Wissen
Gluten, Histamin, Fructose, Lactose: Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es nicht ganz leicht, den richtigen Auslöser zu finden.
Gluten, Histamin, Fructose, Lactose: Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es nicht ganz leicht, den richtigen Auslöser zu finden.(Foto: dpa-tmn)
Mittwoch, 21. September 2016

Von Allergie bis Zöliakie: Was tun bei Verdacht auf Unverträglichkeit?

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall: Wenn nach dem Essen regelmäßig Probleme auftauchen, steht schnell eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit im Verdacht. Tests beim Facharzt schaffen hier Gewissheit; von Selbsttests aus dem Internet ist generell abzuraten.

Wer gesund ist und keine Beschwerden hat, muss auch nicht auf teurere laktose- oder glutenfreie Produkte zurückgreifen. Bei wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden sollte man zunächst einmal einen Arzt kontaktieren. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. "Er kennt die Lebens- und Krankheitsgeschichte eines Patienten über einen längeren Zeitraum", sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands in Bremen. So könne er alternative Ursachen für die Beschwerden ausschließen oder berücksichtigen. Magen-Darm-Infekte aber auch bestimmte Medikamente wie Antibiotika oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen können ähnliche Symptome wie bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit hervorrufen.

Wer kann testen?

Hält der Hausarzt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit für möglich, überweist er an einen Facharzt. Internisten oder Gastroenterologen führen die Tests durch. Wer einen Termin vereinbart, sollte sich schon vorab nach den Möglichkeiten in der Praxis erkundigen, rät Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

"Von Selbsttests aus dem Internet rate ich generell ab", warnt Mühlenfeld. "Ebenso sinnlos ist es, testweise einen Liter Milch auf leeren Magen zu trinken. Auch eine Person ohne Laktoseintoleranz bekommt davon Durchfall", meint Ökotrophologin Lämmel.

Auch der sogenannte IgG-Antikörpertest sei kein geeignetes Verfahren um Nahrungsmittelunverträglichkeiten nachzuweisen, sagt Prof. Martin Raithel, Experte der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Ein Überblick über die Tests für verschiedene Unverträglichkeiten:

Laktose und Fruktose

Neben der Unverträglichkeit auf Laktose, also Milchzucker, gibt es auch die Fruktosemalabsorption, bei der Betroffene Fruchtzucker nicht komplett aufnehmen können. Blähungen, Durchfall und Bauchkrämpfe können die Folge sein. "Auf Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit wird standardmäßig mit dem H2-Atemtest geprüft", erklärt Lämmel. Bei diesem auch Wasserstoff-Atemtest genannten Verfahren müssen Patienten eine Lösung mit Laktose beziehungsweise Fruktose trinken. Anschließend pusten sie in bestimmten Zeitabständen in ein Messgerät, das den Wasserstoffgehalt im Atem misst. Wird die Laktose oder Fruktose nicht richtig verstoffwechselt, produzieren Bakterien im Darm unter anderem Wasserstoff - und der Anteil im Atem steigt an.

Zöliakie

Bei Betroffenen führt der Verzehr von Gluten zu Entzündungen im Dünndarm. Zur Diagnose bestimmen Ärzte spezifische Antikörper im Blut und entnehmen Gewebeproben aus dem Dünndarm. Patienten sollten vor einem Test nicht selbstständig auf glutenhaltige Produkte verzichten, sagt Raithel, der auch Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen ist. Das könne das Ergebnis verfälschen.

Neben Zöliakie und Weizenmehlallergie gibt es wohl noch eine weitere Form, die Glutensensitivität - ein Krankheitsbild zu dem es bisher wenig Forschung gibt. Da diese Form keine immunologische Reaktion ist, lässt sie sich mit den beschriebenen Tests nicht nachweisen. Liegt keine Zöliakie vor, wechselt der Patient unter ärztlicher Kontrolle zwischen Phasen mit glutenhaltiger und glutenfreier Nahrung ab. Der Arzt kontrolliert und dokumentiert Reaktionen.

Histamin

Bisher existiert kein standardisierter Labortest auf Histaminunverträglichkeit. Ein Bluttest sei allein nicht zuverlässig, sagt Raithel. Er hält die Histaminunverträglichkeit zudem für überbewertet: "Oft steckt hinter der Histaminabbaustörung eine andere Erkrankung. Die Intoleranz ist lediglich ein Symptom." Mit einer histaminhaltigen Trinklösung und anschließender Beobachtung sowie Blut- oder Urintests wird sie diagnostiziert.

Nahrungsmittelunverträglichkeit - was nun?

Nach positivem Testergebnis ist eine Beratung durch Fachärzte oder zertifizierte Ernährungstherapeuten essenziell. Laktoseintoleranz bedeutet nicht unbedingt einen Komplettverzicht auf Milchprodukte. Ebenso bedeutet Fruktosemalabsorption kein absolutes Obst-Verbot. Was in welchen Mengen erlaubt ist, sollte unbedingt mit einem Experten geklärt werden, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung zu sichern.

Und bei negativem Testergebnis?

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass Tests auch falsche Ergebnisse liefern können. "Daher appelliere ich an meine Patienten, ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln und zu beobachten, was sie nicht vertragen", sagt Mühlenfeld. Wer trotzdem keine Besserung erreicht, kann einen Besuch beim Ernährungstherapeuten in Erwägung ziehen. Wichtig sei, dass man einen zertifizierten Ernährungstherapeuten und keine Ernährungsberatung aufsucht, sagt Lämmel. Eine gute Vorbereitung auf einen solchen Besuch ist ein Ernährungssymptomtagebuch. Dazu werden täglich alle verzehrten Lebensmittel und gegebenenfalls Beschwerden notiert.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen