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Forscher stoßen auf bizarre Art Lebendgebärende Echse legt auch Eier

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Saiphos equalis heißt die Echsenart, die sowohl Eier legen als auch Jungtiere gebären kann.

(Foto: Nadav, Pezaro)

In Australien gibt es eine Echsenart, die sowohl Nachwuchs gebären als auch Eier legen kann. Diese außergewöhnliche Entdeckung wollen sich Forscher jetzt genauer ansehen - auch im Hinblick auf mögliche Umwelteinflüsse.

Eier legen oder den Nachwuchs gebären - Wirbeltiere können in der Regel nur das eine oder das andere. Bei einer in Australien lebenden Echsenart gibt es sowohl Populationen, die Eier legen als auch solche, die ihre Jungen ausgereift zur Welt bringen.

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Saiphos equalis, erwachsenes Tier: Eine Studie beschäftigt sich auch mit den Umwelteinflüssen, die bei der Geburt der Nachkommen eine Rolle spielen.

(Foto: Nadav, Pezaro, Haifa University/dpa)

Als wäre das noch nicht erstaunlich genug, beobachteten Forscher nun ein Weibchen der Skink-Art Saiphos equalis, das zunächst zwei Eier legte und einige Wochen später ein Junges lebend gebar. Dieses gehörte somit zur gleichen Brut wie seine einige Tage zuvor geschlüpften Geschwister. Es sei das erste Mal, dass so etwas bei einem Wirbeltier beobachtet worden sei, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Biology Letters".

Seinen Nachwuchs lebend auf die Welt zu bringen ist ein Prinzip, das sich im Verlauf der Evolution aus dem Eierlegen heraus entwickelt hat. Bei Schuppenkriechtieren, zu denen die Skinke gehören, sei das mindestens 115 Mal geschehen, schreibt das Team um Camilla Whittington von der University of Sydney.

Der Übergang von einer Fortpflanzungsweise zur anderen gehe mit zahlreichen körperlichen Veränderungen einher. So gingen etwa die Strukturen zur Bildung der Eischale verloren, der gesamte Fortpflanzungsapparat und die zeitlichen Abläufe der Schwangerschaft veränderten sich.

Fortpflanzungsart ist regional unterschiedlich

Bei Saiphos equalis scheint der Umbau von einer Fortpflanzungsart zur anderen gerade im Gange zu sein. Wie die Art ihren Nachwuchs zur Welt bringt, ist auch je nach Region unterschiedlich: In höher gelegenen Regionen ihres Verbreitungsgebietes gebären die Tiere lebend, in den Küstenregionen legen sie Eier, berichten die Wissenschaftler. Für genetische Untersuchungen hatten sie im Freiland weibliche Vertreter beider Fortpflanzungsarten eingesammelt und in ihr Labor gebracht.

Zufällig beobachteten sie, dass eines der eigentlich lebendgebärenden Weibchen drei Eier legte. Eines entnahmen die Forscher für Untersuchungen der Eischale, die beiden anderen wurden bebrütet. Aus einem schlüpfte schließlich 37 Tage nach der Eiablage ein Jungtier. Einige Tage später gebar das Weibchen dann ein Jungtier lebend - es war anders als seine Geschwister im Mutterleib herangereift.

"Dieses Baby zu sehen war ein sehr aufregender Moment", beschreibt Whittington. Es sei eine wirklich ungewöhnliche Entdeckung, die die Tiere zu einer der wohl bizarrsten Echsen weltweit mache.

Auch die lebend geborenen Jungtiere kommen umhüllt von einer transparenten Eihaut zur Welt. Die Forscher analysierten und verglichen Eihäute und Eierschalen und kommen zu dem Schluss, dass die Eihäute von denselben Bereichen im Inneren des Muttertieres gebildet werden wie die Eierschalen.

Eine erste These der Forscher deutet auf wichtige Überlebensvorteile der dual gebärenden Echsen hin: Die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Fortpflanzungsarten wechseln zu können, könnte den Tieren vielleicht helfen, heißt es, auf unterschiedliche Umweltbedingungen zu reagieren. Das müsse nun weiter untersucht werden.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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