Wissen

Anzeichen mehren sich Italienischer Vulkan droht bald auszubrechen

Vulkan.jpg

Blick auf die Campi-Flegrei-Caldera vom Posillipo-Hügel.

Francesca Forni/dpa

Die Phlegräischen Felder zählen zu den weltweit wenigen Dutzend aktiven Supervulkanen. Das riesige Vulkansystem in Süditalien könnte bald wieder ausbrechen. Forscher registrieren eine erhöhte Aktivität und finden immer mehr Hinweise für eine große Eruption.

Ein großes Vulkansystem in Süditalien bereitet sich nach Forscherangaben wahrscheinlich gerade für einen neuen Ausbruch vor. Das europäische Team nennt im Journal "Science Advances" gleich mehrere Hinweise darauf: So fand es bestimmte Komponenten, die denen im Vorfeld früherer großer Ausbrüche der Phlegräischen Felder sehr ähneln. Das derzeit entweichende Gasgemisch habe zudem einen hohen Kohlendioxid-Gehalt, wie frühere Studien belegten. Wann der Vulkan ausbricht, sei jedoch ungewiss.

92146576.jpg

Ein Geologe macht 2017 Fotos nahe einer Rauchsäule auf dem Gebiet der Phlegräischen Felder in Pozzuoli.

(Foto: picture alliance / Lena Klimkeit)

Manche Forscher zählen die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) zu den weltweit wenigen Dutzend aktiven Supervulkanen. Sie haben vor Jahrtausenden ein Vielfaches jener Magmamenge ausgestoßen, die durch den Vesuv im Jahr 79 n. Chr. zum Untergang von Pompeji führte. Die Felder umfassen ein 150 Quadratkilometer großes Gebiet. 1,5 Millionen Menschen leben nach Angaben der Forscher in dieser Region, die auch Neapel einschließt. Vielerorts steigen Dampfsäulen aus Felsspalten auf, Steine sind rötlichgelb verfärbt. Der Name stammt von griechischen Siedlern - phlegräisch heißt so viel wie brennend.

Das Forscherteam um Francesca Forni von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich untersuchte unter anderem die Veränderung der Gesteine im Umfeld von 23 Ausbrüchen der Phlegräischen Felder in den vergangenen 60.000 Jahren. Darunter waren zwei gigantische Eruptionen vor 39.000 und vor 15.000 Jahren, die riesige Krater - Calderen - hinterließen. Sie entstehen, wenn sich eine sehr große Magmakammer entleert und das Dach oder der Vulkan darüber einfällt.

Mehrere Hinweise auf kommenden Ausbruch

92146577.jpg

Seit 2012 gilt hier Alarmstufe Gelb.

(Foto: picture alliance / Lena Klimkeit)

Dabei entdeckten die Forscher mehrere Hinweise auf einen kommenden Ausbruch: Die jüngste Eruption in den Phlegräischen Feldern im Jahr 1538 etwa hatte Magma, das in seiner Zusammensetzung demjenigen sehr ähnelt, das im Vorfeld der beiden großen, Krater formenden Eruptionen auftrat. Der Ausbruch vor knapp 500 Jahren war zwar kleiner und brachte keine Calderen hervor, sondern einen Vulkankegel, den Monte Nuovo. Jener Ausbruch könne jedoch Ausdruck entscheidender Änderungen unter der Erde sein, schreiben die Autoren.

Das Team fand neue Hinweise auf eine Ansammlung von wasserreicher Schmelze in der Magmakammer und auf bestimmte Vulkangase. Die Daten und Simulationen weisen demnach darauf hin, dass das Magma-Reservoir in den vergangenen Jahrhunderten in eine neue Entwicklungsphase gelangt ist, die zu einer Magma-Ansammlung und schließlich zu einer Eruption führen könnte.

Neue Aufbauphase vor großer Eruption

Das Forscherteam zählt zudem weitere Zeichen für einen kommenden Ausbruch auf: So gab es seit 1950 drei Perioden mit leichten seismischen Erschütterungen und erhöhtem Ausstoß von Wasserdampf. Magmatische Fluide seien in großen Mengen vom Hauptreservoir in sieben bis acht Kilometer Tiefe in bis zu etwa drei Kilometer Tiefe aufgestiegen. Unter Fluiden verstehen Geologen vor allem Wasser, es können aber auch kohlenstoffhaltige Gase sein. Auch der relativ hohe CO2-Anteil der aus dem Boden entweichenden Gase deute auf ein neues Ansammeln von ausgasendem Magma hin.

Aufgrund all dieser Faktoren postulieren die Forscher, dass das Vulkansystem der Phlegräischen Felder gerade in eine neue Aufbauphase gelangt ist, die zu einer großen Eruption führen könnte - allerdings sei der Zeitpunkt unbekannt. "Es wird in der Zukunft ausbrechen, aber das kann auch in Tausenden von Jahren sein", betont ETH-Mitautor Olivier Bachmann.

Quelle: n-tv.de, Simone Humml, dpa

Mehr zum Thema