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Experte zu Vorfall auf "Hondius"Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff "extrem ungewöhnlich"

04.05.2026, 18:47 Uhr RTL01903-2Von Kai Stoppel
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Ein-Blick-auf-das-Kreuzfahrtschiff-Hondius-bei-Praia-Kap-Verde-Nach-einem-ungewoehnlichen-Ausbruch-des-Hantavirus-auf-dem-kleinen-Kreuzfahrtschiff-im-Atlantik-sind-laut-Weltgesundheitsorganisation-WHO-drei-Menschen-mutmasslich-nach-einer-Infektion-gestorben
Das Kreuzfahrtschiff Hondius bei Praia, Kap Verde. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Drei Menschen sterben bei einer Kreuzfahrt - mutmaßlich durch das Hantavirus. Der Fall stellt aus Sicht des Reise- und Tropenmediziners Tomas Jelinek eine Rarität dar. Sich in Acht nehmen sollte man auf Kreuzfahrtschiffen eher vor anderen Arten von Erregern.

Bei einem Ausbruch des Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff "Hondius" im Atlantik sterben drei Menschen - mutmaßlich nach einer Infektion mit dem Erreger. Unter den Toten ist auch ein Deutscher. Drei weitere Menschen sind erkrankt. Doch ein Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sei "extrem ungewöhnlich", betont Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, gegenüber ntv.de.

Hantaviren kommen üblicherweise bei Nagetieren vor, in Mäusen und Ratten. Und das weltweit: Auch in Deutschland gibt es dieses Virus. Übertragungen vom Tier auf den Menschen laufen meist über tierische Ausscheidungen wie Urin. "Bei uns ist die Infektion etwa typisch, wenn man einen Geräteschuppen ausräumt und dabei den getrockneten Urin von Mäusen inhaliert und sich das Virus zuzieht", erklärt Jelinek.

Allerdings gibt es auch eine Hantavirus-Art, für die auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt ist. Das sogenannte Andesvirus ist in den 1990er Jahren in Argentinien entdeckt worden. Laut Fahrplan des Schiffes war die "Hondius" von Ushuaia im Süden Argentiniens zu den Kapverdischen Inseln aufgebrochen. Ob es auf dem Kreuzfahrtschiff zum Ausbruch genau dieses Andesvirus kam, könne man derzeit noch nicht sagen, betont Jelinek.

"Das ist wirklich eine Rarität"

Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Häufig sind auch die Nieren betroffen. Schwere Verläufe können tödlich enden, kommen nach Informationen des Gesundheitsministeriums aber in Deutschland nur selten vor. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge, gab gewisse Entwarnung: "Das Risiko für die breite Öffentlichkeit ist weiterhin gering." Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich. 

Auch Tropenmediziner Jelinek sieht für Reisende, für die eine Kreuzfahrt ansteht, keinen Grund zur Sorge, sich mit dem Hantavirus anzustecken. Besondere Vorsichtsmaßnahmen seien nicht nötig: "Das ist wirklich eine Rarität." Zudem sei noch unklar, wie die Infektion auf das Schiff kam. "Es kann von Nagetieren auf dem Schiff stammen, oder jemand hat sich beim Landgang angesteckt und es hat sich tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen. Aber das wissen wir noch nicht", so der Experte.

Noroviren ein großes Problem

Es gibt andere Krankheiten, für die auf Kreuzfahrtschiffen ein erhöhtes Risiko bestehe: etwa "durch Tröpfchen übertragene Infektionen", so Jelinek. Während der Corona-Pandemie habe es deshalb auf Schiffen immer wieder größere Ausbrüche gegeben. Auch Influenza und andere Erreger, die durch Husten übertragen werden, fielen in diese Kategorie.

Noroviren seien auf den Schiffen ein weiterer häufiger Grund für Ansteckungen. "Es gibt eigentlich kaum ein Kreuzfahrtschiff, das wirklich komplett frei ist von Noroviren", sagt Jelinek. Zu den Symptomen zählt schwerer Brechdurchfall. Typischerweise werde das Norovirus über Oberflächen übertragen, die von vielen Menschen berührt werden. Ein wichtiger Schutz auf Kreuzfahrten sei daher eine gute Handhygiene, so der Mediziner.

 

Quelle: ntv.de

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