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Erstmals seit 13 Jahren sichtbar Mini-Planet Merkur schiebt sich vor Sonne

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Von der Erde aus ist der Merkur nur als kleiner schwarzer Punkt vor der Sonne wahrzunehmen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kosmische Rarität: Nach mehr als einem Jahrzehnt bekommt die Sonne wieder Besuch vom Planeten Merkur. Der von Europa aus sichtbare Transit dauert mehr als sieben Stunden. Bei der Beobachtung ist jedoch größte Vorsicht geboten.

Es ist ein seltenes kosmisches Ereignis: Am kommenden Montag, 9. Mai, wird der kleinste Planet des Sonnensystems vor dem Zentralgestirn vorbeiziehen - jedenfalls aus Sicht des Beobachters in Europa. Es handelt sich um einen sogenannten Merkur-Transit, der nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert vorkommt. Und von Deutschland aus war das Ereignis das letzte mal vor fast genau 13 Jahren zu beobachten.

Was ist ein Merkur-Transit? Das Phänomen ähnelt einer Sonnenfinsternis. Bei dieser schiebt sich der Mond genau zwischen die Sichtachse von Erde und Sonne. Aus unserer Sicht verdeckt der Mond die Sonne und verdunkelt sie - teilweise sogar komplett. Bei einem Merkur-Transit ist es ähnlich: Der kleine Planet schiebt sich ebenfalls in die Sichtachse zwischen Erde und Sonne. Allerdings ist er viel weiter von der Erde entfernt als der Mond und daher nur als kleiner schwarzer Punkt vor der Sonne wahrzunehmen.

Wie kommt es zu diesem Phänomen? Von der Erde aus gibt es nur zwei Planeten, die einen Transit vollziehen können. Zum einen die Venus, zum anderen der Merkur. Das liegt daran, dass beide Planeten die Sonne in noch engeren Bahnen umkreisen als die Erde. Der Merkur benötigt nur 88 Tage für einen Umlauf um die Sonne, die Erde wird von ihm also mehrmals im Jahr "innen überholt". Allerdings ist die Umlaufbahn des Merkur gegenüber der der Erde etwas geneigt. Ein Transit kann nur beobachtet werden, wenn das "Überholen" in der Nähe einer der beiden Schnittstellen der Planetenbahnen stattfindet. Bei der Venus tritt dies übrigens noch wesentlich seltener ein: Der letzte Durchgang der Venus vor der Sonne war zwar vor gerade mal vier Jahren zu sehen - der nächsten wird aber erst wieder im Jahr 2117 zu sehen sein. Den nächsten Merkur-Transit hingegen findet bereits 2019 statt. Übrigens kommt es ab und zu auch mal vor, dass Venus und Merkur gemeinsam einen Transit vollführen. Allerdings lohnt es sich nicht, darauf zu warten: Das nächste Mal soll es im Jahr 69.163 soweit sein.

Ist der Transit mit dem bloßen Auge sichtbar? Hier ist allergrößte Vorsicht geboten: Um das kleine Merkur-Scheibchen vor der gleißend hellen Sonnenscheibe zu sehen, ist ein besonders ausgerüstetes Teleskop vonnöten. Eine Sonnenfinsternis-Brille reicht nicht aus, da der schwarze Merkur-Punkt zu winzig ist. Auf keinen Fall sollten Astronomiefans durch ein Fernglas ohne Spezialfilter auf die Sonne blicken - das sofortige Erblinden wäre die Folge. Astronomen raten daher, das Ereignis unter Anleitung von Experten zu verfolgen. Gelegenheit dazu bietet sich am Montag reichlich: Bundesweit bieten zahlreiche Volkssternwarten und wissenschaftliche Institute den Sternfreunden Gelegenheit, das Himmelsschauspiel gefahrlos an ihren optischen Geräten zu erleben.

Wie lange wird der Transit andauern? Siebeneinhalb Stunden dauert das Ereignis. Mit kleinen zeitlichen Abweichungen je nach Beobachtungsstandort beginnt der Merkur-Transit um 13.12 Uhr und endet um 20.42 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

Was ist der Merkur eigentlich für ein Planet? Merkur ist der kleinste Planet im Sonnensystem und mit einem Durchmesser von 4880 Kilometern nur etwas größer als der Mond. Zudem ist er der heißeste Planet: Der kraterübersäte Merkur ist im Mittel nur knapp 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und die Temperaturen auf seiner Oberfläche schwanken zwischen plus 427 und minus 173 Grad Celsius. Die Erde hingegen ist bereits 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, was auch zu angenehmeren Temperaturen führt.

Haben bereits Raumsonden den Merkur besucht? Zuletzt hatte die Nasa-Sonde "Messenger" den Merkur besucht und erforscht - als erste Mission seit mehr als 30 Jahren. Sie entdeckte unerwartet starken Vulkanismus, einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Oberfläche und Hinweise auf Wasser. Im Frühjahr 2015 wurde die Messenger-Mission mit einem spektakulären Absturz auf den Planeten beendet. Für das Jahr 2017 ist der Start der europäisch-japanischen Raumsonde BepiColombo geplant. Sie soll zum Merkur reisen und sein Magnetfeld sowie seine geologische Zusammensetzung erforschen.

Quelle: n-tv.de

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