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Wie viele Blitze zählen Sie? "Kaninchen-Illusion" täuscht unser Gehirn

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Der Name "Kaninchen-Illusion" rührt daher, weil das Phänomen an Sprünge eines Kaninchen erinnert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einer optischen Täuschung wollen Forscher erklären, wie unser Gehirn Informationen wahrnimmt. Pieptöne und schnelle Blitze tauchen in dem Experiment fast gleichzeitig auf. Die meisten Betrachter zählen mehr Blitze, als in Wirklichkeit erscheinen. Sie auch?

Eine Informationsflut erreicht unsere Sinne ständig und gelangt schließlich in unser Gehirn. Das kümmert sich dann darum, all die Bilder und Geräusche zu analysieren und zu interpretieren. Doch es lässt sich leicht austricksen. Wissenschaftler des California Institute of Technology (Caltech) haben in ihrer Studie "Was du gesehen hast, ist das, was du hören wirst" eine Wahrnehmungstäuschung entwickelt, die ein seltsames Phänomen in unserem Gehirn erklären soll. Sie veranschaulicht, wie sich unsere Sinne gegenseitig beeinflussen. Später auftretende Reize orientieren sich demnach an vorangegangenen.

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Die Täuschung mit dem Namen "Kaninchen-Illusion" ("Illusory Rabbit") besteht aus einer Reihe von Pieptönen und Blitzen. Die audiovisuellen und visuellen Reize treten in weniger als 200 Millisekunden - also einer Fünftelsekunde - auf. Betrachter konzentrieren sich zuerst auf ein Kreuz in der Mitte des Bildschirms. Dann kommen ein kurzer Piepton und schneller Blitz fast gleichzeitig. Der Blitz erscheint auf der linken Seite des Bildschirms. Kurz darauf erklingt ein einzelner Signalton. Und nur 58 Millisekunden danach tritt nahezu gleichzeitig ein weiterer Signalton mit Blitz auf, welcher auf der rechten Seite des Bildschirms auftaucht.

Die Mehrheit der Probanden ist nach Angaben der Forscher davon überzeugt, dass mit den drei Pieptönen auch drei Blitze einhergehen. Allerdings spielt uns unser Gehirn hier einen Streich. "Nach dem letzten Signalton-Blitz-Paar geht das Gehirn davon aus, dass es beim einzelnen Signalton den damit verbundenen Blitz verpasst haben muss", erklärt Noelle Stiles, die Autorin der Studie. Die Voraussetzung dafür sei aber, dass wir den Scheinblitz an seinen wahrscheinlichen Ort rekonstruieren können.

Gehirn konstruiert aus Reizen Erfahrungen

Das Gehirn versucht, die Flut an Informationen zu verstehen und synthetisiert die Reize aus den beiden Sinnen. Es konstruiert daraus eine Erfahrung. Das Phänomen wird "postdiktive Verarbeitung" genannt. "Postdiktion mag geheimnisvoll klingen, aber das ist sie nicht. Man betrachtet, wie lange das Gehirn braucht, um vorausgehende visuelle Reize zu verarbeiten - und während welcher Zeit nachfolgende Reize aus einem anderen Sinn die ersten beeinflussen oder modulieren können", erklärt Shinsuke Shimojo, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler.

"Durch die Erforschung von Täuschungen können wir den Entscheidungsprozess des Gehirns untersuchen – beispielsweise wie es die Realität mit Informationen aus mehreren Sinnen bestimmt, die manchmal widersprüchlich sind", so Stiles. Dies könne unter anderem dabei helfen, Menschen mit geringer Sehkraft optimal zu trainieren. Übrigens: Die "Kaninchen-Illusion" hat ihren Namen daher, weil das Phänomen an Sprünge eines Kaninchen erinnert.

Quelle: n-tv.de, msc

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