Wissen

Begehrte Auszeichnung Liverpool verliert Status als Weltkulturerbe

248950883.jpg

Die historischen Hafenanlagen in Liverpool waren 2004 in die Welterbeliste aufgenommen worden.

(Foto: picture alliance / empics)

Die historischen Hafenanlagen von Liverpool sind seit 2004 als Welterbe gelistet. Vor knapp zehn Jahren wurde das Areal allerdings wegen reger Bautätigkeiten als gefährdete Stätte eingestuft. Nun fällt der begehrte Titel komplett weg. Das passiert erst zum dritten Mal in der Geschichte der UNESCO.

Die UNESCO entzieht Liverpool als maritime Handelsstadt die Auszeichnung als Weltkulturerbe. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation traf die Entscheidung auf seiner laufenden 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou. Es geschah erst zum dritten Mal in der Geschichte der Welterbekonvention von 1972, dass einer Kultur- oder Naturstätte der angesehene Titel entzogen wurde.

Das Komitee sieht den universellen Wert der Hafenstadt durch zahlreiche Bauprojekte beschädigt. Sechs Orte im historischen Zentrum und dem Hafengebiet Liverpools waren seit 2004 auf der Welterbeliste eingetragen. Sie zeugen von der Entwicklung der Stadt als eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt im 18. und 19. Jahrhundert. Liverpool war wegweisend in der Entwicklung moderner Docktechnik, Transportsysteme und des Hafenmanagements. Die Stadt spielte eine große Rolle bei der Entwicklung des britischen Weltreichs.

Doch war der Welterbestatus seit 2012 "wegen substanzieller Eingriffe" im Rahmen des Bauprojekts "Liverpool Waters" gefährdet. Am Ende führte Liverpools Verzicht auf Änderungen an der Planung und neue Infrastrukturprojekte im historischen Hafengebiet sowie der bereits genehmigte Bau eines Fußballstadions am Bramley-Moore-Dock zur Aberkennung des Titels, wie die UN-Organisation mitteilte. In einem UNESCO-Dokument heißt es, Liverpool habe längst seinen Charakter verloren, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe.

Dresdner Elbtal ebenfalls titellos

Entgegen ersten Erwartungen wurde dem Wildreservat Selous in Tansania, in dem ein Damm gebaut werden soll, nicht der Status als Welterbe entzogen. Allerdings bleibt es auf der Liste bedrohter Stätten. Zuletzt hatte 2009 das Dresdner Elbtal wegen der Errichtung der Waldschlösschenbrücke den Titel als Welterbe verloren. Die erste Streichung gab es 2007 für Oman wegen der Verkleinerung des Wildschutzgebiets für die seltenen Arabischen Oryx-Antilopen.

Auf der Welterbeliste stehen aktuell 1120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet 46 Welterbestätten. Auf der Tagung sind unter den rund 40 Nominierungen für neue Welterbestätten auch fünf Bewerbungen mit deutscher Beteiligung: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt, das jüdische Kulturerbe in Mainz, Speyer und Worms, die Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen als Teil bedeutender historischer Bäder in Europa sowie die römischen Grenzwälle Donaulimes und Niedergermanischer Limes. Über diese Anträge soll vom kommenden Wochenende an beraten werden.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.