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Covid-19-Abwehr läuft falsch Immunthrombose löst schweren Verlauf aus

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Relativ schnell müssen manche Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer noch gibt es viele offene Fragen rund um das Coronavirus. Eine davon ist, warum die durch das Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 bei einem Teil der Infizierten so schwer verläuft, dass sie sogar zum Tod führen kann. Darauf könnten Forscher jetzt eine neue Antwort gefunden haben.

Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist der Auffassung, dass ein bestimmter Mechanismus des Immunsystems eine Rolle dabei spielen könnte, ob bei Patienten Covid-19 einen schweren oder milden Verlauf nimmt. Die Forscher um Moritz Leppkes vom Universitätsklinikum Erlangen untersuchten Covid-19-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten und fanden heraus, dass diese eine höhere Zahl bestimmter Immunzellen, sogenannter neutrophiler Granulozyten aufwiesen. Eine Infektion mit dem Coronavirus scheint also bei manchen Menschen dazu zu führen, dass die Bildung dieser Art von weißen Blutkörperchen stark aktiviert wird.

Diese Granylozyten sollen sich den Forschern zufolge zusammenballen und netzähnliche Strukturen in den Blutgefäßen bilden. Eigentlich sollen diese Netze, die medizinisch mit NET (Neutrophil Extracellular Traps) bezeichnet werden, Eindringlinge wie Bakterien und Viren einfangen und gezielt bekämpfen. Diese Art der speziellen Immunantwort wurde erst 2004 entdeckt. Im Falle von Covid-19 könne es aber häufiger dazu kommen, dass die Netze die feinen Blutgefäße in der Lunge und an anderen Stellen im Körper rasch verstopfen.

Diese verstopften Blutgefäße führen dazu, dass der Gasaustausch in der Lunge oder in anderem Gewebe zum Erliegen kommt und der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Es kommt zu einem lebensgefährlichen Zustand. Da der Vorgang viele Ähnlichkeiten mit anderen Thromobosen hat, sprechen die Forscher in der im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie von einer Immunthrombose.

Diese Art der Thrombosebildung wurde in der bisherigen Behandlung bei schweren Covid-19-Fällen nicht bedacht. Doch wie das "Ärzteblatt" berichtet, könnte die Erkenntnis der Forscher Auswirkungen auf die zukünftige Therapie haben: "Die Forscher sehen einen Behandlungsansatz bei schweren Covid-19-Fällen darin, die Zusammenballung der neutrophilen Granulozyten zu hemmen und die vermehrte NET-Bildung zu verhindern." Dabei könnten zum Beispiel die Arzneimittel Dexamethason oder Heparin helfen. "Heparin wird bereits bei Covid-19-Patienten zur Prävention von Thrombosen eingesetzt. Es sei jedoch möglich, dass die Standarddosis nicht ausreicht, um eine Thrombosierung durch die NET zu verhindern", so das Fachblatt.

Quelle: ntv.de, jaz