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Notre-Dame in 3D Laser-Scans machen Hoffnung

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In den Aufnahmen steht auch das zerstörte Chorgestühl wieder unversehrt an seinem Platz.

(Foto: REUTERS)

Andrew Tallon war Architekturhistoriker, er starb im vergangenen Jahr. Doch er hinterließ eine wissenschaftliche Arbeit, die nun den Wiedererbauern der Kathedrale Notre-Dame erheblich weiterhelfen könnte: Laser-Scans, die die gesamte Kirche bis ins kleinste Detail zeigen.

Beim geplanten Wiederaufbau der vom Feuer schwer geschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame könnten Laser-Scans eine entscheidende Rolle spielen, die bereits vor Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken erstellt wurden. Der Kunsthistoriker Andrew Tallon hatte die gesamte Kirche 2010 zusammen mit dem Kolumbianer Paul Blaer mit moderner Lasertechnik "kartografiert", um zu verstehen, wie die mittelalterlichen Baumeister den Kirchenbau erdacht hatten.

Tallon war im vergangenen Jahr 49-jährig an einem Hirntumor gestorben. Er hinterließ riesige Datenmengen, die er zur Erstellung von 3D-Modellen genutzt hatte. Er hatte die im Mittelalter erbaute Kirche mit einem Leica-Laserscanner von mehr als 50 verschiedenen Standorten aus gescannt und mehr als eine Milliarde Datenpunkte gesammelt. Dabei wurde das Bauwerk auf fünf Millimeter genau vermessen. Die Kathedrale war von 1163 bis 1345 in vier Bauphasen errichtet worden. Es gibt auch schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit.

Der Architekturhistoriker Tallon sagte zu seiner Motivation in einer "National-Geographic-Documentation": "Wenn Sie an mittelalterlichen Gebäuden arbeiten, ist es schwer, etwas Neues darüber zu sagen. Sie wurden schon seit Ewigkeiten angeschaut und beschrieben." Deshalb habe er sich für den Einsatz moderner Technologie entschieden, um den Gebäuden neue Antworten zu entlocken. Das war nicht einfach, denn Tallons Messungen sollten weder Touristen noch Gottesdienste stören.

"Hilfreich beim Wiederaufbau"

Die von Tallon und Blaer gesammelten Daten könnten nun beim Wiederaufbau helfen. Denn unabhängig von den Brandschäden in der Kirche gibt es die vollständige digitale Rekonstruktion, die jedes Detail enthält. Dem US-Magazin "The Atlantic" sagte Blaer, er habe beim Anblick der brennenden Kathedrale zwei Gedanken gleichzeitig gehabt: "Ein Gedanke war, dass ich erleichtert war, dass Tallon das nicht sehen musste. Aber andererseits kannte er die Kirche so gut und hatte so viele Informationen darüber, wie sie aufgebaut ist. Er wäre so hilfreich für den Wiederaufbau gewesen."

*Datenschutz

Schon in einer Dokumentation aus dem Jahr 2015 berichtete Tallon, dass man in den Scans die winzigen Abweichungen von senkrechten Linien und rechten Winkeln sehen könne, die am Ende das Geheimnis eines so beeindruckenden Sakralbaus seien. Blaer schätzt, dass die Scans und Panoramabilder eine Datenmenge von ungefähr einem Terrabyte umfassen.

Wo genau die Daten jetzt sind, ist allerdings unklar. Vermutlich hatte Tallon, der Kunstprofessor am Vassar College im US-Bundesstaat New York war, sie auf seinem Rechner. John Ochsendorf vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der mit Tallon bei der Auswertung der Daten zusammenarbeitete, vermutet, dass Tallons Witwe die Daten zusammen mit seinem Nachlass aufbewahrt hat. Für die französischen Behörden könnte der Wiederaufbau von Notre-Dame deshalb damit beginnen, die Laserscans von Tallon aufzuspüren. Damit sind sie dem verstorbenen Professor dann auch wieder ganz nahe, denn der sagte über seine Arbeit: "Für mich ist es Detektivarbeit, ich schaue auf diese gewaltige Steinmenge und versuche herauszufinden: Wie haben sie das gemacht?"

Quelle: n-tv.de

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