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Untersuchung relativiert AnnahmeHört man besser, wenn man die Augen schließt?

23.04.2026, 12:03 Uhr
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Wer mit geschlossenen Augen Musik hört, will sich nicht durch das, was er sieht, ablenken lassen. (Foto: IMAGO/Westend61)

Wenn Menschen intensiv zuhören möchten, schließen viele ihre Augen, um sich besser auf diesen Sinn fokussieren zu können. In einer Untersuchung will ein Forschungsteam nun herausfinden, ob diese weitverbreitete Annahme auch bei lauter Umgebung etwas bringt.

Nicht immer hilft es, die Augen zu schließen, um besser zu hören. Das hat ein Forschungsteam der Shanghai Jiao Tong University herausgefunden. Vor allem in lauter Umgebung mit vielen Hintergrundgeräuschen ist es schwierig, leise Geräusche mit geschlossenen Augen auszumachen. Die Studienergebnisse wurden im "The Journal oft he Acoustical Society of America" veröffentlicht.

Für die Untersuchung bekamen 25 Freiwillige mehrere Höraufgaben: Über Kopfhörer wurden verschiedene Hintergrundgeräusche eingespielt, dazu gehörte das Plätschern eines Kanupaddels, eine Trommel, das Zwitschern eines Vogels, das Rattern eines Zuges und das Klappern einer Tastatur. Die Studienteilnehmer sollten eines von fünf Geräuschen heraushören.

Das sollte zuerst mit geschlossenen Augen passieren, danach mit dem Blick auf einen leeren Bildschirm, dann auf ein Standbild des Geräusches, das sie zu hören versuchten. Zuletzt sollte ein Video, das zum Geräusch passte, angeschaut werden. Hinzu kam, dass die Studienteilnehmer die Lautstärke des Zielgeräusches soweit erhöhen oder verringern sollten, dass sie es gerade noch so über den anderen Hintergrundgeräuschen hinweg hören konnten. Währenddessen wurde die Gehirnaktivität der Probanden und Probandinnen mit einer Elektroenzephalografie, kurz EEG gemessen.

Studienergebnisse widersprechen Annahme

Aber die Ergebnisse widersprachen der weitverbreiteten Annahme, dass man mit geschlossenen Augen besser hört. "Wir stellten fest, dass das Schließen der Augen entgegen der landläufigen Meinung zur Fähigkeit, diese Geräusche wahrzunehmen, tatsächlich beeinträchtigt", sagte Yu Huang laut Mitteilung. "Umgekehrt verbessert das Betrachten eines dynamischen Videos, das dem Geräusch entspricht, die Hörsensibilität deutlich."

Um eine Erklärung für diese Befunde zu bekommen, sahen sich die Forschenden um Huang die Daten des EEG genauer an. Sie stellten fest, dass das Schließen der Augen das Gehirn in einen speziellen Zustand versetzt, wodurch die Filterung eingehender Informationen verstärkt wird. Diese verbesserte Filterung reduziert nicht nur Hintergrundgeräusche, sondern kann auch die Zielgeräusche unterdrücken, die die Teilnehmer hören sollten.

Laute Umgebung als Einschränkung

"In einer Umgebung mit lauten Geräuschen muss das Gehirn das Signal aktiv vom Hintergrund trennen", sagte Huang. "Wir haben festgestellt, dass die durch das Schließen der Augen geförderte innere Fokussierung in diesem Kontext kontraproduktiv wirkt und zu einer Überfilterung führt, wohingegen die visuelle Einbindung dazu beiträgt, das auditive System mit der Außenwelt zu verankern."

Das Forschungsteam stellte jedoch fest, dass sich die Untersuchungsergebnisse nur auf laute Umgebungen beziehen lassen. Das Schließen der Augen könne die Fähigkeit, leise Geräusche wahrzunehmen, dennoch verbessern. Da es jedoch der Alltag von erheblichen Hintergrundgeräuschen begleitet werden, könne es in vielen Situationen die effektivere Strategie sein, die Augen offen zu halten.

Quelle: ntv.de, jaz

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