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"Es war ein bisschen Glück" Mögliches Mittel gegen Killer-Qualle entdeckt

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Hat genug Gift, um 60 Menschen zu töten: Chironex fleckeri.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Sie gilt als eines der giftigsten Tiere der Welt: die australische Würfelqualle. Ihr Stich kann in wenigen Minuten zum Tod führen. Ein Gegenmittel war bisher nicht bekannt. Forscher aus Australien könnten dabei jedoch einen Durchbruch erzielt haben.

Oft treibt die australische Würfelqualle bei ruhiger See im flachen Wasser vor Australiens Stränden. Kommt dort ein Schwimmer mit ihren bis zu drei Meter langen Tentakeln in Berührung, empfindet er auf der Stelle höllische Schmerzen. Ist der Kontakt massiv, kann innerhalb von Minuten der Tod eintreten. Ein einziges Tier der Art Chironex fleckeri enthält genug Gift, um bis zu 60 Menschen zu töten.

Ein wirksames Gegenmittel gegen das schnell wirkende Gift gab es bisher nicht. Denn kaum etwas war darüber bekannt, wie die toxische Substanz menschliche Zellen angreift und in sie eindringt. Doch Forscher der Universität von Sydney wollen dem Geheimnis auf die Spur gekommen sein - was den Weg zu einer Heilung eröffnen könnte.

Bei ihren Untersuchungen hat das Team um den Genetiker Greg Neely lebende Exemplare der Chironex fleckeri in den Gewässern Nordaustraliens gefangen, die Art, welche für die meisten Todesfälle verantwortlich ist. Sie extrahierten das Gift aus den Nesselzellen und vermischten es mit Millionen menschlicher Zellen. Der Clou: Bei den Tests fehlten jeweils unterschiedliche Gene im Erbgut der Zellen. Die Forscher hatten diese mit der Genschere CRISPR-Cas9 ausgeschaltet und so fast 20.000 Variationen hergestellt.

Die Wissenschaftler vom Charles Perkins Center warteten nun, welche Zellen von dem Gift befallen wurden und welche überlebten. Bei Letzteren wurde das Erbgut analysiert, um herauszufinden, welche genetischen Besonderheiten diese aufwiesen, wie die Forscher im Magazin "Nature Communications" schreiben. Schließlich führte sie dies zu zwei bereits existierenden Medikamenten, die einen ähnlichen Effekt haben wie die fehlenden Gene.

An lebenden Mäusen getestet

Das Ergebnis: Die Medikamente konnten das Quallengift bei den menschlichen Zellen in Schach halten. Schließlich wurde auch lebenden Mäusen das Gift injiziert, bevor sie ebenfalls mit einem der Medikamente behandelt wurden. Es zeigte sich, dass die Dosis ausreichte, um die Mäuse für 15 Minuten vor Wirkungen des Gifts wie Schmerzen und Narben zu schützen.

"Es war ein bisschen Glück, dass das funktioniert hat", sagt Neely gegenüber dem Magazin "Sience". Der Forscher und seine Kollegen waren erstaunt, dass ein einziges Medikament gegen das tödliche Quallengift hilft, welches selbst hochkomplex ist und aus mehr als 250 Proteinen besteht. Unklar ist noch, ob das Medikament die Zellen schützt oder das Gift der Qualle direkt neutralisiert.

Obwohl die Tests bisher nur unter Laborbedingungen erfolgreich waren, glaubt Neely, dass das Medikament auch bei Quallen-Attacken unter realen Bedingungen helfen kann. Er hofft, das Medikament in Zukunft auch an Menschen testen zu können. Der Vorteil daran: Das Mittel ist günstig und bereits auf dem Markt erhältlich.

Quelle: ntv.de