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Umgang mit zappeligen Schülern Kinderärzte lehnen kiloschwere Weste ab

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Während die Einen im Zappelphillipp jemanden mit viel Energie sehen, vermuten Andere dahinter eine Krankheit.

(Foto: imago stock&people)

Nervöses Hin- und Hergerutsche auf dem Stuhl, ständig in Bewegung - das stört gerade im Schulunterricht. Eine Pädagogin will das Problem lösen, indem sie unruhigen Kinder eine schwere Sandweste überzieht. Kinderärzte sind mehr als skeptisch.

Kinderärzte möchten sogenannte Sandwesten bei Grundschülern nicht benutzen. Der therapeutische Nutzen der Sandwesten bei zappeligen und unkonzentrierten Schülern sei bisher nicht belegt, erklärte Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, in Köln. Zudem warnte er davor, unruhige Kinder dadurch "als Störenfriede oder gar als ADHS-Patienten zu stigmatisieren".

Im Dezember hatten Medienberichte über den Einsatz von Sandwesten an Grund- und Förderschulen für Wirbel gesorgt. Die Westen wiegen bis zu sechs Kilo und sollen zappelige und unkonzentrierte Grundschüler im Unterricht beruhigen. Sandwesten seien "kein Ersatz" für eine Therapie einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), erklärte Kahl. "Unruhige, unkonzentrierte Kinder brauchen eine gründliche Abklärung, jedoch nicht durch die Lehrerin."

Nicht jedes unruhige Kind leidet an ADHS

Etwa drei bis fünf Prozent eines Jahrgangs sind demnach ADHS-Patienten, die eine Therapie brauchen. Die vielen anderen Kinder, die sich nicht konzentrieren können oder den Unterricht stören, hätten Kahl zufolge meist einfach nicht gelernt, sich den Erfordernissen des Unterrichts anzupassen und eine bestimmte Zeit still zu sitzen. In vielen Schulen seien aber auch die Klassen zu groß, die Räume zu eng und überforderte Lehrer berücksichtigten die individuellen Bedürfnisse der Kinder nicht ausreichend.

"Unruhige Kinder als krank 'auszusortieren' und ihnen die Sandweste überzuziehen, löst diese Probleme nicht", warnte der Ärzteverband. Sinnvoller wäre es, die Kinder besser zu fördern, kleinere Klassen einzurichten und mehr Bewegung in den Unterricht zu integrieren.

Quelle: n-tv.de, ftö/afp

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