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Gene verraten Herkunft Kreuzfahrer-DNA überrascht Forscher

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Im Libanon sind die Spuren der Kreuzfahrer noch gegenwärtig.

(Foto: REUTERS)

Im Mittelalter zogen Hunderttausende Europäer in den Nahen Osten, um an den Kreuzzügen teilzunehmen. Im Libanon untersuchen Wissenschaftler ein Massengrab aus dieser Zeit und kommen zu erstaunlichen Schlüssen.

Die Armeen der Kreuzfahrer bestanden aus Menschen mit sehr unterschiedlicher Herkunft. Das belegt eine Studie von Wissenschaftlern aus Großbritannien. Belgien und dem Libanon, die im "American Journal of Human Genetics" veröffentlicht wurde.

Die Experten hatten Knochen aus einem Massengrab der libanesischen Hafenstadt Sidon untersucht. Die menschlichen Überreste stammten aus dem 13. Jahrhundert, als die Stadt ein Zentrum der Kreuzritter war. Die gewonnenen genetischen Daten wurden mit denen moderner Menschen und mit denen von Individuen aus der Antike und dem alten Rom verglichen.

Nachkommen früherer Kreuzfahrer

Alle neun Toten aus dem Massengrab in Sidon waren männlich, aber nur drei von ihnen stammten aus Westeuropa. Vier waren heutigen Libanesen genetisch sehr ähnlich, woraus die Wissenschaftler schlossen, dass sie aus der Gegend stammten. Besonders interessant war jedoch das genetische Material von zwei Individuen. Sie waren offenbar Nachkommen von europäischen und nahöstlichen Vorfahren.

Den Wissenschaftlern zufolge deutet dies darauf hin, dass sie die Nachkommen früherer Kreuzfahrer oder anderer Europäer gewesen sein könnten, die in die Gegend reisten, um dort Handel zu treiben und sich niederzulassen. Die Ergebnisse stützen sich auf eine Analyse der mitochondrialen DNA und der Y-Chromosomen der Männer.

Bei dem einen Mann stammte ein Elternteil mutmaßlich aus dem heutigen Libanon, der andere aus Europa. Bei dem anderen ist ein Elternteil genetisch heutigen Beduinen oder Saudis ähnlich, der andere ist nordspanisch oder baskisch, zitiert der britische "Guardian" Dr. Marc Haber vom Wellcome Sanger Institute in Cambridge. Haber ist einer der Autoren der Studie.

Die aktuellen Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass nach einer Schlacht entweder die Toten beider Seiten in einem Grab beerdigt wurden oder dass Menschen aus der Umgebung gemeinsam mit den europäischen Kreuzfahrern kämpften. Die Forscher tendieren zur zweiten Annahme.

Quelle: n-tv.de, sba