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Globale Blitz-Hotspots In einem See kracht es fast täglich

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(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Handvoll Blitze pro Quadratkilometer und Jahr reichen Schweinfurt aus, um in Deutschland Blitz-Hauptstadt zu werden - doch es gibt Regionen auf der Welt, wo es fast täglich blitzt, donnert und kracht.

Ein Gewitter entlädt sich mit brachialer Gewalt. Es blitzt, donnert und kracht. Für dieses gewaltige Naturspektakel müssen zwei Dinge aufeinandertreffen: feuchtwarme Luftmassen und Eiskristalle.

Hierzulande gibt es vor allem im Sommer starke Gewitter, ganz anders sieht das in anderen Ländern aus. An manchen Orten blitzt es monatelang. Wissenschaftler wollten herausfinden, wo die Blitz-Hotspots der Erde liegen.

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Blitzdichte von 1998 bis 2013

(Foto: Nasa/MSFC)

Dafür werteten Rachel Albrecht von der Universität von Sao Paulo und ihre Kollegen Daten eines Blitzsensors an Bord des NASA-Satelliten "Tropical Rainfall Measuring Mission" (TRMM) aus. Diese umfassen einen Zeitraum von 1998 bis 2013. Gezählt wurden Blitze innerhalb und zwischen Wolken sowie Blitze, welche die Erdoberfläche erreichten. Der Orbit erlaubte nur Messungen zwischen dem 35. Grad nördlicher und südlicher Breite.

Aus diesen Daten entwickelten die Forscher eine Karte der globalen Blitz-Hotspots und listeten die Top 500 weltweit und die Top Ten der großen Kontinente auf.

Hotspot liegt nicht in Afrika

"Eine überraschende Entdeckung ist es, dass der Ort mit den häufigsten Blitzen der Erde nicht in Afrika liegt, wie bisher vermutet", schreiben die Autoren in ihrer Studie. In Wirklichkeit ist der Blitz-Hotspot der Erde der Maracaibo-See im Nordwesten von Venezuela in einer Bergregion. Über dem See blitzt es beinahe täglich - nämlich an 297 Tagen im Jahr. Pro Quadratkilometer sind es im Jahr mehr als 233 Blitze, berichten Albrecht und ihre Kollegen.

Das Naturspektakel startet nach Sonnenuntergang. Pro Stunde jagen dann bis zu 200 Blitze vertikal, horizontal und schräg über den Nachthimmel - bis zu neun Stunden lang. Das natürliche Feuerwerk in gespenstischen Farben ist selbst 150 Kilometer vor der Küste Venezuelas noch zu sehen.

Der Grund für die extrem hohe Blitzhäufigkeit über dem Maracaibo-See ist die feuchtwarme Luft über dem Wasser, die sich schnell abkühlt, wenn sie in die Berge aufsteigt. Durch diese Luftmassen bilden sich große Gewitterwolken, die sich schließlich entladen.

Berge und Küsten

In Bergregionen gibt es generell die meisten Blitze: "Tatsächlich liegen nur sechs der Top 30 Blitz-Hotspots nicht in der Nähe einer Bergregion", schreiben die Forscher. Aber auch Gebiete in Küstennähe, wo feuchte Luft vom Meer auf das Land weht, seien besonders blitzträchtig.

Der Zweitplatzierte unter den globalen Blitz-Hotspots liegt bei Kabare in der Demokratischen Republik Kongo. Hier blitzt es immerhin noch 205 Mal pro Jahr und Quadratkilometer. Genau wie am Maracaibo-See steigt hier feuchtwarme Luft aus dem Kongobecken und dem dortigen Regenwald die Berghänge hinauf.

Auch in der pakistanischen Stadt Daggar Kalay geht es gefährlich zu. Hier sind es jährlich 143 Blitze pro Quadratkilometer, ungefähr die gleiche Anzahl wie im Himalaya.

Ranking der Kontinente

Die Forscher haben sich nicht nur auf Gebirge oder Städte fokussiert, sondern auch ganze Kontinente miteinander verglichen. "Wenig überraschend ist Afrika in der Liste der 500 Orte mit höchster Blitzhäufigkeit gleich 283 Mal vertreten", berichten die Forscher. Auf Platz zwei hat es Asien geschafft und auf Platz drei kommt Südamerika, dicht gefolgt von Nordamerika.

In Asien blitzt es am häufigsten im Grenzgebiet von Industal und Südrand des Himalaya. In Nord- und Mittelamerika konzentrieren sich die Blitze am Fuß der Sierra Madre, aber auch in den Everglades im Süden der des Landes, wie Albrecht und Kollegen herausfanden. In Australien stellt die Nordküste des Kontinents gleich neun von zehn Blitz-Hotspots, zwischen 91 und 51 Blitze gibt es dort pro Jahr.

Und in Deutschland? 2015 war Schweinfurt die Stadt mit den meisten Blitzeinschlägen. Pro Quadratkilometer gingen in dem unterfränkischen Ort rechnerisch 4,5 Blitze nieder. An zweiter Stelle folgt der Erzgebirgskreis in Sachsen (4,3).

Quelle: ntv.de, dsi

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