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Mumienfund auf Grönland Inuit-Baby wurde lebendig begraben

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Der Junge war vermutlich ein halbes Jahr alt, als er starb.

(Foto: Wikipedia/Choffa)

Wie lebten die Inuit auf Grönland vor mehr als 500 Jahren? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft. Einige Antworten liefern acht Mumien, die die Zeit überdauert haben.

Eine achtköpfige Inuit-Familie, die vor mehr als 500 Jahren ums Leben kam, erweist sich heute als extrem wertvoll für die Forschung. Die mumifizierten Leichen waren 1972 von zwei Jägern in der verlassenen Inuit-Siedlung Qilakitsoq auf Grönland entdeckt worden. Sie waren an der grönländischen Westküste unter einem Steinhaufen begraben worden, berichtet die britische "Sun".

Wegen der extrem kalten und trockenen Witterungsbedingungen wurden die Körper regelrecht "gefriergetrocknet". Bis heute sind sie extrem gut erhalten und geben deshalb über Bräuche und Traditionen der Inuit Aufschluss.

Die Menschen starben demnach etwa 1475. Die meisten der Körper waren stark tätowiert, auf Stirn, Augenbrauen und Schienenbeinen. Außerdem fanden die Forscher in dem Grab zahlreiche Kleidungsstücke, die aus Rentier- und Robbenfell und aus anderen Tierhäuten hergestellt waren. Wissenschaftler stellten fest, dass es sich bei dem Mumien um insgesamt sechs Frauen, einen kleinen Jungen und ein Baby handelt. Sie haben nach Hunderten von Jahren noch intakte Haut, Fingernägel und Haare.

Reise ins Land der Toten

Bei dem Baby gehen die Forscher davon aus, dass es lebendig mit seiner verstorbenen Mutter zusammen beigesetzt wurde. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies zur damaligen Zeit den kulturellen Normen entsprach. Ohne die mütterliche Unterstützung hatten sehr kleine Kinder kaum eine Überlebenschance, deshalb reisten sie gemeinsam in das Land der Toten.

Die Leichen wurden in zwei Gräbern in einem Abstand von einem Meter gefunden. Sie waren übereinander beigesetzt worden, sorgfältige mit mehreren Schichten Tierhaut voneinander getrennt. Trotz intensiver Untersuchungen konnte bisher nicht wissenschaftlich geklärt werden, woran die Menschen starben. Vier der Mumien aus Qilakitsoq sind im grönländischen Nationalmuseum in Nuuk dauerhaft ausgestellt.

Quelle: n-tv.de, sba

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