Infektionsrisiko für den Menschen erhöht.

Tatsächlich gingen den infektionsreichen Jahren 2007, 2010 und 2012 jeweils Mastjahre voraus. Allerdings folgte auf das Mastjahr 2014 nur ein Jahr mit leicht erhöhter Anzahl an Infektionen bei Menschen. Die Forscher erklären, dass klimatische Bedingungen in den Vorjahren und der zeitliche Abstand zum vorhergehenden Mastjahr ebenfalls eine Rolle bei der Populationsdichte spielen.

Aufgrund der vielen Faktoren, die Einfluss auf das Puumala-Virus und der Population der Virusträger haben kann, ist ein zuverlässiges Vorhersage-Modell für Infektionszahlen derzeit nicht erstellbar. Dennoch wird vor mehr Infektionen in der Zukunft gewarnt: "Durch den Klimawandel, der häufigere Mastjahre und mildere Winter mit sich bringt, könnte die Zahl der Puumala-Virus-Infektionen künftig ansteigen", prognostiziert Professor Sven Klimpel vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Wichtig ist deshalb, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Wer den Frühjahrsputz in Keller, Garage oder auf dem Dachboden plant, sollte unbedingt auch an geeigneten Mundschutz und Handschuhe denken, da die Viren im Staub wochenlang infektiös sein können. Zudem sollte vor und während der Reinigungsarbeiten kräftig gelüftet werden. Verstaubte Böden sollten vor dem Fegen angefeuchtet werden. Wischen ist in diesem Fall besser als saugen. Der direkte Kontakt mit wilden Nagern, auch mit toten, sollte unbedingt vermieden werden. Wer Mäuse im Keller oder auf dem Dachboden vermutet, sollte diese bekämpfen oder von Fachleuchten bekämpfen lassen.

Quelle: n-tv.de