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Forscher lüften sein Geheimnis Kakadu "Snowball" rastet auf der Stange aus

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"Snowball" ist ein echter Tänzer.

(Foto: Irena Schulz/Bird Lovers Only /dpa)

Mit seinem gelben Kamm sieht er schon ein bisschen aus wie ein Punk, und so bewegt er sich auch. Kakadu "Snowball" tanzt wie ein Mensch. Damit wurde der Vogel schon vor Jahren ein Internet-Hit. Jetzt haben Wissenschaftler seine Bewegungen erforscht - mit verblüffendem Ergebnis.

Zur Musik trippelnde Pferde, mit dem Kopf wippende Elefanten und mit den Flossen winkende Robben: Rhythmische Bewegungen dieser Art haben nichts mit Tanzen zu tun. Sie sind antrainiertes Verhalten, das für Tiershows mit Musik begleitet wird. Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem gefiederten Youtube-Star "Snowball". Der Kakadu scheint Musik zu lieben und gibt sich ihr mit ganz verschiedenen "Moves" und einer erstaunlichen Kreativität hin.

Grund genug für Wissenschaftler der San Diego State University, die Bewegungen des Vogels zur Musik genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür machten sich die Forscher um Neurowissenschaftlerin Joanne Jao Keehn, die auch ausgebildete Tänzerin ist, auf den Weg zu "Snowball" und dessen Besitzerin. Der Gelbhaubenkakadu, Cacatua galerita eleonora, bekam bereits 2008 große Aufmerksamkeit. In Youtube-Videos tanzte er zur Musik der Backstreet Boys, hob dabei seinen gelben Kamm, abwechselnd die Beine und nickte mit dem Kopf. Die Bewegungen, die das damals 12-jährige Tier machte, sahen ziemlich menschlich aus und wurden höchstwahrscheinlich deshalb Tausende Male angesehen.

Tanzt der Kakadu wirklich?

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Um herauszubekommen, ob "Snowball" tatsächlich von der Musik zu seinen Bewegungen animiert wird, filmte das Team die Aktionen des Tieres und spielte zwei andere Songs ein. "Snowball", der sowohl "Girls Just Wanna Have Fun" von Cyndi Lauper und "Another One Bites the Dust" von Queen laut seiner Besitzer vorher schon ein paar Mal gehört hatte, zeigte schließlich vor laufender Kamera, was er draufhat. Die Musik wurde insgesamt drei Mal abgespielt, der Kakadu dabei gefilmt und von seiner Besitzerin mit lobenden Worten zum Tanzen animiert. Keiner im Raum machte dem Tier währenddessen irgendwelche Bewegungen vor.

Bei der Analyse der Mitschnitte stellten die Neurowissenschaftler erstaunlich vielfältige Bewegungen des Tieres fest. Insgesamt konnten 14 verschiedene Bewegungen und zwei Bewegungskombinationen ausgemacht und benannt werden. "Snowballs" Repertoire auf einer abgegriffenen Sessellehne reicht von einfachem Fußheben über Seitenschritte bis hin zur Kombination von wechselseitigem Fußheben mit Oberkörperschwingen. Dabei ändert er parallel zur Musik auch seinen Rhythmus. Die Forscher hatten bereits vorher ausgeschlossen, dass "Snowball" sich in Aussicht auf Futter oder aus Balzgründen bewegte.

Im Gegensatz zu Menschen tanzte der Vogel nicht die ganze Zeit, sondern nur abschnittsweise. Bei den Wiederholungen macht der Kakadu nie dreimal genau die gleiche Bewegung zur selben Sequenz. Für die Forscher sind diese Erkenntnisse besonders interessant, weil Snowball damit Spontaneität bewies. Er entschied offenbar selbst, wie er sich gerade bewegen wollte. Auch das Erlernen der neuen Tanzschritte sei ungewöhnlich. "Uns interessiert am meisten die schiere Vielfalt seiner Bewegungen zur Musik'', erklärte Aniruddh Patel, der an der Untersuchung mitgearbeitet hat.

Beim Menschen abgeschaut

Die Wissenschaftler, deren Erkenntnisse im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht wurden, gehen davon aus, dass Papageien sich das Tanzen bei Menschen abschauen. Dabei bewältigen sie das sogenannte Korrespondenzproblem: Die Vögel müssen Bewegungen eines Körpers, der ganz anders aufgebaut ist als ihr eigener, auf die eigenen Bewegungsmöglichkeiten übertragen. Im Fall von "Snowball" halten es die Forscher allerdings für möglich, dass sich der Vogel die Bewegungen sogar selbst ausgedacht hat, also zu echter Kreativität in der Lage war.

"Snowball" ist nicht der einzige Papagei, der tanzen kann. Auf Youtube treten diverse musikalisch begabte Vögel auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Papageien als einzige Tiere eine Reihe von Fähigkeiten mit uns Menschen teilen. Insbesondere das Nachahmen von Lauten zählt dazu. Beim Tanzen müssen die Bewegungen in einer bestimmten Gehirnregion, dem Motorcortex, bewusst auf die Musik abgestimmt werden. Das könnte erklären, warum Papageien tanzen, andere hoch entwickelte Tiere wie zum Beispiel Primaten aber nicht.

Beim Menschen ist Tanzen vor allem ein soziales Verhalten. Die Forscher wollen deshalb anhand gesammelter Daten untersuchen, ob das auch bei "Snowball" der Fall sein könnte - ob er also öfter und mehr tanzt, wenn andere in seiner Umgebung tanzen.

Der berühmte Kakadu war 2007 von seinen Vorbesitzern in die Vogelstation von Irena Schulz gebracht worden. Schon damals tanzte "Snowball" gerne, was die Forscher zu einer ersten Studie über ihn veranlasste. Kurze Zeit später beobachtete Schulz, dass der Kakadu sein Repertoire stark erweitert hatte. Die Forscher gehen davon aus, dass "Snowball" nie trainiert wurde, sondern Menschen beim Tanzen beobachtete und dann sozial interagierte.

Quelle: n-tv.de, jaz/dpa

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