Wissen

Vater der Reagenzglas-Babys Medizin-Nobelpreis für Edwards

2010-10-04T093433Z_01_CLH100_RTRMDNP_3_NOBEL-MEDICINE.JPG2136929436522928138.jpg

Seine Arbeit wird geehrt: Robert Geoffrey Edwards.

(Foto: Reuters)

Ruhm zu erlangen, war nach Angaben von Kollegen nie sein Ziel. Robert Edwards wollte Paaren helfen, Kinder zu zeugen. Für seine Entwicklung der künstlichen Befruchtung wird er nun mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Pionier der künstlichen Befruchtung, den britischen Forscher Robert Geoffrey Edwards. Seine Forschungen seien ein "Meilenstein in der Entwicklung der modernen Medizin", teilt das Nobelkomitee des Karolinska-Instituts in Stockholm mit. Der 85-jährige Physiologe hatte mit dem verstorbenen britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation entwickelt.

Gegen den Widerstand des Establishments

Ihnen gelang die erste künstliche Befruchtung einer Frau: 1978 wurde das erste "Retortenbaby" Louise Joy Brown geboren. Edwards Forschungen hätten die Behandlung der Unfruchtbarkeit möglich gemacht - ein Zustand, "der einen großen Teil der Menschheit trifft, darunter mehr als zehn Prozent aller Paare weltweit", sagt das Nobel-Komitee zur Begründung. Bis heute verdankten rund vier Millionen Menschen ihr Leben der künstlichen Befruchtung. Viele seien inzwischen erwachsen und hätten selbst Kinder. Dank der grundlegenden Forschungen des britischen Wissenschaftlers - von der ersten Idee zur Zeugung eines Embryos im Reagenzglas in den 1950er Jahren bis zur Therapie - sei ein ganz neues Gebiet der Medizin entstanden. "Edwards hat mit seiner Arbeit eine monumentale Herausforderung bewältigt. Er musste auch starken Widerstand des Establishments überwinden", sagte Christer Höög vom Nobel-Komitee.

Das Nobelkomitee vergibt die Auszeichnung an "denjenigen, der die wichtigsten Entdeckungen in der Domäne der Physiologie oder Medizin gemacht hat". Der Preis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert.

"Wir haben Grenzen verschoben"

Der Leiter der britischen Bourn Hall Clinic, Mike Macnamee, hat die Auszeichnung von Klinikgründer Robert Edwards mit großer Freude aufgenommen. Er sei "wirklich erfreut", dass die Arbeit auf diese Weise anerkannt werde. "Edwards ist unser größter Wissenschaftler, seine inspirierende Arbeit in den frühen 60er Jahren hat zu einem Durchbruch geführt, der das Leben von Millionen von Menschen in aller Welt ermöglicht hat", sagte Macnamee.

Edwards ist gesundheitlich angeschlagen und kann keine Interviews mehr geben. Laut Macnamee ist einer seiner Wahlsprüche: "Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als ein eigenes Kind." Das Ziel des Forschers sei es nie gewesen, Ruhm zu erlangen. "Er wollte einfach Paaren helfen, Kinder zu zeugen", sagte Macnamee. "Als ich dem Team von Steptoe und Edwards in den 1980er Jahren beigetreten bin, haben wir Grenzen verschoben."

Quelle: ntv.de, AFP/dpa