Wissen

Mangelernährung oder Übergewicht Jedes dritte Kleinkind wird schlecht ernährt

95739106 (1).jpg

Knapp 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind infolge von Mangelernährung unterentwickelt.

(Foto: picture alliance / Dicko/Unicef/)

Die einen haben zu wenig zu essen, die anderen essen zu viel und viele andere werden schlichtweg ungesund ernährt: Eine Unicef-Studie zeigt, wie groß das Problem der Mangelernährung bei Kleinkindern ist. Eine Mitschuld geben die Experten der Werbung.

Weltweit leidet laut einer Unicef-Studie mindestens jedes dritte Kind unter fünf Jahren unter den Folgen von unzureichender oder schlechter Ernährung. Diese 200 Millionen Mädchen und Jungen seien entweder unterernährt oder übergewichtig, heißt es in der Untersuchung, die das UN-Kinderhilfswerk einen Tag vor dem Welternährungstag veröffentlichte. Die Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore forderte ein grundlegendes Umsteuern bei der Ernährung von Kindern.

"Trotz aller technologischen, kulturellen und sozialen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten haben wir eine grundlegende Tatsache aus den Augen verloren: Wenn Kinder schlecht essen, haben sie ein schlechtes Leben", erklärte Fore. Millionen Kinder in aller Welt ernährten sich ungesund, "weil sie einfach keine andere Wahl" hätten. Deswegen müssten sich das Verständnis von Mangelernährung und die Strategien dagegen ändern. "Es geht nicht nur darum, dass Kinder genug zu essen haben; es geht vor allem darum, dass sie das Richtige zu essen haben", betonte die Unicef-Chefin. Dies sei "unsere gemeinsame Herausforderung".

Der Unicef-Bericht dokumentiert die verschiedenen Formen von kindlicher Fehlernährung. So fehlen 340 Millionen Kindern unter fünf Jahren, also jedem zweiten weltweit, Vitamine und Nährstoffe wie Eisen. Weltweit etwa 149 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind den Angaben zufolge wegen Mangelernährung unterentwickelt, also zu klein für ihr Alter. 50 Millionen Kleinkinder sind unterernährt, also zu dünn für ihre Größe. Aber auch Übergewicht und Fettleibigkeit ist bei Kindern unter fünf Jahren ein weit verbreitetes Problem: Laut Unicef-Studie sind davon 40 Millionen von ihnen betroffen.

Unicef bemängelt, dass weltweit nur eine Minderheit der Babys von 42 Prozent bis zum Alter von sechs Monaten ausschließlich gestillt wird und immer mehr Babys mit Milchpulver statt Muttermilch ernährt werden. So habe dieser Anteil in Ländern mit mittlerem Einkommen wie China, Brasilien und der Türkei von 2008 bis 2013 um 72 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung werde "vor allem durch unangemessenes Marketing und schwache Regelwerke und Programme zum Fördern des Stillens" befördert.

Negativer Einfluss der Nahrungsmittelindustrie

Auch bei der Ernährung von älteren Kindern sieht Unicef einen negativen Einfluss der Nahrungsmittelindustrie. "Werbung und Marketing" trügen dazu bei, dass sie "in alarmierendem Maß ungesunden Lebensmitteln ausgesetzt" seien, heißt es in dem Bericht. Es gebe selbst in abgelegenen Dörfern ein Überangebot an stark verarbeiteten Lebensmitteln, Fast Food und stark zuckerhaltigen Getränken.

"In der Folge nehmen Übergewicht und Fettleibigkeit von Kindern und Jugendlichen weltweit zu", mahnt der Unicef-Bericht. So habe sich zwischen 2000 und 2016 der Anteil fast verdoppelt. In Deutschland lag er 2016 demnach bei 26,6 Prozent, nachdem er 1990 noch 19,4 Prozent und 1975 13,8 Prozent betragen hatte.

Unicef hob hervor, dass sowohl in armen als auch in reichen Ländern immer Kinder aus den ärmsten Familien am stärksten von Unter- und Fehlernährung betroffen seien. Außerdem warnte die UN-Organisation, dass klimabedingte Naturkatastrophen "schwere Ernährungskrisen" zur Folge haben könnten.

"Wir verlieren Boden beim Kampf um gesunde Ernährung", warnte Unicef-Exekutivdirektorin Fore. Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft müssten nun zusammenarbeiten, "um die Ursachen von ungesunder Ernährung in all ihren Formen anzugehen". Unicef sprach sich für "gesetzliche Regelungen wie Zuckersteuern" aus, verständliche Etikettierungen von Nahrungsmitteln sowie "strengere Kontrollen für das Marketing von ungesunden Lebensmitteln".

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

Mehr zum Thema