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Neue Studien machen Hoffnung Immunität gegen Corona könnte Jahre halten

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Sars-CoV-2 löst offenbar eine breite Immunreaktion aus - welche den Körper dauerhaft schützen könnte.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Sind Menschen nach einer Corona-Infektion immun? Berichte über erneute Infektionen und schwindende Antikörper hatten Zweifel genährt. Doch neuere Studien zeigen: Eine Immunität könnte lange anhalten - vielleicht sogar Jahre. Dies hat für den Einsatz von Impfstoffen eine große Bedeutung.

Es ist lange eine der großen Fragen rund um das Coronavirus: Wie lange hält eine Immunität gegen den Erreger an, wenn eine Erkrankung überstanden ist? Das ist auch mit Blick auf die jüngsten Erfolgsmeldungen zur Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen von Bedeutung. Denn eine hohe Schutzwirkung ist die eine Sache - wie lange sie anhält, eine andere. Doch neue Studien zur Langzeit-Immunität machen Hoffnung.

Meldungen aus den vergangenen Monaten hatten immer wieder die Möglichkeit aufgeworfen, eine Immunität gegen Sars-CoV-2 könnte nur für kurze Zeit bestehen. So wurden etwa immer wieder Einzelfälle entdeckt, bei denen sich Menschen ein zweites Mal mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Zugleich gab es Beobachtungen, dass viele Infizierte gar keine Antikörper gegen den Erreger bilden.

Für Aufsehen hatte auch eine Studie aus Großbritannien gesorgt, nach der die Menge an Antikörpern gegen Sars-CoV-2 im Blut in den Monaten nach der Infektion zum Teil stark absinkt. Auch eine Studie der chinesischen Universität Chongqing hatte gezeigt, dass Antikörper innerhalb von zwei bis drei Monaten erheblich schwinden können. Allerdings betonten Experten in der Folge, dass ein sinkender Antikörperspiegel nach einer Infektion normal sei und zunächst nichts über die Immunität aussagt - entscheidend sei vielmehr das Gedächtnis des Immunsystems.

Immunzellen noch nach acht Monaten

Dass das Immungedächtnis im Fall von Sars-CoV-2 doch ganz gut funktionieren könnte, darauf fand nun ein Team vom La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien zusammen mit weiteren Forschern neue Hinweise. Bei der Untersuchung von 185 Covid-19-Genesenen entdeckten sie, dass die große Mehrheit auch acht Monate später über genug Immunzellen verfügten, um das Coronavirus abzuwehren. "Dieses Ausmaß an Gedächtnis schützt wahrscheinlich die überwiegende Mehrheit der Menschen für viele Jahre davor, schwer zu erkranken", sagte Shane Crotty, einer der leitenden Autoren der Studie, gegenüber der "New York Times". Die Studie wurde bisher allerdings nur auf einem Preprint-Server veröffentlicht und noch nicht von anderen Forschern geprüft.

Eine weitere, frühere Studie aus den USA stützt jedoch die Hoffnung auf eine stabile Immunität. Forscher um die Immunologin Marion Pepper von der University of Washington hatten untersucht, wie stark das Immungedächtnis bei Infizierten ausgeprägt ist, die nur milde Symptome zeigen. Auch sie analysierten neben der Menge an Antikörpern weitere Bestandteile der Immunabwehr - wie etwa B- und T-Gedächtniszellen. Das Ergebnis: Die Gedächtniszellen blieben nach der Infektion nicht nur erhalten, sondern nahmen in einigen Fällen in den Monaten nach der Infektion sogar zu, schreiben die Autoren.

Bereits im Sommer erschien eine weitere Studie, welche andere Hinweise auf eine dauerhafte Immunität lieferte: Im Blut von Menschen, die vor 17 Jahren an Sars erkrankt waren, fanden Forscher immer noch T-Gedächtniszellen gegen den mittlerweile verschwundenen Erreger Sars-CoV, der eng mit Sars-CoV-2 verwandt ist. Eine andere Untersuchung fand zudem bei Covid-19-Genesenen, die gar keine Antikörper mehr aufwiesen, die sehr effizienten Cytotoxischen T-Zellen, oder T-Killerzellen - sie können Zellen im Körper zerstören, welche von Viren befallen sind.

"Aufregende Neuigkeiten"

Experten sehen die Studien als Belege dafür, dass das menschliche Immunsystem auch im Fall von Sars-CoV-2 nicht anders reagiert als bei anderen Erregern. So sagte die Immunologin Akiko Iwasaki der "New York Times", sie sei nicht überrascht, dass der Körper eine dauerhafte Immunabwehr gegen Sars-CoV-2 aufbaut, da "das ist, was auch passieren soll". Dennoch seien es "aufregende Neuigkeiten".

Die Erkenntnisse machen zudem Hoffnung, dass hochwirksame Impfstoffe wie von Biontech/Pfizer oder Moderna tatsächlich einen Einfluss auf die Pandemie haben könnten. Denn Impfstoffe schulen das körpereigene Abwehrsystem sogar besser als eine natürliche Infektion, sagen Experten. Damit bieten sie in der Regel einen länger anhaltenden Schutz vor einer Wiederansteckung. Auch hier spielen T- und B-Gedächtniszellen gegen Sars-CoV-2 eine Schlüsselrolle. "Während die natürliche Infektion zu einem schlechten Immungedächtnis führen kann, das möglicherweise nicht von Dauer ist, gibt Ihnen der Impfstoff ein starkes dauerhaftes Gedächtnis", erläutert Immunologe Danny Altmann vom Imperial College London. Trifft dies alles auch auf Sars-CoV-2 zu, dann wäre eine dauerhafte Immunität durch Impfungen greifbar - und somit womöglich ein Ende der Pandemie.

Quelle: ntv.de, mit rts