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Sauberes Wasser aus der Luft Maschine soll Durst der Welt lindern

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Dieser Generator von Watergen soll 800 Liter Trinkwasser pro Tag zur Verfügung stellen können.

(Foto: Watergen)

Ein Großteil der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Ein israelisches Startup hat eine Technologie entwickelt, welche das Problem auf simple Weise lösen könnte. Es müssen keine Brunnen gebohrt oder Leitungen verlegt werden - eine Maschine holt das Wasser schlicht aus Luft.

Zu den globalen Herausforderungen der Menschheit gehört momentan der Klimawandel. Seine negativen Auswirkungen sind in verschiedenen Regionen der Erde bereits zu spüren. Besonders in Entwicklungsländern in Asien und Subsahara-Afrika lässt er Wasserquellen austrocknen. In Zeiten einer wachsenden Erdbevölkerung ist das "blaue Gold" zu einer endlichen Ressource geworden. Vor allem, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, sind Konflikte programmiert.

Laut Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, haben 2,1 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die verheerenden Folgen wie mangelnde Hygiene und die daraus folgenden Krankheiten gehören zu den weltweit häufigsten Todesursachen. Die Jüngsten sind davon am stärksten betroffen, denn jährlich sterben knapp 400.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen. Staaten mit heißem und trockenem Klima droht eine Wasserknappheit - dabei ist fast überall auf der Erde Wasser in der Luft enthalten.

Das israelische Startup Watergen hat daher einen Generator entwickelt, der Trinkwasser auf neue Art und Weise gewinnt - aus der Luft. "Wir können der Atmosphäre Wasser entziehen, indem die Maschine - ähnlich wie eine Klimaanlage - die Luft ansaugt und zur Taupunkttemperatur abkühlt," sagt Firmengründer Arye Kohavi. Die Geräte sind etwa zweieinhalb Meter hohe wie breite und knapp 3000 Kilogramm schwere Maschinen, die ständig optimiert werden, um sie an verschiedene und sich verändernde klimatische Bedingungen anzupassen.

Durch ihre patentierte Technologie wird das Trinkwasser energieeffizient und kostengünstig hergestellt - und soll ganze Ortschaften versorgen. Laut Kohavi produziert Watergen sauberes Trinkwasser für nur zwei bis vier Cent pro Liter. In Indien, wo eine Flasche Wasser 15 Rupien kostet, ist das aus Luft hergestellte Wasser für nur 1,5 Rupien erhältlich.

Bis zu 5000 Liter am Tag

Ein interner Filter reinigt die Luft von Staub und Schmutz und leitet sie danach durch den Wärmeaustausch- und Kühlprozess der Maschine, wo das Wasser dann kondensiert. Das Wasser wird dann erneut gefiltert, um Verunreinigungen zu entfernen und Mineralien hinzuzufügen, was es zu frischem Trinkwasser macht. "Bei diesem Verfahren zirkuliert das Wasser kontinuierlich in einem eingebauten Reservoir, um seine Frische zu bewahren," erzählt Kohavi.

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In Entwicklungsländern Afrikas und Asiens ist sauberes Wasser ein knappes Gut.

(Foto: Watergen)

Den Wassergenerator gibt es in drei verschiedenen Größen: "Der Großgenerator kann täglich bis zu 5000 Liter sauberes Wasser produzieren, die mittelgroße Version 800 Liter und der kleine Dynamo für zu Hause oder das Büro 30 Liter. All dies benötigt keinen großen logistischen Aufwand, lediglich einen Stromanschluss", so Kohavi. Die Geräte laufen auch mit Batterie- oder Solarstrom.

Das im Industriegebiet bei Tel Aviv ansässige Unternehmen Watergen wurde von Kohavi im Jahr 2009 gegründet. Ursprünglich wollte er die israelischen Streitkräfte mit leicht zugänglichem Wasser versorgen und verkaufte auch Maschinen an verbündete Militärs. Seitdem die Firma vor vier Jahren durch den israelischen Geschäftsmann Michael Mirilashvili übernommen wurde, fokussiert sie sich ausschließlich auf die Zivilbevölkerung. Seit Januar 2019 arbeitet das bereits mehrfach für Innovation international ausgezeichnete Startup mit dem Roten Kreuz zusammen, um ein neues Notfallfahrzeug zu entwickeln, mit dem auch schwer zugängliche Katastrophengebiete mit frischem Wasser versorgt werden können.

"Es gibt überall Feuchtigkeit"

Der Prozess, bei dem Luft in Wasser umgewandelt wird, ist nicht neu. Seit Jahren haben Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Unternehmen bereits entsprechende Technologien entwickelt. "Atmosphäre ist überall, also gibt es überall Feuchtigkeit," sagt David Broday von der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen des Technion in Haifa. Tatsächlich besitzt die Atmosphäre ein gewaltiges Reservoir von 13.000 Kubikkilometern Süßwasser, davon 98 Prozent aus Luftfeuchtigkeit. "Dies ist eine signifikante Trinkwasserquelle, die an jedem Ort der Erde angezapft werden kann."

Mit seinem Team forscht auch Broday an neuen Methoden zur Trinkwassergewinnung. "Die Menge an Luftfeuchtigkeit gleicht dem Bestand an flüssigem Wasser unserer Erde. Dies sind riesige Kontingente, die jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung stehen." Auch in Gebieten, wo Dürre und Trockenheit herrschten.

Für die Generatoren von Watergen gilt: Je feuchter und heißer die Umgebung, desto größer die Wasserausbeute. Das prädestiniert die Maschinen für den Einsatz in Lateinamerika, Südostasien oder Indien, wo bereits Kooperationsverträge abgeschlossen wurden. Nach einer Sitzung im Hauptquartier der Vereinten Nationen zur Süßwasserkrise im Tschad-Becken hat das israelische Startup jetzt auch seinen Fokus auf Afrika verstärkt. Der Tschadsee ist die wichtigste Trinkwasserquelle für Millionen von Menschen im Tschad, in Kamerun, Niger und Nigeria.

Fabrik könnte in Nigeria entstehen

"Ich bin Fan dieser Technologie, denn sie kann in großem Umfang eingesetzt werden," sagt Miroslav Polzer, Leiter der Internationalen Vereinigung zur Förderung innovativer Ansätze für globale Herausforderungen (GloCha). Die Organisation des UN-Wirtschafts- und Sozialrats, die globale finanzielle Ressourcen und Technologien zur Lösung von Problemen in Entwicklungsländern einsetzt, kam mit Watergen 2018 in Kontakt.

Polzer sorgte dafür, dass wohltätige Organisationen Geräte für die westafrikanische Region erwarben. "Dort werden wir mit den Universitäten über Wirtschaftlichkeit, Unterhaltsbedarf und Einkommensmöglichkeiten forschen," sagt er. Polzer hofft, dass die Israelis in Nigeria eine Fabrik errichten werden, um Entwicklungshilfe zu leisten und Arbeitsplätze in dieser Gegend zu schaffen.

Während sich die Technologie auf die Bekämpfung der globalen Wasserknappheit konzentriert, hat das Unternehmen eine der energieeffizientesten atmosphärischen Wasserproduktionssysteme der Welt geschaffen. "Zwei Drittel der Welt haben Trinkwasserprobleme", sagt Kohavi. "Das Projekt ist von unschätzbarem Wert und könnte den Frieden zwischen den Menschen aufrechterhalten." Obwohl die Innovation von Watergen nicht allein die globale Lösung für die Wasserkrise bewerkstelligen kann, bleibt er optimistisch. "Jede Region auf diesem Planeten hat das Recht auf sauberes Wasser."

Quelle: ntv.de