Wissen

Es überlebt, wer besser klebt Hurrikans verändern Form von Echsenfüßen

ACHTUNG Frei nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

Anolis scriptus auf den Turks- und Caicosinseln.

(Foto: Colin M. Donihue/dpa)

In Regionen der Erde, die häufig von Wirbelstürmen heimgesucht werden, bedeutet das für viele Tiere: Wer sich gut festhalten kann, überlebt. Das hat auch einen Einfluss auf ihr Aussehen.

Anolis-Echsen, die in Hurrikan-Gebieten leben, haben größere Haftpolster an ihren Füßen als Populationen in weniger stürmischen Lebensräumen. Die Wirbelstürme wirken sich damit direkt auf die Evolution der Tiere aus, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Möglicherweise gelte das auch für andere Tierarten, die in Hurrikan-Gegenden leben.

ACHTUNG Frei nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

Anolis carolinensis, der sich bei simuliertem Wind mit Orkanstärke mit stark greifenden Zehenpolstern festhält.

(Foto: Colin M. Donihue./dpa)

Das Team um Colin Donihue von der Washington University in St. Louis hatte nach den Hurrikans "Irma" und "Maria" im Jahr 2017 festgestellt, dass die überlebenden Echsen der Art Anolis scriptus auf den Turks- und Caicos-Inseln in der Karibik besonders große Haftpolster an ihren Füßen hatten. Diese Verbreiterungen an den Zehen der Vorder- und Hinterfüße entscheiden darüber mit, wie gut die Echsen klettern und sich festhalten können. Zwei Jahre später kehrten die Forscher in die Region zurück und zeigten, dass die Nachkommen der Überlebenden ebenfalls größere Haftpolster hatten - die Eigenschaft also vermutlich vererbt worden war.

Mehr Hurrikans - größere Haftpolster

Sie bestätigten dann, dass sich der Effekt auch andernorts finden lässt: Auf zwölf Inseln von den Bahamas bis zu den Cayman Inseln hatten Echsenpopulationen der Art Anolis sagrei, die in den vergangenen 70 Jahre mehr Hurrikans erlebt hatten, größere Haftpolster als Tiere aus ruhigeren Gegenden. Schließlich bestätigten sie den Zusammenhang bei 188 Anolis-Arten in deren gesamten Verbreitungsgebiet. Andere mögliche Einflussfaktoren wie die Höhe der Bäume, an denen die Tiere leben, die Lufttemperatur oder die Menge an Regenfall standen in keinem Zusammenhang zur Größe der Haftpolster.

"Die Haftpolster sind vermutlich ein Schlüsselmerkmal, das es den Echsen ermöglicht, sich während der Stürme an die Vegetation zu klammern", erläutert Donihue. Allerdings seien Hurrikans insgesamt sehr seltene Ereignisse und nicht vorhersehbar. Die Forscher nehmen daher an, dass auch andere Kräfte auf die Tiere und speziell auf die Haftpolster an ihren Füßen wirken. Schließlich gehe es darum, einen Kompromiss zwischen den Merkmalen zu finden, die ein gutes Überleben im Alltag ermöglichten und solchen, die in Extremsituationen vorteilhaft seien. "In anderen Worten: die Haftpolster werden sich mit der Zeit nicht in Schneeschuhe oder so etwas verwandeln. Es gibt eine Balance."

Die Wissenschaftler vermuten, dass auch die Evolution anderer Tierarten von Wirbelstürmen beeinflusst wird. "Ich gehe davon aus, dass das nicht nur eine Echsen-Sache ist. Bei jeder anderen Art, die von Hurrikans getroffen wird und bei der das Überleben keine Frage des Zufalls ist, würde man mit ähnlichen Mustern rechnen", sagt Donihue.

Quelle: ntv.de, Anja Garms, dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.