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CO2 direkt ins Gewächshaus Luftsauger soll Erderwärmung aufhalten

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Vom Dach der Müllverwertungsanlage aus kann man die riesigen Gewächshäuser sehen.

Julia Dunlop/Climeworks

Kohlendioxid gilt als Klimakiller Nummer eins. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. In der richtigen Dosis kann das Gas wie Dünger auf Pflanzen wirken. Umso besser, wenn es aus der Luft gewonnen wird, wie bei einem Pilotprojekt in der Schweiz.

Die energieeffiziente Verbindung zwischen Fischaufzucht und Gemüseanbau wird bereits seit einigen Jahren als sogenanntes Aquaponic praktiziert und weiterentwickelt. Ein Pilotprojekt im schweizerischen Hinwil in der Nähe von Zürich könnte der Startschuss für eine neue Art und Weise des Gemüseanbaus mit gleichzeitigem Abbau des klimaschädlichen Kohlendioxids sein.

Die ursprüngliche Idee vor neun Jahren war, CO2 aus der Umgebungsluft zu filtern und damit das Pflanzenwachstum in Gewächshäusern anzukurbeln. Mit der Inbetriebnahme der ersten kommerziellen Anlage auf dem Dach der Müllverwertungsanlage des Zweckverbands Kehrichtverwertung Zürcher Oberland könnte sie nun zur Realität geworden sein. Direct-Air-Capture, kurz DAC, nennt sich das Verfahren, mit dem bis zu 900 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus der Luft gefiltert und als Rohstoff in Gewächshäusern zur Verfügung gestellt werden sollen.

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Gebaut wurde die Anlage auf dem Dach der Müllverwertungsanlage in Hinwil von Climeworks, einem Maschinenbauunternehmen, das die beiden Ingenieure Christoph Gebald und Jan Wurzbacher bereits als Studenten erdachten und schließlich 2009 ins Leben riefen. Heute gehören mehr als 40 Experten zu Climeworks, die Anlagen zur CO2-Gewinnung aus der Luft entwickelnd und verkaufen. Ziel der Firma ist es, mit ihren Produkten bis 2025 ein Prozent der globalen CO2-Emissionen aus der Luft zu filtern. Dafür wären allerdings 250.000 Anlagen wie die in Hinwil nötig.

Wirklich rentabel?

Die Climeworks-Anlagen saugen die Umgebungsluft an und filtern das Kohlendioxid mittels chemischer Bindemittel heraus. Da die Konzentration von Kohlendioxid in der Umgebungsluft gering ist, müssen sehr große Luftmassen gefiltert werden – und das kostet Energie. Wegen der Frage nach der Effektivität ist das Verfahren bisher umstritten. Die Mitarbeiter von Climeworks wollen mit ihrer Anlage, die erst vor einigen Tagen den Betrieb aufgenommen hat, beweisen, dass sich das Direct-Air-Capture nicht nur lohnt, sondern tatsächlich auch umweltschonend ist.

Damit dieses Ziel erreicht wird, muss die Anlage ununterbrochen arbeiten. Dafür sind die CO2-Kollektoren so eingestellt, dass sie stets in unterschiedlichen Arbeitsphasen sind. Ist ein Filter mit Kohlendioxid gesättigt, wird er auf 100 Grad Celsius erhitzt. So wird das gebundene CO2 wieder freigesetzt und kann dementsprechend weiterverwendet werden. Die Energie für den Betrieb der Umgebungsluftpumpen und der Erwärmung der Filter speist die Anlage in Hinwil zu 80 Prozent aus der Abwärme der Müllverwertungsanlage, auf dessen Dach sie montiert ist.

Die drei Schiffscontainer, in denen die 18 Kollektoren verbaut sind, stehen nur rund 400 Meter von den Gewächshäusern der Brüder Meier entfernt. In diese wird das hochreine CO2 mittels Leitungen direkt eingeleitet. "Die Nutzung von CO2 aus der lokalen Umgebungsluft passt zu unseren nachhaltigen Produktionsgrundsätzen und unterstützt die Vermarktung unserer Produkte", sagt Fritz Meier, der für die Gewächshausproduktion zuständig ist. Das Wachstum von Gurken oder Tomaten, die das Unternehmen für den schweizerischen Großhandel anbaut, kann dadurch um zirka 20 Prozent gesteigert werden. Bisher musste dafür ein Lastkraftwagen anrollen und den CO2-Tank auffüllen. In Zukunft will die Meier AG 900 Tonnen des Gases zu marktüblichen Preisen von Climeworks abkaufen. Das entspricht ungefähr den CO2-Emissionen von 200 Autos.

"Hoch skalierbare negative Emissionstechnologien sind zum Erreichen des 2-Grad-Ziels der Weltgemeinschaft unerlässlich", betont Christoph Gebald,Gründer und Geschäftsführer bei Climeworks. "Die DAC-Technologie bietet hierfür unzählige Vorteile und ist in Kombination mit unterirdischer Speicherung bestens geeignet."

Quelle: n-tv.de, jaz

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