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Der verwirrte Professor Klischees über Hochbegabte sind verbreitet

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Bereits im Kindesalter müssen Hochbegabte mit Zuschreibungen leben.

imago/blickwinkel

Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, heißt es in einer Redewendung. Dass hochbegabte Menschen tatsächlich mit Klischees behaftet sind, beweist eine neue Untersuchung.

Sie gelten als etwas verwirrt, weltfremd und sozial schwierig: Hochbegabten werden viele Eigenschaften untergeschoben, obwohl bereits in mehreren einschlägigen Studien gezeigt werden konnte, dass Personen mit Hochbegabung nicht verrückter sind als der Rest der Menschheit. Um herauszubekommen, welche Stereotype die Deutschen über Hochbegabte haben, wie verbreitet sie sind und wovon es abhängt, welchem Stereotyp man anhängt, wurden erstmals mehr als 1000 erwachsene Deutsche dazu befragt.

In dem Fragebogen wurden neben den demografischen Daten: Alter, Geschlecht, Wohnort, Bildungsniveau, monatliches Nettoeinkommen, Familienstand und Größe des Haushalts auch nach der eigenen Intelligenz, die Gefühle, die das Wort "Hochbegabung" hervorrufen, das Interesse am Thema Hochbegabung und ob man selbst eine hochbegabte Person kennt, abgefragt.

Außerdem beantworteten die insgesamt 1029 Probanden im Alter zwischen 19 und 69 Jahren fünf Fragen zu Aspekten, die Hochbegabten zugeschrieben werden: 1. hohes intellektuelles Potenzial, 2. hohe Leistung, 3. generelle Überlegenheit, 4. Schwierigkeiten im sozialen Umgang, 5. emotionale Probleme. Die Probanden hatten die Aufgabe die Zuschreibungen auf einer fünfstufigen Skala von "stimme gar nicht zu" bis "stimme voll zu" einzuordnen.

Zwei Urteilstypen identifiziert

Mithilfe der Einordnungen der fünf Aspekte wurden die Probanden einer latenten Profilanalyse unterzogen. Sie ergab im Wesentlichen zwei Urteilstypen. Verbanden beide Typen Hochbegabung mit hohem intellektuellem Potenzial und hoher Leistungsfähigkeit, so schreibt nur ein Typus den Hochbegabten außerdem zu, dass sie schwierig im sozialen Umgang sind und emotionale Probleme haben. Dieser von den Forschern als disharmonisch bezeichnete Urteilstyp umfasste zwei Drittel aller Befragten. Der "harmonische" Urteilstyp hingegen, der Hochbegabte "nur" als intelligenter und leistungsstärker ansieht, zeigte sich bei einem Drittel der Befragten.

Ob jemand eher dem harmonischen oder dem disharmonischen Stereotyp anhängt, ist unabhängig davon, wie intelligent er oder sie sich selbst einschätzt. Zudem hat es keinen Einfluss, ob man selbst einen Hochbegabten kennt. Die weiterführende Analyse zeigt außerdem, dass Männer, Alleinerziehende, Arbeitslose, Menschen mit höherem Einkommen sowie Personen, bei denen der Begriff Hochbegabung negative Gefühle weckt, eher zum disharmonischen Klischee neigen.

"Die Effekte dieser Einflussfaktoren sind allerdings nicht sehr groß. Obwohl einige demografische und psychologische Prädiktoren identifiziert wurden, blieb viel Varianz unaufgeklärt. Das macht es notwendig, in zukünftigen Studien genauer zu untersuchen, wie sich die Stereotype entwickeln und was sie aufrecht erhält", resümiert die Psychologin Tanja Gabriele Baudson von der Universität Duisburg-Essen die Studienergebnisse.

Quelle: n-tv.de, jaz

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