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Heller Lichtschweif am Horizont Komet "Neowise" heute perfekt erkennbar

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Entdeckt wurde "Neowise" erst im März vom reaktivierten Weltraumteleskop namens "Wise".

(Foto: picture alliance/dpa)

Kometen ziehen des Öfteren an der Erde vorbei, meist sind sie aber nur mit Fernrohren zu sehen. Zum ersten Mal seit mehr als 5000 Jahren kommt "Neowise" unserem Planeten nun so nah, dass er mit bloßem Auge erkennbar ist. Sternengucker können sich an einem bekannten Sternbild orientieren.

Komet "C/2020 F3" (Neowise) ist in den vergangenen Tagen bereits tausendfach fotografiert und gefilmt worden. Die Bilder aus der ganzen Welt sind beeindruckend. Nun ist der Komet am 18. Juli unserer Erde am nächsten: Da der Himmel nach den bewölkten Nächten der vergangenen Tage aufklart, haben Sternengucker am Wochenende gute Chancen, "Neowise" mit bloßem Auge zu sehen. Der Himmelskörper soll heute Abend ab 23.30 Uhr statt in den frühen Morgenstunden für längere Zeit gut zu sehen sein.

Entdeckt wurde "Neowise" erst im März von dem reaktivierten Weltraumteleskop namens "Wise". Der Komet zieht alle 5000 bis 7000 Jahre an der Erde vorbei. Bis Ende Juli ist er noch mit dem bloßen Auge erkennbar. Die beste Zeit dafür ist der Abend, orientieren kann man sich dabei am Großen Bären, auch Großer Wagen genannt. Rechts der zwei Frontsterne findet man den Kometen. Zum Ende des Monats entfernt sich "C/2020 F3" wieder von der Erde und ist dann nur noch mit einem Fernglas sichtbar. Ab August verschwindet der Komet in den Tiefen unseres Sonnensystems.

Bereits in den vergangenen Tagen erschien der Komet gegen 3 Uhr morgens am nordnordöstlichen Sternenhimmel, bevor er von der aufgehenden Sonne überstrahlt wurde. Teilweise war er auch zwischen 22 und 5 Uhr morgens zu bestaunen. Er leuchtete so hell, dass er auch im Licht der Städte noch erkennbar war. Am 3. Juli war er mit 43 Millionen Kilometern der Sonne am nächsten.

So eine Annäherung an die Sonne ist auch immer mit der Gefahr verbunden, dass sich der Komet, der sich aus Eis, Staub und lockerem Gestein zusammensetzt, auflöst. Doch der Himmelskörper überlebte die Nähe und begeistert nun Hobby-Astronomen weltweit mit seinem Kometenschweif. Am 23. Juli wird "Neowise" unserem Planeten am nächsten sein. Dann beträgt seine Entfernung nur noch rund 103 Millionen Kilometer. Das entspricht ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne.

"Kometen sind immer ein bisschen unberechenbar"

Entfernungen im All werden in LD oder AE/AU gemessen. LD steht für die Entfernung zum Mond (Lunar Distance). Die Astronomische Einheit (AE) oder auch AU (Astronomical Unit) beschreibt die Distanz von der Erde zur Sonne.

  • Distanz Erde - Mond: etwa 384.400 Kilometer
  • Distanz Erde - Sonne: etwa 150 Millionen Kilometer
  • Distanz Erde - Mars: etwa 108 Millionen Kilometer

Wem Komet "Neowise" noch nicht nah genug ist, der muss sich gedulden - teilweise sogar ein paar Jahre lang. Bis auf ein Drittel der Distanz zum Mond nähert sich uns der "Mini-Asteroid" namens "2011 ES4" am 1. September. Der 22 bis 49 Meter große Himmelskörper kommt bis auf 123.000 Kilometer ran. Besser zu sehen sein könnte dann wohl eher "2001 WN5" (Durchmesser 600 bis 1300 Meter), der sich am 26. Juni 2028 bis auf 249.900 Kilometer der Erde nähert.

Asteroiden, Meteoroiden, Meteoriten, Kometen

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durch das Sonnensystem. Unterschieden werden sie vor allem anhand ihrer Zusammensetzung; ganz klar definiert ist der Unterschied jedoch nicht. ASTEROIDEN sind die kleineren Geschwister der Planeten, sie bestehen aus Gestein und Metallen. Weil sie klein und leicht sind, bleibt ihre Bahn um die Sonne nicht unbedingt konstant, sondern kann sich durch die Gravitationskräfte anderer Körper verändern. Für sehr kleine Objekte mit weniger als einigen Dutzend Metern Durchmesser wurde die Bezeichnung METEOROIDEN eingeführt. Verglühen sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht komplett, sondern erreichen noch den Boden, werden sie METEORITEN genannt. Jeden Tag gelangen viele Tonnen kosmischen Materials auf die Erde, allerdings zum größten Teil als Staub. KOMETEN oder Schweifsterne sind ebenfalls Überreste der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Eis, Staub und lockerem Gestein.

Fast zum Anfassen nah erscheint da "2004 MN4", auch "99942 Apophis" genannt, der sich in 38.400 Kilometern Höhe vorbeibewegt. Den 310 bis 680 Meter großen Asteroiden sollte man sich merken, denn danach dauert es Jahrzehnte, bis erneut ein Himmelskörper so nah an die Erde herankommt.

Im Unterschied zu Asteroiden - sie treffen die Erde nicht - schlagen Meteoriten immer mal wieder auf der Erde ein oder verglühen in der Erdatmosphäre. Sie sind dann als Feuerbälle am Himmel zu sehen und leuchten dort heller als alle Fixsterne oder Planeten. Boliden nennt man die größeren Varianten der Feuerbälle. Ein Einschlag auf die Erde könnte eine globale Katastrophe auslösen, von "Neowise" geht aber keine Gefahr für unseren Planeten aus.

Wie hell der leuchtende Punkt mit seinem Schweif bei seiner größten Annäherung an die Erde scheinen wird, ist noch unklar. "Kometen sind immer ein bisschen unberechenbar. Das müssen wir einfach abwarten", schätzt die Wissenschaftlerin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.

Quelle: ntv.de, lri

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